Management „In Syrien öffnet sich jetzt ein wichtiges Zeitfenster für deutsche Unternehmen“

Der Syrer Chawkat Takla ist Gründer und Geschäftsführer der Firma Miditec Datensysteme GmbH in Bremen. Das Unternehmen mit 60 Mitarbeitern ist auf Sicherheitssysteme für Gebäude spezialisiert, etwa für Luxushotels oder Firmensitze. Takla im impulse-Interview.

Chawkat Takla kam als 18-Jähriger aus Syrien nach Deutschland. Der Diplom-Ingenieur gründete 1983 die Miditec Datensysteme GmbH in Bremen. In Dubai und Damaskus gibt es Tochtergesellschaften. Der 62 Jahre alte Takla ist Honorakonsul für Syrien und Vize-Präsident des Syrian German Business Council in Deutschland. Der Unternehmer im impulse-Gespräch:

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Die Welle der blutigen Aufstände in den arabischen Staaten hat auch Syrien erreicht. Deutsche Unternehmen sind wegen der Unruhen verunsichert.

In diesen Wochen warten alle ab. Das ist verständlich. Allerdings waren die Bedingungen für ausländische Investoren nie so gut wie heute – die eingeleiteten Wirtschaftsreformen greifen. Liberalisierung, Marktöffnung und Verwaltungsreform gehen voran. Zudem gibt es jetzt eine regelrechte Aufbruchsstimmung im Land. Angst um ihre Investitionen oder ihre Sicherheit müssen Unternehmer ohnehin nicht haben.

Sie selbst haben aber eine Delegationsreise deutscher Unternehmer abgesagt.

Ja, aber nicht wegen der Sicherheit, sondern weil durch den Regierungswechsel die Ansprechpartner in den Ministerien wechseln. Wir holen die Reise im Juni nach. Es gibt so viele Chancen, die die Deutschen nicht versäumen sollten.

Welche denn?

In Syrien gibt es einen enormen Investitionsbedarf. Häfen, Airports und Autobahnen werden gebaut oder erneuert, auch ins Wasser- und Energienetz fließt viel Geld. So soll Syrien zum Handelszentrum für die Golfstaaten heranwachsen. Jetzt öffnet sich ein wichtiges Zeitfenster: Die syrische Regierung will bis 2015 etwa 100 Milliarden Dollar investieren. Wer jetzt zu lange zögert, geht leer aus.

Das klingt, als würden Sie die Deutschen für übervorsichtig halten.

Ja! Und das sage ich als Bremer (lacht). Schauen Sie: Die Deutschen kommen immer zu spät. Die Franzosen und Italiener sind längst da. Auch die Türkei ist in der Region enorm engagiert. Doch „Made in Germany“ ist in den arabischen Ländern viel wert – wenn sich die deutschen Unternehmen in die Region wagen, haben sie alle Chancen.

Wogegen richten sich die Demonstrationn in Syrien?

Die Unruhen sind eine Reaktion auf die zu langsam verlaufende Modernisierung und die Korruption. Die Demonstranten haben schon mehr erreicht, als man noch vor ein paar Wochen erträumen konnte. Dass die seit 1963 geltenden Notstandsgesetze, die den Sicherheitskräften weitreichende Befugnisse einräumen, nun auf den Prüfstand gestellt werden ist für sie ein großer Erfolg. Genau wie der Rücktritt der Regierung. Staatschef Baschar el Assad wird nun die Umsetzung der Reformen beschleunigen.

Eine Revolution wie zuvor in Tunesien und Ägypten…

…wird es aber nicht geben. Baschar el Assad wird weiter an der Spitze stehen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 05/2011.

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