Management Marathon unterm Schreibtisch

Wozu sollte man Sport außerhalb des Büros treiben, wenn es auch im Büro geht? Das US-Unternehmen Tread Desk macht es vor - mit Laufbändern unter den Schreibtischen. Für die Zukunft hat die Industrie auch schon mehr als eine Vision.

Heute: Work-out wörtlich verstanden: Wozu auf die grüne Wiese oder ins Fitnessstudio – auch im Büro lässt sich vortrefflich Sport treiben. Unter den Spezialschreibtischen des amerikanischen Unternehmens Tread Desk etwa sind Laufbänder installiert. Benutzer können daran Bilanzen durchrechnen, E-Mails beantworten, Texte verfassen und gleichzeitig, je nach Tischhöhe, im Sitzen oder Stehen fleißig Kilometer abspulen – „für die Firma die volle Distanz gehen“ bekommt so eine ganz neue, viel lebensnähere Bedeutung.

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Microsofts Kinect-System für die Spielkonsole Xbox 360 geht noch weiter: Es ermuntert mit seinen Fitnessspielen nicht nur zur Bewegung, sondern wertet diese zudem per Kamera aus. Damit sind Gymnastik und Yoga, Volleyball, Bowling und Speerwurf auch im Büro oder im Pausenraum möglich. Je nach Programm können Sportbegeisterte ihrem Trainingsziel entsprechende Lektionen auswählen, etwa um abzunehmen, Muskeln aufzubauen oder das Herz-Kreislauf-System zu stärken. Die Software kritisiert zudem unsauber ausgeführte Übungen. Ähnlich fürsorglich ist auch der Ergosensor eines neuen LCD-Monitors von Philips. Der 24-Zoll-Bildschirm überwacht den tippenden Büroarbeiter mithilfe einer Kamera, ein spezieller Chip wertet die Bilder aus und meckert, wenn der Nutzer rücken- und nackenschädlich am Schreibtisch hängt oder zu wenige Pausen macht. Zu viele Kaffeepausen, Nickerchen oder Tippfehler kritisiert das Gerät arbeitnehmerfreundlicherweise allerdings nicht.

Übermorgen: Microsofts Kinect oder Nintendos Wii machen es vor: Computer können Fitnessstudio und Trainer imitieren, komplett ersetzen können sie sie allerdings noch nicht. Die Vision des virtuellen Personal Trainers ist aber nicht nur für die Videospielindustrie interessant, sondern auch für die medizinische Forschung. Die Berliner Zweigstelle des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) arbeitet etwa im Rahmen des Projekts Smart Senior an einem Kinect-basierten Drill-Instructor. Der solle allerdings nicht bewegungsmüde Manager auf den Hometrainer schreien, sondern Patienten bei Rehamaßnahmen unterstützen, sagt Büroleiter Norbert Reithinger. „Das System sagt dann etwa: ‚Herr Müller, das Bein noch ein bisschen weiter anheben‘ – oder erkundigt sich nach dem Befinden der Patienten.“ Prinzipiell könne die Software, die Bewegungen genau erkennen und analysieren kann, aber auch für neue Sportprogramme verwendet werden. Andere Forschergruppen nutzen Beschleunigungssensoren, die sonst etwa das Bild im Smartphone-Display kippen lassen, um Bewegungen von Menschen millimetergenau zu messen. Mithilfe von Pulsuhren können auch Parameter wie die Herzfrequenz aufgezeichnet und ausgewertet werden. Damit steht dem zukünftigen Smartphone-Personal-Trainer nichts mehr im Wege – nur eine Stimme muss noch gefunden werden. Ein etwas schärferer Ton als bei Apples iPhone-Stimme Siri wäre sicher hilfreich.

1 Ersatzstraße The Tread von Tread Desk, ca. 680 Euro über www.treaddesk.com
2 Ersatzsportplatz Kinect, Xbox 360 und Kinect Sports von Microsoft, ab 299,99 Euro über www.amazon.de
3 Ersatzlehrer Brilliance P-Line 241P4LRYES mit Ergosensor von Philips, ca. 300 Euro über www.amazon.de
Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 07/2012.

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