Management Leuchtenindustrie setzt auf LED

Strom bringt kleine Halbleiter-Bauteile zum Leuchten. LED - Licht ausstrahlende Dioden - sind in der Beleuchtungsbranche auf dem Vormarsch, denn sie sind langlebig und verbrauchen wenig Strom. Hersteller haben große Hoffnungen in die Technik.

„Zutritt verboten“ heißt es in der Montage-Abteilung für die LED-Leuchten bei der Arnsberger Firma Trilux. Besucher und Kollegen dürfen den Mitarbeitern beim Zusammenbau der Leuchten zwar aus einiger Entfernung auf die Finger sehen. „Aber hinter die Absperrung dürfen nur geschulte Kräfte“, erklärt Projektleiter Sebastian Trägner.

Denn das Herz der Hightech-Leuchten ist empfindlich. „Bei der Montage müssen wir darauf achten, dass es keine Entladungen gibt“, sagt Trägner. Statische Aufladungen, die jeder Mensch durch Schuhe oder Kleidung im Körper hat, könnten auf die Halbleiter-Leuchten überspringen. „Dann besteht die Gefahr, dass die Lebensdauer verringert wird.“

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Noch sind die LED-Leuchten bei Trilux keine Massenware. Im Vergleich zu den Leuchtstoff-Leuchten ist die Stückzahl noch gering. Aber der Hersteller von technischen Leuchten für Büros, Schulen, Werkshallen oder Krankenhäuser macht immerhin schon jeden zehnten
Euro Umsatz damit. „Wir gehen für 2012 von einer Verdoppelung aus“, sagt Trilux-Geschäftsführer Dietmar Zembrot. Aber wie weit LED den Lichtmarkt durchdringen wird, sei nicht absehbar, sagt er. „Das wäre Kaffeesatz-Leserei.“

„Wenn eine Lampe defekt ist, mit einem Lötkolben kommen“

Weniger optimistisch ist Philipp Henrici, Junior-Chef des Lampenfassungs-Produzenten BJB. Das Arnsberger Unternehmen stellt als Marktführer nach eigenen Angaben täglich 2,5 bis 3 Mio.
Fassungen her. 80 Prozent davon gehen ins Ausland. Aber LED-Systeme machen bei BJB derzeit gerade einmal knapp drei Prozent des Jahresumsatzes von 105 Mio. Euro aus.

Eigentlich hatte BJB angesichts des Halbleiter-Lichts zittern müssen. Denn zunächst hatten Ingenieure von fast unbegrenzter Lebensdauer geträumt. Doch mittlerweile habe sich gezeigt, dass auch bei LED-Leuchten ein Austausch der Lampen nötig sei. „Sie können ja nicht beispielsweise in einem Hotel, wenn eine Lampe defekt ist, mit einem Lötkolben kommen“, sagt Henrici. Gemeinsam mit großen Herstellern wie Phillips, Osram oder Toshiba entwickeln die
Arnsberger deshalb Systeme, die einen einfachen Austausch der LED-Einheiten ermöglichen. „Die Japaner sind bei LED-Licht führend“, sagt Henrici. „Und die haben von Anfang an auf Fassungs-Systeme gesetzt.“

Auch am Straßenrand hält LED Einzug

„Wir lernen jeden Tag dazu“, sagt Henrici im Hinblick auf die LED-Leuchten. Doch schon zeichnet sich mit der OLED-Technologie, bei der organische Materialien zum Leuchten gebracht werden, der nächste Entwicklungs-Schritt ab. Damit könnten Träume der Licht-Entwickler wahr werden. Denn eine OLED ist eine nur Millimeter dicke leuchtende Fläche. Doch hier, sagt Trilux-Geschäftsführer Zembrot, stehe man wirklich noch am Beginn der Entwicklung. Und dann zeigt er einen Prototyp einer OLED-Leuchte, der derzeit noch rund 10.000 Euro kosten würde.

Die LED wird nach Einschätzung der Experten in Wohnräumen, Büros oder Geschäften nur eines von mehreren Licht-Systemen bleiben. Doch damit ist nur ein Teil der Anwendungen angerissen. Auf der Straße ist nach Auskunft des Autolicht-Herstellers Hella aus Lippstadt derzeit
etwa ein Prozent der Autos mit LED-Scheinwerfern unterwegs. Tendenz steigend. Denn Hella macht zurzeit etwa 25 Prozent seines Inlands-Umsatzes bei Autoscheinwerfern mit der neuen Technik. International sind es damit verglichen geringe 10 Prozent. Und auch am Straßenrand hält LED Einzug. Denn neue Straßenlaternen sind schon heute häufig mit den glühenden Halbleitern ausgerüstet. Insbesondere in diesem Bereich sehen Trilux und Hella noch große
Wachstums-Chancen.

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