Management „Internationalisierung ist im Gange“

Zu Beginn des Jahres 2010 übernahm Richard, der zurückhaltende Sohn von Firmenpatriarch Rudolf-August Oetker, die Spitze des Familienunternehmens von seinem Bruder August. Wieviel Richard Oetker steckt bereits in Dr. Oetker? Ein Gespräch.

Wenn es bei Oetker um Zahlen geht, wird Richard ebenso wortkarg wie seine Vorgänger an der Spitze des Familienunternehmens. „Einigermaßen zufriedenstellend“ ist so eine typische Floskel. „Eine Eigenschaft des Ostwestfalen ist die Bescheidenheit“, sagte Richard Oetker am Dienstag in Bielefeld fast entschuldigend. „Darum drücken wir uns auch so aus.“ Seit Anfang 2010 steht der Ostwestfale jetzt an der Spitze des Unternehmens und muss sich anscheinend immer noch an Blitzlicht und hartnäckige Journalistenfragen gewöhnen.

Und was hat sich jetzt in den letzten 15 Monaten bewegt im Hause Oetker? „Eine Strategieänderung hat es nicht gegeben“, sagte Richard Oetker der Nachrichtenagentur dpa. Eine Fokussierung auf bestimmte Produkte und die Internationalisierung sei schon lange im Gange. Was er seit Amtsantritt eingebracht habe, könne er gar nicht sagen, wehrte Oetker ab. „Wissen Sie, ich habe so viele kompetente und loyale Mitarbeiter. Wer wieviel einbringt, kann man gar nicht sagen.“

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Oetkers Credo ist die Mannschaftsleistung. „Es liegt auf jeden Fall nicht an einem Einzelnen“, unterstrich er mehrmals. „Und schon gar nicht an mir, sondern wir sind ein Team.“ Und damit meint er nicht nur den Vorstand. „Egal, an welcher Stelle er im Unternehmen tätig ist, jeder Einzelne hat seinen Anteil am Erfolg.“ Er versuche jeden Mitarbeiter zu motivieren und zu begeistern.

Was man ihm bei öffentlichen Terminen oft anmerkt: Richard Oetker steht nicht gern im Mittelpunkt. Und er trennt Namen und Leistung. „Es stört mich, wenn ich als Namensträger immer so hervorgehoben werde.“ Und was könnte doch seine ganz individuelle Leistung sein? „Mir ist sehr wichtig, dass der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wird.“ Und dann wäre da noch das Team, sagte er, aber das hatten wir ja schon. Irgendwie sehr ostwestfälisch.

Oetker ist viel mehr als Pudding und Pizza: Das traditionsreiche Familienunternehmen in Bielefeld ist ein großer Gemischtwarenladen mit etwa 400 einzelnen Unternehmen und rund 24.000 Mitarbeitern weltweit.

Die bekannteste Sparte ist sicherlich die Dr. Oetker GmbH. Zu deren Produkten zählen unter anderem Puddingpulver, Backmischungen und Tiefkühlkost. Weltweit arbeiten für die Sparte mehr als 9000 Beschäftigte in 40 Ländern. 2009 betrug der Umsatz 1,79 Mrd. Euro. Insgesamt macht die Nahrungsmittelsparte mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes der Oetker Gruppe aus.

Neben den Nahrungsmitteln gehören zur Oetker Gruppe auch die Reederei Hamburg Süd, das Bankhaus Lampe, eine Chemiefabrik und Luxushotels. Außerdem zählen etwa Deutschlands größter Bierbrauer, die Radeberger-Gruppe, und die Segmente Wein, Sekt („Metternich“, „Henkell“) sowie Champagner und Wodka („Gorbatschow“) zum Konzern. Der Gesamtumsatz lag 2009 bei knapp 8 Mrd. Euro.

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