Management Leben nach Zahlen

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Einmal im Monat stellt impulse-Redakteur Georg Dahm Unternehmerspielzeug vor

Einmal im Monat stellt impulse-Redakteur Georg Dahm Unternehmerspielzeug vor

Einmal im Monat stellt impulse Unternehmerspielzeug vor. Dieses Mal: Trackinghilfen. Mit den kleinen Geräten wird es massentauglich, ein Lebensprotokoll zu führen, das jeden Hausarzt erfreuen würde.

Unbequeme Wahrheiten lassen sich prima ignorieren. Bis sie einer ausspricht. Zum Beispiel: Du bewegst deinen Hintern zu wenig. Diese Aufgabe habe ich probehalber dem Fitbit übertragen. Der Clip an meiner Hose misst meine Bewegungen und stellt die Daten online: Wann war ich fit, wann faul? Für die Kontrolle zwischendrin zeigt er meine Leistung in Schritten, Stockwerken und Kalorien; als freundliche Aufforderung, noch eine Runde zu drehen. Mit der Begleit-App kann ich meine Ernährung erfassen und was noch so mit meinem Körper passiert.

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Auf den ersten Blick ist das ein Motivationsspielzeug für Minderbewegte – wer ernsthaft Sport treibt, stößt an Grenzen, viele Disziplinen erfasst der Schrittzähler schlecht (Radfahren) bis gar nicht (Schwimmen). Aber er ist auch kein Sportgerät, sondern ein Anreiz, seinen Lebensstil online zu erfassen – für sich, für den Arzt, für die Kumpels. Und das macht ihn zum Vorreiter einer kleinen Kulturrevolution. Wer früher Buch führte über Kalorien, Kilos oder Kilometer, der war auf Diät. Oder Sportler. Oder sonderbar. Und er musste leidensfähig sein: Wer eine miese Benutzerführung will, der kaufe sich eine Laufuhr. Der Fitbit aber steht für eine neue Generation von Messgeräten, die schick und einfach sind: Mein einziges Problem war, das Ding nicht zu verlieren. Es hat einen sonderbaren Reiz, in harten Zahlen zu sehen, was man die Tage so getrieben hat.

Trackinghilfen
1 Laufen Der Fitbit One misst tagsüber die Bewegungsfreude, nachts die Schlafruhe, 99,95 Euro über www.fitbit.com
2 Ruhen Schlafqualität messen und verbessern; rund 173 Euro als Tischgerät beziehungsweise 148 Euro als Smartphone-Aufsatz über www.myzeo.co.uk
3 Wiegen Withings-Onlinewaage in Schwarz oder Weiß; 129 Euro über www.withings.de/de/waage

Und das Spiel lässt sich weitertreiben: Wer eine Gewichtskurve sehen will, steigt auf die Waage von Withings, die jede Messung per W-Lan hochlädt. Wer sich für seinen Schlaf interessiert, trägt nachts den Zeo Sleep Manager und zählt dann seine REM-Phasen auf dem Smartphone – das mit den richtigen Apps ohnehin zum Protokollwerkzeug wird für alles vom Essen über Work-out bis zu Allergien. Noch sind es vor allem Anhänger der Szene namens Quantified Self, die das Leben in Zahlen erfassen – aus Spaß, zur Motivation oder in der Hoffnung auf tiefere Einsichten. Aber mit Geräten wie Fitbit, Withings und Zeo wird es massentauglich, ein Lebensprotokoll zu führen, das jeden Hausarzt erfreuen würde. Kritiker sehen darin den Keim eines Kontrollsystems, das jeden straft, der mit dem Körper schludert. Angesichts der Reformfreude des Gesundheitssystems und der Erfolgsquote öffentlicher IT-Projekte würde ich sagen: keine ganz akute Gefahr.

Aus dem Magazin
Mehr dazu erfahren Sie in der impulse-Ausgabe 10/2012.

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