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Social-Media-Rückblick 2016 Diese Unternehmen sorgten im Internet für Gesprächsstoff

  • Serie
Sie machen gerne "Irgendwas mit Tieren"? Dann werden Sie doch Metzger. Mit dieser Aktion hat Metzgermeister Steffen Schütz von sich Reden gemacht.

Sie machen gerne "Irgendwas mit Tieren"? Dann werden Sie doch Metzger. Mit dieser Aktion hat Metzgermeister Steffen Schütz von sich Reden gemacht.© Metzgerei Hack

Egal ob Gründer, Mittelständler oder Konzern: Einigen Unternehmen ist es in diesem Jahr gelungen, zum meistdiskutierten Thema im Internet zu werden. Zehn virale Erfolge, was dahintersteckt - und was Sie davon lernen können.

1. Lidl vertauscht zwei Plakathälften

Der Lebensmittel-Disounter Lidl hat seinen Viralhit des Jahres einem unachtsamen Mitarbeiter zu verdanken. Auf einem Parkplatz im Ruhrgebiet klebte er die zwei Hälften des Werbeplakats verkehrt herum an die Wand. Das Ergebnis: Aus dem Slogan „Du hast die Wahl“ wurde „Die Wahl. Du hast“ – also feinstes Yoda-Deutsch. Und der Jedi-Meister von Star Wars hat viele Fans. Lidl selbst reagierte entspannt und lancierte weitere Plakate im Stil des Fehlers, illustrierte die Plakate mit Lichtschwertern und warb mit „In jeder Galaxie die besten Preise“.

Skeptiker sehen die Kampagne nicht als Zufall – schon allein, weil die Plakathälften weiß und schwarz sind und somit für die gute und dunkle Seite der Macht stehen könnten. War also alles geplant? Wie dem auch sei – Lidl hat gut auf einen „Fehler“ reagiert. Oder eben eine sehr kluge Kampagne geschaffen.

Was Sie daraus lernen können: Sich Fehler zunutze machen: Lesen Sie unsere Themen-Serie Aus Fehlern lernen.

2. Eine Baufirma kämpft für ihren afghanischen Kollegen

Bei der Bauunternehmung Strasser im bayerischen Altötting ging eigentlich alles seinen Gang – bis Ende September ein Mitarbeiter nach Afghanistan abgeschoben werden sollte. Der Grund: Die Arbeitserlaubnis des Flüchtlings Tavus Qurban, der seit fünf Jahren in dem Betrieb arbeitete, sollte nicht verlängert werden. Aus Solidarität legten alle 200 Mitarbeiter der Firma die Arbeit nieder und kündigten das bei Facebook an. Der Beitrag wurde rund 115.000 Mal geteilt, die Presse griff den Fall des mittelständischen Unternehmens intensiv auf – wie er ausgehen wird, ist jedoch noch immer offen.

Was Sie daraus lernen können: Wurde ein Social-Media-Kanal einmal für die Kommunikation eines Themas genutzt, ist es sinnvoll, den Fans die Neuigkeiten auch weiterhin dort zu kommunizieren und für Nachfragen erreichbar zu sein.

3. True Fruits provoziert mit „Oralverzehr“

„Samenstau“ und „Oralverzehr“: Weil seine Werbung zu anzüglich war, durfte der Smoothie-Hersteller True Fruits seine Plakate in Stuttgart und München nicht aufhängen. Das bescherte dem jungen Bonner Unternehmen im Spätsommer eine große Aufmerksamkeit – medial und im Netz. True Fruits beschäftigt 24 Mitarbeiter, der Umsatz lag zuletzt bei 29 Millionen Euro.

Dass die platten Gags der Kampagne auch viele potenzielle Kunden abschrecken könnten, sehen die Gründer gelassen: „Wir laufen niemandem für einen Platz im Einkaufswagen hinterher“, sagte Mitgründer Nicolas Lecloux im impulse-Interview.

Was Sie daraus lernen können: Die Viralität einer Kampagne kann stark von externen Faktoren beeinflusst werden, wie hier den Münchener Verkehrsbetrieben. Hätten sie sich nicht geweigert, die Plakate aufzuhängen, wäre das Thema wahrscheinlich nicht so groß geworden.

