Management Logik und Zahlen: Was Männer Frauen voraushaben – noch

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Was Männer auszeichnet: Sie finden gern alles selbst heraus

Was Männer auszeichnet: Sie finden gern alles selbst heraus© alphaspirit - Fotolia.com

Männer fragen nicht nach dem Weg, lesen keine Gebrauchsanleitungen und nehmen Scheitern eher locker. Eigenschaften, die auch Frauen im Job gut gebrauchen könnten, schreibt impulse-Bloggerin Béa Beste. Ihre Forderung: Väter, lasst Eure Kinder – insbesondere die Mädchen – an Euren Talenten teilhaben!

Männer! Nachdem ich vor kurzem ein Plädoyer für Mütter im Beruf mit ziemlicher Resonanz gehalten habe, möchte ich nun ein Loblied singen auf das, was die Herren der Schöpfung zu Hause leisten können. Denn: Jede Spielstunde der Männer mit Kindern ist eine wichtige Investition in unserer aller Zukunft. Warum gerade Männer? Gilt das nicht für alle? Natürlich gilt das für alle. Aber insbesondere Männer können etwas unendlich Wertvolles einbringen: Ihr Gespür und ihre natürliche Zuneigung zur Welt der Zahlen und der Logik.

Können das die Frauen nicht?

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Nein, Frauen können das nicht. Zumindest nicht die Allgemeinheit und zumindest nicht so gut wie die Männer. Das ist ein kulturelles Problem, das ich seit meiner Jugend beobachte: Mathe und Mädchen passt hierzulande vermeintlich nicht zusammen. Der Konzernriese Otto ging so weit, dass es sogar ein T-Shirt für Mädchen im Sortiment hatte mit der Aufschrift: „In Mathe bin ich nur Deko“. (Der Shitstorm darauf war wohl verdient).

Screenshot der Otto-Homepage (Bildquelle: http://www.sueddeutsche.de/kolumne/derdiedas-blog-in-mathe-bin-ich-deko-1.1619167)

Screenshot der Otto-Homepage (Bildquelle: http://www.sueddeutsche.de/kolumne/derdiedas-blog-in-mathe-bin-ich-deko-1.1619167)

Die Wissenschaft beweist es auch: Die Psychologin der Universität in British Columbia Doreen Kimura schreibt, dass Männer eine ausgeprägtere analytische Intelligenz besitzen. Sie behauptet aber auch, dass diese besonders durch frühe geschlechterspezifische Erziehung beeinflusst wird.

Kita und Grundschule sind Frauendomäne

Das Problem dahinter sieht so aus: Im Kita- und Grundschulbereich arbeiten trotz diverser Initiativen nur ein verschwindend geringer Anteil an männlichen Lehrkräften. Ich weiß wovon ich rede, ich habe Kitas und Schulen gegründet, mit Personal im Bildungsbereich habe ich Erfahrung. Die meisten deutschen Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen haben ihre Berufswahl so getroffen, mitunter weil dies das Studium mit den übersichtlichsten Anforderungen an die Fächer Mathematik und Naturwissenschaft war.

Ausnahmen bestätigen die Regel, natürlich! Da aber unser Ausbildungssystem so konzipiert ist, dass diejenigen, die den Lehrberuf ergreifen, meistens von der Schule ins Studium und dann wieder in die Schule beziehungsweise Kita gehen, fehlen den Lehrkräften meistens die Anwendungserfahrungen in der realen Welt. Mathe und Naturwissenschaft bleiben abstrakte, meist simplifizierte und vor allem ungeliebte Fächer. Das überträgt sich auf die Kinder, und da die Rollenvorbilder ja bekanntlich geschlechterspezifisch sind, vor allem auf die Mädchen. So geht es dann weiter. Und wenn sie alle in der dritten Klasse sind und jemand sagt „Textaufgabe“ ist die Stimmung bei den Damen ähnlich wie bei der Serie „Lost“, wenn das schwarze Rauchmonster erscheint.

