Management Lehrgeld darf nicht für Lotterleben herhalten

Eltern sind verpflichtet, ihre Kinder bei der Ausbildung finanziell zu unterstützen. Doch wenn der Nachwuchs sich mit dem Geld ein Lotterleben leistet, dürfen Eltern den Dauerauftrag löschen.

Wer Kinder hat, muss für sie sorgen, klar – und diese Pflicht endet nicht automatisch, wenn die Kinder volljährig und aus dem Haus sind. „Es gibt keine starre Altersgrenze, an der die Unterhaltspflicht aufhört“, sagt Mathias Grandel, Fachanwalt für Familienrecht. Hunderttausende junge Erwachsene, die in den nächsten Wochen die Schulen mit dem Abitur in der Tasche verlassen, können von ihren Eltern also weiterhin finanzielle Unterstützung verlangen und diese Forderung wenn nötig vor Gericht durchsetzen. Denn das Gesetz sieht vor, dass Eltern ihren Kindern während der ersten berufsqualifizierenden Ausbildung finanziell unter die Arme greifen müssen.

Wie viel Geld Kindern während Studium oder Ausbildung zusteht, ist in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle des Oberlandesgerichts Düsseldorf geregelt. Sie ist nicht gesetzlich bindend, aber die wichtigste Richtschnur für Unterhaltsfragen, auch wenn andere Oberlandesgerichte in Details davon abweichen können. Wem wie viel Geld zusteht, hängt von vielen Faktoren ab. Vom Alter des Kindes, von der Anzahl seiner Geschwister, von seiner Wohnsituation, auch vom Einkommen der Eltern. Darüber hinaus gibt es aber auch feste Bedarfssätze. So ist etwa vorgeschrieben, dass einem volljährigen Studenten, der nicht mehr bei seinen Eltern wohnt, pro Monat 670 Euro zustehen.

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Das Kindergeld wird auf den Betrag angerechnet, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und Studiengebühren müssen die Eltern zusätzlich übernehmen. Ähnliche Regeln gelten für die Unterstützung während einer Ausbildung, nur dass hier die Ausbildungsvergütung auf den Bedarf angerechnet wird. Die Unterhaltspflicht hat allerdings Grenzen. Die offensichtlichste: Wer kein Geld hat, braucht auch nicht zu zahlen. „Wenn sich die Eltern den Unterhalt nicht leisten können, kann man nichts machen“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht. Für solche Fälle gibt es Stipendien oder einen bestimmten Satz nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG). Die Anmerkungen zur Düsseldorfer Tabelle sehen vor, dass jeder Elternteil monatlich 1150 Euro netto für sich selbst behalten darf. Nur, was darüber liegt, darf das Kind als Unterhalt verlangen – wenn nicht auch noch minderjährige Geschwister versorgt werden wollen.

Eltern müssen auch nicht ewig zahlen, wenn ihr Nachwuchs beschlossen hat, Berufsstudent zu werden. Als Faustregel gilt: Regelstudienzeit plus ein Jahr zur Prüfungsvorbereitung, dann ist Schluss mit der Unterhaltspflicht. Darüber hinaus haben Eltern das Recht, Dokumente einzufordern, die belegen, dass ihre Kinder Studium oder Ausbildung ernst nehmen, also etwa Leistungsnachweise. „Ein Bummelstudium muss man nicht finanzieren“, sagt Anwältin Becker.

Auch wenn Kinder sich nicht entscheiden können, welches Studium sie wählen sollen, müssen Eltern dafür nicht unbedingt finanziell geradestehen. In einer Orientierungsphase von bis zu drei Semestern dürfen Studenten sich zwar für ein anderes Fach entscheiden als das, wofür sie sich ursprünglich eingeschrieben haben. Aber der Wechsel muss begründet sein, etwa dadurch, dass man festgestellt hat, doch nicht gut genug in Mathematik zu sein, um dieses Fach studieren zu können. „Die Angabe ‚keine Lust‘ genügt nicht“, erklärt Becker. Ähnliches gilt für die Ausbildung.

Sachliche Gründe müssen auch vorliegen, wenn man im Anschluss an eine Ausbildung noch studieren will, sonst sind die Eltern nicht mehr unterhaltspflichtig. Einleuchtende Kombinationen wie Banklehre und BWL-Studium sind in der Regel zulässig. Folgt dagegen beispielsweise ein Jurastudium auf eine Ausbildung als Speditionskaufmann, zählt das Studium nicht mehr als Teil einer einheitlichen Ausbildung. Auch wer sich erst Jahre nach Abschluss der Lehre dazu entschließt, noch zu studieren, muss selbst zahlen.

Ob ein Masterstudium noch als Teil der Erstausbildung zählt, ist momentan allerdings noch unklar. „Das ist bislang höchstrichterlich nicht entschieden“, sagt Rechtsanwalt Grandel. Er schätzt allerdings, dass Gerichte dazu tendieren werden, das Masterstudium als Teil der Erstausbildung zu werten, wenn es zeitnah auf den Bachelorabschluss folgt.

Inder Praxis verklagen Kinder ihre Eltern übrigens eher selten auf Unterhaltszahlungen: „Die meisten Eltern versuchen schließlich nach Kräften, die Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen“, sagt Grandel.

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