Management Konjunktur-Flaute: Welche Strategie verfolgen die Unternehmen

Steigende Preise, weniger Wachstum - und schlechte Prognosen für die kommenden Monate. Die Aussichten für deutsche Unternehmen sind getrübt - und dabei waren sie optimistisch ins Jahr gestartet: Ende 2007 glaubten viele Firmen daran, auch weiterhin gute Geschäfte zu machen. Dabei setzten sie auf unterschiedliche Strategien.

„Die volle Wucht der Hypothekenkrise in den USA bekommen wir erst 2008 zu spüren“ – so warnte der Spitzenmanager eines deutschen Bankinstituts Ende vergangenen Jahres die in einem Kölner Luxushotel versammelten Firmenchefs. Kreditkrise, Ölpreis, Inflationsgefahr und ein schwächelndes Wirtschaftswachstum – die Aussichten seien alles andere als rosig. Doch von Pessimismus war bei Deutschlands Unternehmern nichts zu spüren. Zwei von drei Firmenchefs waren davon überzeugt, dass sich der Aufschwung auch 2008 fortsetzen wird. Rund 59 Prozent sahen gute Wachstumsmöglichkeiten für ihre Branche, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage mit mehr als 500 Mittelständler, die das Meinungs­for­schungsinstitut Forsa im Auftrag von impulse Ende 2007 durchführte.

„Die Richtung stimmt“

Anzeige

Aber: „Der Aufschwung ist kein Selbstläufer“, so Bettina Würth, Herrin über das gleich­namige Schraubenimperium. Um ihre Erfolge fortzusetzen, fordern viele Firmenchefs verlässliche Informationen. „Die Richtung stimmt, aber Steuer- und Abgabenlast sind immer noch zu hoch“, kritisierte damals auch Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller – sie forderte zusätzliche Entlastungen aus Berlin.

Doch Korrekturen oder gar weitere Reformprojekte stehen nicht auf der Agenda. Außerdem treiben nach wie vor Schreckgespenster wie der gesetzliche Mindestlohn ihr Unwesen. Die SPD driftet zunehmend nach links. Und selbst bei den Christdemokraten und ihrer bayerischen Schwesterpartei lässt der Reformeifer spürbar nach. Fazit: Die Politik ist so das größte Risiko für den Aufschwung.

Konjunkturbremse sind außerdem die hohen Energiepreise. Und: Auch eine Entspannung an der Preisfront ist nicht Sicht. Mit den entsprechenden Folgen für den Kaufkraft-Killer Nummer eins: die Inflation. Zwar wird sich die Teuerung nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) 2009 deutlich abschwächen. Wie der IWF am Montag erklärte, wird die Rate in der Eurozone bis Ende 2009 unter 2 Prozent fallen. Das allerdings ändert nichts an den Zahlen, die das Wachstum aktuell bremsen: Im Juli waren die Verbraucherpreise im Euroraum um 4,1 Prozent gestiegen – ein neues Rekordhoch seit 1999, der Einführung des Euro.

Aufschwung dank richtiger Politik?

Was Angela Merkel und ihre Ministerriege tun könnten, um die Geschäfte anzukurbeln – dazu haben Deutschlands Unternehmer klare Vorstellungen: 60 Prozent forderten in besagter impulse-Studie, dann umgehend den Solidaritätszuschlag abzuschaffen. Ersatzweise könnte die Einkommensteuer gesenkt werden (55 Prozent). Gut 44 Prozent rufen nach einem staat­lichen Konjunkturprogramm, und fast genauso viele hoffen, dass die Kanzlerin in diesem Fall die ungeliebte Mehrwertsteuer­erhöhung von 2007 wieder rückgängig macht.

Für deutsche Unternehmen gibt es bis Jahresende aber auch noch einige Termine, die Auswirkungen auf deutsche Unternehmen haben könnten. Im November endet nach zwei Amtsperioden die Ära von George W. Bush. Dann könnte das steigende Umweltbewusstsein der Amerikaner der deutschen Solar- und Windkraftbranche neuen Schwung geben.

Was bedeutet die Bankenkrise für die Firmenfinanzierung? Wie lässt sich das Auslandsgeschäft weiter ausbauen? Welche Länder sind für die Exporteure besonders interessant? Auf welchen Inlandsmärkten locken im nächsten Jahr gute Geschäfte? Ergebnisse der impulse-Umfrage (Ende 2007).

