Management Krisen begleiten

Es gibt Arbeitgeber, die schicken Mitarbeitern nach Unfällen ein Kündigungsschreiben in die Klinik. Die Softwarefirma Computacenter schickt Michael Lehmann.

Der spricht dann bis zu zwei Stunden mit dem Patienten, dem Klinikarzt, der Reha-kraft und dem Hausarzt. Wird es Folgeschäden geben? Was kann die Firma tun, um die Genesung zu unterstützen? Muss der Arbeitsplatz angepasst werden? Lehmann ist Disability-Manager. Mit zwei Kollegen ist es seine Aufgabe, die rund 4000 Mitarbeiter in Deutschland bei psychischen oder körperlichen Krisen zu unterstützen. „Damit sich nicht alles zur Katastrophe auswächst“, sagt er.

Das Team hilft bei der Rückkehr, vermittelt Therapieplätze, gibt Seminare und Sportkurse zur Vorsorge und unterstützt sogar bei der Trauerbewältigung. Alle drei haben eine interdisziplinäre Ausbildung, kennen sich mit medizinischen, psychologischen und juristischen Fragen aus. Die Disability-Manager stehen für den neuesten Trend in Sachen Work-Life-Balance. Bei Überlastung, Sinnkrisen oder familiären Problemen stellen Arbeitgeber psychologische Berater oder engagieren dafür externe Hilfe. Der Dienstleister Carpediem 24 bietet eine 24-Stunden-Telefonseelsorge, die Konkurrenz hat Ähnliches im Programm. Der Grundgedanke: Mitarbeiter geben ihre psychischen Probleme nicht an der Eingangstür ab, sondern nehmen sie mit in den Job.

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Um die Körper ihrer Angestellten kümmern sich Chefs schon länger: Aus einstigen Betriebssportgruppen sind Fitnessgruppen geworden, die Betriebsärzte sind Teil des Gesundheitsmanagements. Hinzu kommen Masseure für verspannte Schultern oder Ernährungsberater.

Neu ist, wie gezielt sich Experten wie Lehmann bei Computacenter darum kümmern, Mitarbeiter nach Unfällen oder Ausfällen wieder einzugliedern. Wichtig: Die Vertrauenspersonen fürs Private müssen unabhängig von der Personalabteilung sein, damit sich niemand überwacht fühlt. „Mit dem eigentlichen Geschäft haben wir nichts zu tun“, sagt Disability-Manager Lehmann.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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