Management Kinder betreuen

Mitten in der Krise, als alle anderen sparten und in den eigenen Werkshallen längst auf Kurzarbeit umgestellt worden war, nahm der Automobilzulieferer Brose noch einmal Geld in die Hand. An seinem Hauptsitz in Coburg eröffnete er den "Kids Club" und die "Brose Kinder- und Jugendakademie".

Heute, rund drei Jahre später, floriert die Kinderbetreuung dort ebenso wie die Produktion im Unternehmen selbst: 45 Kinder verbringen hier ihre Nachmittage, in den Ferien sind es bis zu 120. Unter den Pädagogen sind eine Märchenerzählerin und eine englische Muttersprachlerin. In der Akademie spielen die Kinder mit einer Kunsthistorikerin mittelalterliches Burgleben nach, machen einen Internetführerschein oder wechseln in einer Kfz-Werkstatt Reifen. Viele Kurse werden von Brose-Mitarbeitern gehalten, die in ihrer Freizeit mit dem Nachwuchs Stromkreise und Miniwindräder bauen. „Dabei wollen wir keine kleinen Brosianer erziehen“, sagt Manfred Seemann, Leiter der Mitarbeiter- und Familienbetreuung, „wir wollen den Mitarbeitern einfach das Beste bieten.“ Gerade erst hat das Unternehmen dafür einen Sonderpreis beim Wettbewerb Erfolgsfaktor Familie des Bundesfamilienministeriums gewonnen.

Kinderbetreuung ist der Klassiker im größer werdenden Work-Life-Balance-Werkzeugkasten – ursprünglich eine Idee der Industrie: Weil die Kinder in den Fabriken, wo ihre Eltern arbeiteten, oft herumliefen und den Betrieb störten, kümmerten sich bald die Arbeitgeber um sie. Die Waldorfschulen zum Beispiel haben ihren Namen von der Zigarettenfabrik Waldorf-Astoria in Stuttgart, wo sie als Betriebsschule starteten.

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Heute hat der Staat diese Aufgabe weitestgehend übernommen, doch können Firmen noch immer einiges besser machen: Wenn sie höhere Qualität bieten. Oder flexibler sind. Wird etwa der Partner krank und kann sich nicht ums Kind kümmern, kann der Arbeitgeber einspringen: mit Spielzimmern, Betreuung am Arbeitsplatz, Tagesmüttern. Auch beim Kampf um knappe Plätze in staatlichen Kitas und Krippen helfen Chefs, indem sie ein festes Kontingent für ihre Mitarbeiter reservieren. Brose etwa hält bei der Caritas in Coburg immer 15 Plätze frei und lässt sich das 30.000 Euro im Jahr kosten.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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