Management Immer mehr Berufsnomaden in Deutschland

Fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist aus beruflichen Gründen mindestens einmal umgezogen. Vor allem Akademiker packen häufiger für den Job die Koffer. Damit Angestellte in eine neue Stadt ziehen, müssen Arbeitgeber aber einiges bieten.

Fast jeder vierte Erwachsene in Deutschland ist aus rein beruflichen Gründen schon mindestens einmal umgezogen. Das hat eine repräsentative Umfrage für die Bertelsmann Stiftung ergeben, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Demnach packten für einen Job 23 Prozent der Befragten schon einmal ihre Koffer. Die Bereitschaft zur Mobilität steigt mit dem Bildungsabschluss. Von den Bundesbürgern mit Abitur oder Hochschulreife sind der Umfrage zufolge 40 Prozent schon einmal aus beruflichen Gründen umgezogen. Viele auch mehrfach. Ins Ausland sind für einen Arbeitsplatzwechsel 5 Prozent gegangen.

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Dabei müssen die Arbeitgeber aber schon einiges bieten, um den Arbeitnehmer zur Aufgabe seines bisherigen Lebensumfelds zu bewegen. Für über 60 Prozent der Befragten war der Grund eine unbefristete Stelle. Dagegen waren weniger als 25 Prozent bereit, wegen einer befristeten Stelle umzuziehen. Für einen befristeten Vertrag unter einem Jahr haben nur knapp 10 Prozent ihre Umzugskisten gepackt. 30 Prozent der in Westdeutschland Befragten hatten einen anderen Arbeitsplatz im gleichen Unternehmen in Aussicht. Gut 77 Prozent aller Befragten gaben an, sie hätten noch nie für einen neuen Job den Wohnort gewechselt. Dabei unterscheiden sich West- und Ostdeutsche kaum bei der Heimatverbundenheit.

Steuerliche Gründe spielten dagegen kaum eine Rolle

Der Weg über die deutschen Grenzen hinweg bleibt für viele eine zu große Hürde. Jeder Zweite hat es noch nie in Erwägung gezogen, für einen Arbeitsplatzwechsel ins Ausland zu gehen. Dagegen sprechen vor allem die Verbundenheit mit der Heimat und die Belastungen für Familie und Kinder. Bei denjenigen, die ins Ausland ziehen, handelt es sich zumeist um Akademiker und Gutverdienende. Bei dieser Gruppe lag der Anteil sogar bei 14 Prozent.

Als Motive für einen Umzug ins Ausland nennen 75 Prozent verbesserte Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung wie zum Beispiel das Erlernen einer neuen Sprache. 83 Prozent geben den Wunsch nach eigenen Auslandserfahrungen an, während 57 Prozent verbesserte Karrierechancen nannten. Steuerliche Gründe spielten dagegen kaum eine Rolle. Als Probleme im Ausland erwiesen sich für die deutschen Arbeitnehmer häufig mangelnde Fremdsprachenkenntnisse und der Wegfall von den in Deutschland erworbenen Ansprüchen in der Sozialversicherung.

Besonders auffällig ist die Mobilität von Absolventen einer Hochschule. So hat das Hochschul-Informations-System (HIS) im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass von den Absolventen des Prüfungsjahrgangs 2009 rund 80 Prozent nach dem Abschluss umgezogen sind. Insgesamt starten zwar nur wenige Berufsanfänger in einem Normalarbeitsverhältnis, aber nicht in allen Branchen ist das so: In der Wissenschaft und in den Medien sind befristete Jobs die Regel. Firmen aus der IT – oder Elektrotechnikbranche dagegen suchen händeringend hoch qualifizierte Arbeitskräfte und werben dafür um Berufseinsteiger mit unbefristeten Verträgen.

Mit fortgeschrittenem Alter nimmt die Bereitschaft, umzuziehen, aber deutlich ab. Während immerhin ein Viertel der Leute zwischen 25 und 34 ihren Wohnsitz ändern, haben sich die 35- bis 44-Jährigen dauerhaft für einen Ort entschieden. Die meisten haben in diesem Alter einen festen Job, Familie oder sogar ein Eigenheim. Nicht einmal jeder Sechste zieht dann noch um.

Wer für seinen in einer anderen Stadt befindlichen Job nicht umziehen möchte, dem bleibt das Pendeln. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov würde jeder zweite Befragte für die Karriere täglich eine Stunde pro einfacher Strecke fahren. Jeder Zehnte würde anderthalb Stunden pro Weg akzeptieren. Ebenfalls ein Fünftel der Befragten ist laut der Studie hingegen nicht bereit, täglich eine lange Anfahrt zum Job zu bewältigen oder den Wohnort zu wechseln.

Mit dpa

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