4. Ritter Sport setzt auf Einhorn-Magie

Seit 1932 produziert Ritter Sport seine berühmte Schokolade im Quadrat, immer wieder sind auch Sondereditionen dabei. Aber als am 1. November die pinkfarbene „Einhorn-Edition“ in den Verkauf kam, war sie binnen weniger Stunden ausverkauft. Nur kurz zuvor hatte das Unternehmen den Verkaufsstart mit geheimer Stückzahl angekündigt. Dieser Beitrag wurde rund 21.300 Mal kommentiert und über 5200 Mal geteilt.

Doch der Raketenstart der Kampagne, die mithilfe einer Hamburger Werbeagentur gelang, machte dem Unternehmen nicht nur Freunde. Viele Fans ärgerten sich über den schnellen Ausverkauf und Wucherpreise von Weiterverkäufern auf Ebay. Kurz nach dem Verkaufsstart musste sich Ritter Sport bereits bei den Kunden entschuldigen – es gab keinen Nachschub mehr. Um die Wogen etwas zu glätten, versprach Ritter Sport später zu prüfen, ob eine Nachproduktion möglich ist. Mittlerweile ist auch die zweite Charge ausverkauft.

Was Sie daraus lernen können: Seien Sie immer auf Negativstimmen von Kunden gefasst. Wie wollen Sie reagieren? Bevor Sie eine erfolgsversprechende Kampagne starten, sollten Sie auch auf die Reaktionen vorbereitet sein. Wie Sie auf einen Shitstorm im Netz reagieren können, lesen Sie hier.

5. Sixt möchte Boateng als Nachbar

Im Juni landete die Autovermietung Sixt einen Viral-Hit auf Kosten von AfD-Vizechef Alexander Gauland. Dieser hatte zuvor über den farbigen Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng gesagt: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Sixt drehte den Spieß um: Wer will schon neben jemanden wohnen, der solche Sätze sagt? Sixt bietet Hilfe für den Umzug und verweist auf die Umzugswagen des eigenen Fuhrparks.

Was Sie daraus lernen können: Greifen Sie Aktuelles auf – aber nur, wenn Sie einen ungewöhnlichen, lustigen Bezug zu Ihrem Unternehmen oder Ihren Produkten herstellen können.

6. Die Sparkasse macht auf Teenie

Banken gelten eher als konservativ und nicht gerade aufgeschlossen gegenüber neuen Trends. Umso größer war die Überraschung, als die Sparkasse eine Werbekampagne in Jugendsprache lancierte. Ein Beispiel: „Gönn Dir ist einfach. Wenn man 1 gute Bank hat vong Vorsorge her“. Ähnliche Sätze, oft als Parodie auf die Slang-Sprüche der Kids, geisterten bereits Wochen zuvor in sozialen Netzwerken.

Ihre Version bescherte der Bank großen Zuspruch bei der Zielgruppe auf Social Media. Teils gab es auch kritische Reaktionen von Nutzern, die mit der ungewohnten Grammatik und Rechtschreibung nichts anfangen konnten.

Was Sie daraus lernen können: Analysieren Sie genau Ihre Zielgruppe. Auf welchen Kanälen ist sie unterwegs, wie erreichen Sie sie, ohne gleichzeitig andere potenzielle Kunden abzuschrecken?

7. Ein Unternehmen verzichtet auf eine Kundin


Eine Kundin beschwerte sich, als zum Montieren ihrer Rolläden ein farbiger Mitarbeiter geschickt wurde. Das wollte das Unternehmen „Rolladen Müllers“ aus Mönchengladbach-Wickrath nicht auf sich sitzen lassen. Auf Facebook veröffentlichte Chef Markus Müllers einen Post, in dem er öffentlichkeitswirksam auf diese Kundin verzichtete. „NEIN, wir müssen ihn nicht vorab ankündigen, weil seine Haut über mehr Pigmente verfügt als die unserer Exkundin“, schreibt er darin.

