Management Ernst K. Jungk: „Ich trieb unser Familienunternehmen beinahe in den Ruin“

Ernst K. Jungk, 75, Seniorchef des Ziegelherstellers JUWÖ Poroton im rheinhessischen Wöllstein, über seinen größten unternehmerischen Fehler: eine fatale Investitonsentscheidung, die auf allzu optimistischen Prognosen basierte.

Im Jahr 2000, nur drei Jahre nach der Inbetriebnahme eines neuen Ziegelwerkes, entschied ich, nochmals 17 Millionen Euro in den Bau einer weiteren Produktionsanlage zu investieren. Das trieb unser 1862 gegründetes Familienunternehmen beinahe in den Ruin.

Für die Investition sprachen die stürmische Umsatzentwicklung und die optimistischen Prognosen eigener und externer Berater. Ich vertraute darauf und verkannte fahrlässig, dass sich der Wohnungsbau eigentlich schon seit 1995 rückläufig entwickelte. Damals wurden noch 605.000 Wohneinheiten gebaut, 15 Jahre später nur noch 150.000.

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Ohne das neue Werk hätte mein Unternehmen diese lange Baukrise ohne Blessuren überstanden. Aber es kam anders. 2001 ging das vierte Werk in Betrieb, obwohl viele Ziegeleien, die in der Goldgräberstimmung nach der Wende in Ostdeutschland entstanden waren, für Überkapazitäten und einen Preisverfall am Ziegelmarkt sorgten. Zeitgleich spitzte sich die Krise im Wohnungsbau zu. Außerdem hatten wir uns für einen damals neuartigen Rollenofen entschieden, bei dem es noch technische Probleme zu lösen galt, die erhebliche Anlaufkosten verursachten.

Die Folgen waren dramatisch: Unser Umsatz brach 2001 von 14,9 auf 11 Millionen Euro ein. Der Verlust von 3,1 Millionen Euro zehrte das gesamte Eigenkapital von 3 Millionen Euro auf. Unsere Hausbanken sahen angesichts der roten Zahlen schwarz. Nur durch die Auflösung eigener Pensionsrückstellungen sowie die Bereitstellung weiterer Sicherheiten gelang es uns, sie bei der Stange zu halten.

Es begann ein langer Überlebenskampf, der uns bis 2010 zu schaffen machte. Ich habe aus diesem Fehler gelernt, mich nie wieder in diesem Umfang von Banken abhängig zu machen und auf Prognosen zu verlassen, bei denen niemand dafür garantiert, dass sie auch tatsächlich so eintreten werden.

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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