Management Kritiker sehen Minijobs als Karriere-Sackgasse für Frauen

Frauen verdienen in Deutschland weiterhin deutlich weniger Geld als Männer.

Frauen verdienen in Deutschland weiterhin deutlich weniger Geld als Männer.© Gina Sanders / Fotolia

Rund sieben Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in Minijobs. Viele Minijobber mögen ihre Tätigkeiten. Doch ein Sprungbrett für Frauen in reguläre Beschäftigung sind sie nicht. Kritiker werten sie als Sackgasse.

Die meisten Frauen mit einem oder mehreren Minijobs bleiben geringfügig beschäftigt. Ein Wechsel in reguläre Beschäftigung wird umso unwahrscheinlicher, je länger der Minijob währt, geht aus einer Studie für das Bundesfamilienministerium hervor.

Die große Mehrzahl der Frauen – über 80 Prozent – sehen das im Gegensatz zu den Kritikern aber nicht als Sackgasse. Über die im vergangenen Oktober veröffentlichte, damals aber unbeachtet gebliebene Studie berichtete zuerst die „Süddeutsche Zeitung“ in dieser Woche.

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SPD und Grüne wollen im Bundesrat Anfang Mai einen Vorstoß zur schärferen Regulierung und Kontrolle von geringfügigen Arbeitsverhältnissen starten. Dies kündigte NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) am Montag in Berlin an. Kritisiert wird insbesondere, Minijobbern würden gesetzliche Rechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub häufig verweigert.

Mindestlohn von 8,50 Euro geplant

„Obwohl Mini-Jobber arbeitsrechtlich allen anderen Beschäftigten gleichgestellt sind, werden sie von einer Vielzahl von Arbeitgebern als billige Arbeitskräfte zweiter Klasse behandelt“, sagte Schneider. Eine Abschaffung der Minijobs sei aber nicht geplant, wohl aber ein Mindestlohn von 8,50 Euro.

Das Fazit der Studie für das Familienministerium: „Die Hürde zu einer regulären Teilzeit- oder Vollzeitstelle wird erst durch den Minijob pur errichtet bzw. massiv erhöht.“ Minijobs seien „ein Programm zur Erzeugung lebenslanger ökonomischer Ohnmacht und Abhängigkeit von Frauen“.

Der Untersuchung zufolge sind Frauen, bei denen der Minijob keine zusätzliche Nebenbeschäftigung ist, im Durchschnitt sechs Jahre und sieben Monate geringfügig beschäftigt. Bei Verheirateten sind es sieben Jahre und einen Monat.

Institut der deutschen Wirtschaft widerspricht Kritikern

Dagegen haben nur 14 Prozent der Frauen, die früher einen Minijob als Hauptbeschäftigung ausübten, heute eine Vollzeitstelle, 26 Prozent eine Teilzeitstelle mit mindestens 20 Stunden pro Woche. Mehr als die Hälfte früherer Minijobber ist nicht mehr erwerbstätig. Dies zeige, dass Minijobs – anders als erhofft – „nicht als Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wirken“.

Nach einer neuen Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) verdient jeder zweite Minijobber weniger als 8,50 Euro in der Stunde. Zwei Drittel von ihnen hat noch nie den gesetzlich zustehenden bezahlten Urlaub genommen. 41 Prozent erhalten der Erhebung zufolge keinen bezahlter Urlaub. 39 Prozent der Arbeitgeber geben an, im Krankheitsfall den Lohn nicht weiterzubezahlen.

Aus Sicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) entspricht die Arbeit im Minijob meist „den Wünschen der Beschäftigten“ selbst. Ganz überwiegend gebe es dafür persönliche Gründe wie die Betreuung von Kindern, „aber auch der Wunsch, Zeit für andere Dinge zu haben“. Nur 17 Prozent der geringfügig beschäftigten Frauen empfänden einen Minijob als „berufliche Sackgasse“.

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