Auf Facebook bekam das Unternehmen viel Zuspruch. Auch sonst seien die Reaktionen zu 90 Prozent positiv, negative Nachrichten kommen vor allem per privater Nachricht, sagt Markus Müllers im impulse-Interview.

Was Sie daraus lernen können: Wenn Sie hundertprozentig hinter Ihrem Post stehen, lassen Sie sich nicht von Kritik unterkriegen.

8. Ein Metzger streichelt Mettigel für mehr Azubis

Eine Metzgerei aus Freising suchte neue Azubis, aber es kamen keine Bewerbungen ins Haus. Ein Problem, das vielen Betrieben bekannt ist. Der Metzgerberuf habe ein Imageproblem, sagte Inhaber Steffen Schütze im impulse-Interview. Also nahm er kurzerhand das Marketing selbst in die Hand: „Berufswunsch: Irgendwas mit Tieren …“ prangt über dem Bild auf dem eine junge Frau einen Mett-Igel streichelt. Mit Motiven wie diesen landete Schütze einen Facebook-Hit – und erhielt zahlreiche Bewerbungen.

Was Sie daraus lernen können: Eine erfolgreiche Kampagne muss nicht immer viel Geld kosten. Stefan Schütze hat einfach loslegt, mit Hilfe von Freunden, Kunden und Nachbarn. Sie standen ihm mit Ideen, einer Spiegelreflexkamera und sogar als Model zur Verfügung. Der Vorteil: Die Kampagne erfährt durch die Integration der Menschen vor Ort schnell lokale Bekanntheit.

9. Bäckerei Brand spricht ein Hausverbot aus

Ähnlich wie Rolladen Müllers erging es Klaus Brand, Inhaber einer Bäckerei aus dem 7767-Seelen-Ort Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz. „Wer Flüchtlinge beschäftige, solle auch nur an sie verkaufen“, schimpfte ein Kunde, als er erfuhr, dass Brand einen syrischen Flüchtling als Praktikanten beschäftigte. Kurzerhand twitterte Brand: „Kunde fordert uns auf, ab sofort keine Flüchtlinge mehr zu beschäftigen. => Hausverbot #refugeeswelcome“ – und erhielt großen Zuspruch in den sozialen Medien. Brands Statement gegen den Fremdenhass wurde Tausende Male geliked und geteilt. Brand selbst war über den Erfolg erstaunt. Er habe doch nur seinem Ärger kurz Luft machen wollen, „dass mich ein Rassist erpressen will, dass ich keine Flüchtlinge beschäftige“, sagte er im impulse-Interview.

Was Sie daraus lernen können: Die sozialen Medien sind schnelllebig, sekündlich kommen neue Themen auf und verschwinden genauso schnell auch wieder. Das sollte Sie nicht davon abhalten zu posten. Gerade emotionale Themen erreichen eine gute Viralität. Wenn Ihnen ein Thema unter den Fingern brennt, teilen Sie dies Ihrem Netzwerk mit. Wichtig dabei: immer ehrlich und authentisch sein.

10. Edeka lässt die Kassen klingeln

Diese Kampagne war bereits im Vorjahr zu sehen, aber zur Weihnachtszeit möchten wir Sie Ihnen in dieser Sammlung nicht vorenthalten. In einem Edeka-Markt wagten sich neun Kassierer an eine Neu-Interpretation von Jingle-Bells: Genau im Takt zogen sie Einkaufsartikel über die Barcode-Lesegeräte, das typische Piepen der vielen Kassen setzte nach und nach die Melodie des Weihnachts-Gassenhauers zusammen. Die Kunden waren irritiert bis überrascht und begeistert. Von der Aktion wussten sie nämlich nichts: Sie wurden mit versteckten Kameras gefilmt und erst im Nachhinein informiert, dass sie Teil einer Werbekampagne waren. Das Video ging durch die Decke: Auf Youtube sahen es sich fast 40 Millionen Menschen an.

Was Sie daraus lernen können: Überlegen Sie sich genau, wie viel Geld und Zeit Sie für eine virale Kampagne investieren möchten. Edeka engagierte professionelle Musiker, die den Platz der Kassierer einnahmen. Die Vorbereitungen dauerten laut dem Unternehmen zwei Monate.


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