Neue Märkte im Visier

Der Vorstandsvorsitzende der Jungheinrich AG, Hans-Georg Frey, will mit Innovationen und Leistung weiter wachsen. Er sagt: „Wir haben neue Märkte im Visier.“ Dabei läge der Fokus klar auf Asien und Osteuropa, so Frey. Und: „Langfristig sehe ich auch in Südamerika, in den arabischen Staaten und in Südafrika gute Chancen.“

Die Jungheinrich AG zählt weltweit zu den führenden Unternehmen in den Bereichen Flurförderzeuge, Lager- und Materialflusstechnik. Zum Premium-Produkt gehört etwa der Jungheinrich-Gabelstapler. Um ihr Geschäft anzukurbeln, wollen die Firmenlenker auf den Direktvertrieb über die Töchter in den einzelnen Ländern setzen. „So sind wir ganz nah am Kunden und können Wünsche und Anregungen schnell aufgreifen, etwa bei der Entwicklung neuer Produkte.Zusätzlich bauen wir den After-Sales-Service aus und stärken unseren Vertrieb in den Wachstumsregionen“, sagt Frey.

Reform der Firmensteuer zügig weiterentwickeln

Nicola Leibinger-Kammüller, Geschäftsführerin der Trumpf GmbH in Ditzingen, forderte in der impulse-Umfrage die Abschaffung der Erbschaftsteuer. „Der Trend in Europa geht dorthin“, sagte die 47-Jährige- und fügte hinzu: „Wieso ist dies nicht bei uns möglich?“ Das Familienunternehmen beschäftigt über 7000 Mitarbeiter und macht 1,9 Milliarden Euro Umsatz. 70 Prozent davon im Auslandsgeschäft.

Was für Leibinger-Kammüller wichtiger ist – Steuersenkung oder -vereinfachung? „Das sollte Hand in Hand gehen. Vor allem im Interesse kleiner Betriebe. Für sie sind die komplizierten Regeln nahezu unüberschaubar.“ Immerhin sei die Unternehmensteuerreform ein Schritt in die richtige Richtung. Aber reichen die bisherigen Reformschritte aus? „Noch lange nicht“, erklärte Leiblinger-Kammüller. Denn: „Steuern und Sozialabgaben sind im internationalen Vergleich immer noch zu hoch. Die Bundesregierung muss den Reformkurs beibehalten. Die Agenda 2010 aufzuweichen ist der völlig falsche Weg. Dann fallen wir im Standortwettbewerb schnell wieder ab.“

Das Ergebnis der Online-Umfrage sehen sie hier:

Glauben Sie, dass sich der Wirtschaftsaufschwung auch 2008 fortsetzt?
Ja

53%
Nein

47%
Für den Fall, dass sich das Wirtschaftswachstum 2008 doch abschwächt: Was sollte die Große Koalition zur Konjunkturbelebung unternehmen?
Ein Konjunkturprogramm auflegen

14%
Die Einkommensteuer senken

37%
Den Solidaritätszuschlag abschaffen

29%
Die Mehrwertsteuer senken

20%
Gar nichts
Wie optimistisch sind Sie für Ihre Branche?
Sehr optimistisch

17%
Optimistisch

43%
Weniger optimistisch

34%
Überhaupt nicht optimistisch

6%
Wie optimistisch sind Sie für Ihren eigenen Betrieb?
Sehr optimistisch

9%
Optimistisch

54%
Weniger optimistisch

31%
Überhaupt nicht optimistisch

6%
Befürchten Sie, dass deutsche Banken 2008 in den Sog einer weltweiten Finanzkrise geraten könnten?
Ja

57%
Nein

43%
Schadet der starke Euro Ihrem Geschäft?
Ja

40%
Nein

60%
Glauben Sie, dass die Unternehmenssteuerreform, die ab 2008 greift, Ihre Firma finanziell entlasten wird?
Ja

41%
Nein

59%
Falls ja, werden Sie dieses Geld reinvestieren?
Ja

57%
Nein

43%
Welche der folgenden Maßnahmen sollte die Große Koalition in der Steuerpolitik unbedingt noch auf den Weg bringen?
Die Senkung der Einkommensteuer

26%
Die Abschaffung des Solidaritätszuschlags

26%
Spürbare Vereinfachungen des Steuerrechts

46%
Nichts. Das Wichtigste ist geregelt

3%
Werden Sie Ihren Exportanteil 2008…
ausbauen

48%
gleich halten oder

39%
reduzieren

13%
Rechnen Sie mit einer Umsatzsteigerung auf dem deutschen Binnenmarkt?
Ja

50%
Nein

50%
Wer wird 2008 die Wirtschafts- und Sozialpolitik stärker bestimmen: die „Reformer“ oder die „Traditionalisten“?
Ja

61%
Nein

39%
Bundeskanzlerin Angela Merkel verschiebt die Akzente in der Außenwirtschaftspolitik: Sie setzt auf die Einhaltung von Menschenrechten und verschärft die Kritik gegenüber autokratischen Staaten wie China oder Russland. Unterstützen Sie diesen Kurs?
Ja, denn Prinzipientreue geht vor Geschäften in diesen Ländern

54%
Nein, der Kurs ist überambitioniert und geht zulasten von Exporterfolgen.

46%

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...