Management Karstadt-Insolvenzverwalter kassiert 32 Mio. Euro

Pleiten bedeuten für viele Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit. Für manche sind sie eine Goldgrube. Das zeigt das Beispiel Klaus Hubert Görg. Allerdings: Die vielen Millionen behält er nicht für sich allein.

Das Ende einer der größten Firmenpleiten in Deutschland spült dem Insolvenzverwalter von Karstadt mehr als 30 Mio. Euro in die Kasse. Nach einer Verfügung des Amtsgerichts Essen, aus der die Nachrichtenagentur Reuters zitierte, bekommt Klaus Hubert Görg für die Abwicklung des Verfahrens wie beantragt 32,3 Mio. Euro einschließlich Mehrwertsteuer.

Görgs Sprecher bestätigte auf Anfrage von FTD.de die Summe. Jedoch erhalte der Jurist die Millionen nicht allein, sondern teile sie mit den Kollegen aus seiner Kanzlei. Nach welchem Schlüssel die Millionen aufgeteilt werden, konnte der Sprecher nicht sagen.

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Insgesamt gehören der Wirtschaftskanzlei Görg nach eigenen Angaben mehr als 140 Juristen an. Mit dem Karstadt-Insolvenzverfahren war in den vergangenen Monaten eine Kernmannschaft von 15 bis 20 Anwälten beschäftigt. Die Kanzlei hat Standorte in fünf deutschen Großstädten und gilt als eine der bekanntesten Adressen in Deutschland für Insolvenzverfahren.

Görg hatte Karstadt gut 16 Monate mit seinem Team verwaltet und nach einem Tauziehen mit Gläubigern und Vermietern Ende September an Nicolas Berggruen verkauft. Der deutsch-amerikanische Investor, dem die Warenhauskette seit vergangenem Freitag gehört, will das Unternehmen in den nächsten Monaten aus der langjährigen Krise führen.

Görg hatte in einem Interview gesagt, die Insolvenzordnung hätte für das Verfahren – seinen letzten großen Fall – auch ein Honorar von etwa 50 Mio. Euro gerechtfertigt. Der 1940 geborene Jurist bleibt Insolvenzverwalter für mehr als 40 Einzelgesellschaften des ehemaligen Arcandor-Konzerns, von dem Karstadt nur ein Teil war.

Als größere Verfahren gelten noch Quelle oder die Dachgesellschaft Arcandor. Diese Verfahren dürften sich aber noch Jahre hinziehen. Der Insolvenzverwalter wird aus der Insolvenzmasse bezahlt, ebenso wie die Gerichtskosten.

Insgesamt kostete das Karstadt-Insolvenzverfahren nach Angaben von Görg rund 50 Mio. Euro. Davon verschlangen allein die Gerichtskosten 10 Mio. Euro. Die zwölf Mitglieder des Gläubigerausschusses, dem unter anderem Betriebsratschef Hellmut Patzelt angehört, erhalten zusammen rund 2 Mio. Euro.

Mitglieder des Ausschusses, die von Anfang an dabei waren, bekämen für die 14 Sitzungen insgesamt je 178.000 Euro, bestätigte Görgs Sprecher. Wer nachnominiert wurde, erhalte weniger.

Unter den Mitgliedern des Insolvenzausschusses sind unter anderem Vertreter von Banken, Versicherungen, der Bundesagentur für Arbeit, dem Pensionssicherungsverein oder dem Land.

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