Management Kunde auf den ersten Klick

IT-Firmen helfen Mittelständlern, sich im Netz prominent zu präsentieren, damit sie mehr Kunden gewinnen. Zu allererst stellen sie meist sicher, dass ein Anbieter überhaupt online sichtbar ist.

Für den Webshop des Bremer Ferienhausspezialisten TUI Wolters Reisen ist das Internet ein wichtiger Vertriebskanal. Wie alle Unternehmen, die einen Onlineshop betreiben, will auch dieser Mittelständler prominent im Web sein. „Die besten Geschäfte im Netz macht, wer im Ranking bei Google weit oben steht und damit schnell von potenziellen Kunden gefunden wird“, erläutert TUI-Wolters-Webmanagerin Karin Scharnhusen. Der norddeutsche Reiseexperte beschäftigt 150 Mitarbeiter und bietet etwa 15.000 Ferienhäuser und -wohnungen an. Wer bei Google die Begriffe „Ferienhäuser“ und „Italien“ eingibt, bekommt als erstes Ergebnis www.tui-ferienhaus.de angezeigt.

„Das ist für uns die halbe Miete“, sagt Scharnhusen. „Die User klicken unsere Seite an und sehen unsere Angebote.“ Um künftig auch mit anderen Begriffen wie etwa „Spanien“ und „Ferienwohnungen“ auf einem virtuellen Logenplatz zu landen, arbeitet der Reiseveranstalter seit zwei Monaten mit der SEO-Firma Testroom zusammen. Die Hamburger beraten ihn bei der technischen Gestaltung seines Onlineauftritts, geben Tipps für den Content der Firmenseiten, optimieren Suchbegriffe und schreiben redaktionelle Beiträge in Blogs und auf Ratgeberseiten, die von anderen Webseiten gern verlinkt werden.

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SEO-Firmen gibt es zwischen Passau und Flensburg fast so viele wie Smartphoneapps. Zu den größten Anbietern gehören neben Testroom die Webseitenoptimierer Searchmetrics, Active Traffic und Explido. Die meisten dieser Dienstleister verkaufen ihren Kunden technische Lösungen, nur wenige setzen auch auf die Macht des Wortes. Zu diesen gehören Content.de, Independent Publishing sowie die Gründer und Geschäftsführer von Testroom, Michael Dunker und Andreas Fey. Die beiden Journalisten lernten sich Ende der 90er-Jahre in der Redaktion der Zeitschrift „Computerbild“ kennen.

2008 machte sich das Duo selbstständig. Seine Idee: Die Webseiten kleiner und mittelständischer Firmen mit nutzerorientierten Texten und sinnvollen Verlinkungen zu anderen Seiten in den Rankings von Google und Co. ganz nach oben zu bringen. Dunker: „Wenn eine Website auf eine themenrelevante andere verlinkt, verstehen die Suchmaschinen das als eine Empfehlung.“ Schnell wurden die Newcomer zu „Googleverstehern“. Fey: „Wenn man weiß, wie eine Suchmaschine arbeitet, welche Inhalte sie berücksichtigt und welche nicht, kann man mit guten, journalistisch ausgebildeten Textern Unternehmen helfen, im Web Prominenz zu erlangen.“ Sein Credo: „Content is Kaiser. Der Inhalt entscheidet über den Erfolg.“

Grundsätzlich gelte: Ein Text, den Google & Co. als wichtig einstufen sollen, muss mindestens 300 Worte haben, besser 500 oder mehr. „Kurze Texte haben für die Suchmaschinen kaum Bedeutung“, sagt Fey. Die wichtigsten Keywords sollten möglichst weit vorn im Text vorkommen und sich später nochmals wiederholen: „Außerdem sollten die Schlüsselworte in Zwischenüberschriften und im gefetteten Text stehen.“

Wortwolken gesucht

Auch die Semantik spiele eine wichtige Rolle. So ist es laut Fachmann Fey notwendig, eine relevante Wortwolke um einen Begriff herum zu konstruieren. Bei „Kunstrasen“ etwa sind das Worte wie „Hockey“, „Fußball“, „Stadion“ oder „grün“. Studien belegen außerdem: Websites mit Fotos von Menschen werden besonders lange betrachtet. Fey: „Damit lässt sich die Verweildauer der Besucher auf einer Website erhöhen.“

70 Mitarbeiter beschäftigt Testroom mittlerweile, 100 sollen es Ende des Jahres sein. Die Zahl der Kunden beläuft sich auf rund 200 – unter ihnen ein Viertel der 20 größten deutschen Onlineshops. Medion-Vorstand Christian Eigen hat sich erstmals 2008 von Testroom helfen lassen: „Die Optimierung der eigenen Website für Suchmaschinen ist schon seit Langem Pflicht, vor allem im E-Commerce-Bereich“, konstatiert er. Die Verbindung von journalistischen Inhalten und technischer Optimierung hält Eigen für gut. Dadurch habe Medion „schon signifikante Erfolge erzielen können“.

Noch wichtiger als für etablierte Unternehmen ist eine steigende Bekanntheit für Newcomer. Deswegen arbeitet auch das Bauunternehmen Lindemann aus Stade mit Testroom zusammen. Die Firma, die Wohn- und Gewerbeimmobilien hochzieht, hat außerdem eine eigene Fenster- und Metallbaufertigung. Prokurist Friedrich Witt ist sich sicher: „Netzwerke gewinnen für unsere Kommunikation mit unseren Kunden immer mehr an Bedeutung.“ Aber: „Irgendwann wollen wir die Suchmaschinenoptimierung in Eigenregie machen.“ Für Testroom-Chef Dunker ist das nicht ungewöhnlich: „In vielen Projekten leisten wir auch Hilfe zur späteren Selbsthilfe.“

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