Management Immer weniger Menschen wagen den Schritt in die Selbstständigkeit

Die Gründungsfreude der Deutschen ist auf dem niedrigsten Stand seit 1996. Eine Ursache dafür ist laut den Forschern des Statistischen Bundesamts der robuste Arbeitsmarkt.

Gerade haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundeswirtschaftminister Philipp Rösler Startups in Berlin besucht und die Stärken der Gründerszene in Deutschland betont. Insbesondere Wirtschaftsminister Rösler möchte in Zukunft die Förderung verstärken und die Innovationskraft junger Firmen als eine Säule der heimischen Wirtschaft etablieren.

Ein anderes Bild liefern die in dieser Woche veröffentlichen Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden. Von einer Gründungs-Euphorie ist demnach wenig zu spüren.

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2012 wurden der Erhebung zufolge rund 134.000 Betriebe neu gegründet, deren Größe und Rechtsform auf eine wirtschaftliche Bedeutung schließen lassen. Ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Laut den Statistikern ist dies der niedrigste Stand seit der Erhebung im Jahr 1996. Gleichzeitig mussten knapp 122.000 größere Betriebe Insolvenz anmelden oder ihr Gewerbe schließen.

Ebenfalls einen historischen Tiefstand hat die Zahl der neugegründeten Kleinunternehmen erreicht. Kleinunternehmen sind Betriebe ohne Angestellte und ohne Eintrag ins Handelsregister. 243.000 Neugründungen im Jahr 2012 stehen 292.000 Geschäftsaufgaben im gleichen Zeitraum gegenüber. Das deutliche Minus bei den Neugründungen von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet gleichzeitig den niedrigsten Stand seit dem Start der Berechnung im Jahr 2003. Lediglich die Gründung im Nebenerwerb ist mit 241.000 nahezu konstant geblieben.

Neben dem momentan starken Arbeitsmarkt und der damit verbundenen hohen Beschäftigung sehen die Forscher aus Wiesbaden auch die schwache Konjunkturentwicklung als eine der Hauptursachen für die Zahlen. Diese erhöhe die Wahrscheinlichkeit mit einem jungen Unternehmen zu scheitern.

Einer Studie der KfW Bank zufolge macht sich auch der Wegfall des automatischen Zuschusses für zuvor arbeitslose Unternehmensgründer bemerkbar. Seit Ende 2011 wird dieser Zuschuss von anfangs 300 Euro nicht mehr automatisch gewährt. „Früher hatten Gründer aus der Arbeitslosigkeit heraus darauf einen Rechtsanspruch, jetzt ist es eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

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