Die Lösung ist einfach: Je mehr Väter mit ihren Kindern, und vor allem mit ihren Töchtern spielen, desto mehr überträgt sich das Gespür, wozu Zahlenverständnis und Logik nützlich sein können. Die Zeichen stehen gut dazu: Bei einer Trend-Studie im Auftrag der Väter GmbH gaben 88,2 Prozent der Befragten an, dass sie großen Wert darauf legen, von Anfang an die Entwicklung ihrer Kinder aktiv zu begleiten. 91,5 Prozent der Befragten geben darüber hinaus an, dass ihnen „Zeit mit der Familie, auch in der Woche“ sehr wichtig sei.

Da wir mit dem Team der Tollabox regelmäßig unsere Entdeckerspiele mit Familien testen, sehen wir nahezu wöchentlich Väter mit Kindern in Aktion. Wir beobachten, wie Männer auf unverkrampfte, natürliche Weise gemeinsam mit ihren Kindern spielen. Wir haben fünf tolle Qualitäten von Vätern feststellen können:

1. Männer finden gern selbst heraus
Spätestens seit den ganzen Bücherreihen über die Geschlechterunterschiede haben wir es alle verstanden: Männer fragen nicht nach dem Weg. Männer lesen auch ungern Gebrauchsanweisungen. Sie schlussfolgern und stellen Hypothesen auf, lassen sich vom Scheitern weniger kirre machen als Frauen. Prima so. Denn sich einen Sachverhalt selbstständig zu erarbeiten, bringt die größte Wahrscheinlichkeit mit sich, es auch gründlich zu kapieren.

2. Männer punkten und gewinnen gern
Männer sind kompetitiv und messen sich gern untereinander. Das ist letzten Endes pure Anwendungsmathematik: Die emotionale Bindung zum Punktestand überträgt sich direkt auf die mathematischen Fähigkeiten.

3. Männer tüfteln und reparieren
Werken ist Denken mit den Händen. Es schult das dreidimensionale Verständnis und überhaupt die Fähigkeit, Lösungen für Probleme zu finden. Das kann im zarten Basteln auch gut passieren, aber das gröbere Umgehen mit Werkzeug und Bob-der-Baumeister-Zeugs ist einfach gewagter und daher befriedigender. Väter flößen dem Nachwuchs Mut ein, und lassen ihn auch mal gern mit Messer, Hammer, Nägel und Zangen hantieren. Dabei nehmen sie auch kleine Schnittwunden in Kauf. Und die Erfahrung gibt ihnen Recht: Pflästerchen drauf und weiter geht’s.

4. Männer überbewerten Sauberkeit nicht
Wer sich keine Sorgen um Dreck macht, kann sich viel gelassener auf Aktivitäten einlassen, ausprobieren und experimentieren. Das ist eine gesunde Grundlage für Forschergeist.

5. Männer toben mehr und schneller
Der stärker ausgeprägte Bewegungsdrang von Männern und Jungs lässt sich aus Sicht eines Evolutionspsychologen ganz einfach an der Vergangenheit des Mannes als Jäger und Kämpfer erklären. Es ist aber auch inzwischen nachgewiesen, dass Bewegung einen wesentlichen Einfluss auf die Synapsenbildung hat und daher auf die Lernfähigkeit von Kindern. Männer bewegen sich mutiger und schneller mit ihren Kindern – und genau das überträgt sich auf das Selbstvertrauen der Kinder. Und Selbstvertrauen macht sich wiederum bezahlt, wenn es darum geht, auch komplexere Fragestellungen zu lösen. Denn wer sich zutraut, Lösungen zu finden, findet meistens auch welche.

Das alles können Männer am besten. Noch! Denn wenn sie das vernünftig weitergeben, können es bald alle.

Außerdem würde es die Mütter entlasten, wenn die Väter einfach mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Füße hoch und entspannen, und die Väter machen lassen. Das tut allen gut.

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