Management Meins ist deins

Was in der virtuellen Welt bereits alltäglich ist, erobert die Realität. Wir teilen miteinander: erst Musik und Fotos, jetzt Autos - und bald Wissen und Talente. Ein Gastbeitrag von Rachel Botsman.

Längst gibt es genug von allem. Es muss nur besser genutzt werden. Aus dieser Erkenntnis heraus ist Collaborative Consumption entstanden, das gemeinsame Nutzen von Ressourcen. Es ist einer der wichtigsten Konsumtrends dieses Jahrzehnts.

Überall auf der Welt teilen Menschen miteinander, Autos und Wohnungen zum Beispiel. Carsharing boomt nicht nur in Deutschland, und die Plattform Airbnb, die weltweit Wohnungen von privat zu privat vermittelt, wird seit Kurzem mit mehr als 1 Mrd. Dollar bewertet – und gehört damit zu den einflussreichsten Stars der neuen Sharing-Economy.

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Der Erfolg von Airbnb und vielen anderen Startups zeigt, dass der gemeinschaftliche Konsum keine idealistische Ökospinnerei ist, sondern auch als Geschäftsmodell nachhaltig funktionieren kann. Das sehen immer mehr Geld­geber genauso: Die Zahl der Investitionen von mindestens 500 000 Dollar in solche Sharing-Startups hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht. Und Crowdfunding, also Minikredite von privat zu privat, wächst so schnell, dass ganz neue Finanzmärkte entstehen, die ohne Großbanken auskommen: Bereits 2015 dürften weltweit 16 Mrd. Dollar von Mensch zu Mensch verliehen werden, so die Bank of England.

Das Teilen und Tauschen, dieses uralte menschliche Verhalten, erlebt ein Comeback in einem nie da gewesenen Ausmaß. Menschen werden zu Mikro-Entrepreneuren und verdienen mit brachliegenden Ressourcen Geld. Sie vermieten das Eckzimmer, das leer steht, die Drei-Meter-Leiter, die so selten benutzt wird, oder ihren Wagen. Das alles ist nicht neu, das gab es schon vor Jahrzehnten. Wir beobachten keine Revolution, sondern eine Evolution. Was neu ist, ist die Technologie, die es so einfach macht, genau das zu finden, was man sucht. Soziale Netz­werke und Smartphones verwandeln Mini- in Massenmärkte. Aus reinen Kontaktbörsen werden Instrumente der Ressourcennutzung. Es ist, als ob dafür das Internet erfunden wurde.

Was wir nun erleben, geht noch einen Schritt weiter. Nicht nur Dinge können geteilt werden, sondern auch Wissen und Talente. So werden ansonsten ungenutzte geistige Ressourcen anderen zugänglich gemacht. Skillshare zum Beispiel ist ein Marktplatz für alle, die etwas lernen oder lehren wollen, die Volkshochschule der Zukunft. Jeder kann hier Kurse buchen oder anbieten, seine Talente zu Geld machen oder von anderen profitieren. Oder Gidsy, ein Berliner Startup für Erlebnisse. Egal, ob Stadtführungen, Kochkurse, Yogastunden, Billardunterricht oder Klavierstunden – Gidsy bringt Anbieter und Interessierte zusammen. Leute stellen etwas auf die Beine und nutzen ihre Talente. Ohne komplizierte Umwege wie teure Eventagenturen oder Reisebüros.

Ich nenne das Collaborative Lifestyle, es ist die nächste Stufe dieser Entwicklung. Die Leute denken neu darüber nach, was sie eigentlich können. Sie geben dieses Wissen weiter, teilen ihre Talente, einfach nur so oder als Kleinunternehmer. Jetzt geht es für all die neuen Marktplätze darum, die kritische Masse an Nutzern zu erreichen. Gidsy und Skillshare sind schon dabei.

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