Management Mit Hightech kluge Köpfe ködern

Wales hat einen guten Ruf als Hochschulstandort, und die Absolventen sind bei Arbeitgebern gefragt. Damit Spitzenkräfte kommen und bleiben, investiert das Land in beste Forschungsbedingungen.

Gute Leute lockt man mit guter Ausstattung. Darum hat die Universität von Swansea seit dem vergangenen Jahr ein neues Elektronenmikroskop – auf dem neuesten Stand der Technik und das einzige seiner Art in ganz Wales. Im Gegensatz zu anderen Elektronenmikroskopen kann dieses bei extrem niedrigen Temperaturen arbeiten. So lassen sich auch Stoffe untersuchen, die ein normales Elektronenmikroskop durch Erwärmung zerstören würde.

Seinen Platz hat das neue Elektronenmikroskop im „Multidisciplinary Nanotechnology Centre“ (MNC) der Universität, einem Zentrum, das verschiedene Forschungsgebiete in sich vereint, zum Beispiel Nanomedizin, Nanobiotechnologie und Nanoelektronik. Sie alle profitieren jetzt von der Ausnahmetechnik.

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Einen Zuschuss dafür gab’s vom Staat. Die walisische Regierung unterstützte den Kauf mit 267.000 Pfund. Das Geld stammt aus dem Programm „Academic Expertise for Business“ (A4B), das seit Herbst 2008 den Wissenstransfer zwischen akademischen Einrichtungen und Unternehmen in Wales fördert. Mehrere Unternehmen engagierten sich, als die Region sich für die Förderung bewarb, darunter Surface Technology Systems und der Aluminium- und Stahlproduzent Corus.

Junge Spezialisten ziehen Unternehmen an

Mit der Kooperation will das kleine Land seine Innovationskraft stärken. Schließlich lassen sich dort, wo gut ausgestattete Forschungszentren sitzen, auch gern erfinderische Unternehmen nieder. Das wiederum eröffnet Chancen für hochqualifizierte Frauen und Männer. Und die möchte Wales nicht nur ausbilden, sondern auch im Land halten. Gelingt dies, kommen noch mehr Unternehmen, wegen der guten Arbeitskräfte, und der Kreis schließt sich. So würde Wales mittelfristig zu einem gefragten Standort für Hightech-Branchen.

„Durch die Mitarbeit an Projekten, die kommerziell nutzbar sind, lernen die Studenten den wirtschaftlichen Wert ihrer Arbeit kennen“, sagt Malcolm Davies von International Business Wales, der regionalen Wirtschaftsförderung. Für die Universitäten bringe der Kontakt zur Wirtschaft später Forschungsprojekte, sagt Davies. Schließlich finanzieren die Hochschulen sich zum Teil über externe Aufträge.

Forschen für Airbus, Audi, ABB

Auch am „Civil and Computational Engineering Centre“ an der Universität Swansea forschen Wissenschaftler für die Wirtschaft. Der Hochschule bringt das viel Prestige, immerhin entwickelte sie das aerodynamische Design des Airbus A 380, des derzeit größten Passagierflugzeuges. Aktuell forschen die Wissenschaftler für den deutschen Autobauer Audi und den Elektrokonzern ABB.

Zwar wurde Wales hart von der Rezession getroffen, doch das Land kann mehrere wachsende Branchen vorweisen, die die Regierung fördert. Insbesondere erneuerbare Energien, Biotechnologie, die Flugzeugtechnik sowie der Telekommunikationssektor und der Transportsektor. Um neue Arbeitsplätze für Hochqualifizierte zu schaffen, haben die Waliser einen beachtlichen Investitionsplan aufgestellt: Über einen Zeitraum von sechs Jahren sollen 70 Mio. Pfund in das Projekt „Academic Expertise for Business“ fließen. Das erste Jahr ist abgelaufen. Bis September 2009 flossen 16,5 Mio. Pfund in 144 verschiedene Projekte.

Kontakt zum Arbeitgeber knüpfen

Ein wichtiger Bestandteil von A4B sind die „Knowledge Transfer Partnerships“. Bei diesen Partnerschaften arbeiten besonders gute Hochschulabsolventen an Entwicklungsprojekten in Unternehmen mit. So löst eine Firma mit wissenschaftlicher Unterstützung Probleme, zum Beispiel in der Fertigung, die Universität veröffentlicht später die Ergebnisse, und der Absolvent sammelt Berufserfahrung und knüpft Kontakt zu Arbeitgebern. Neben solchen Partnerschaften unterstützt die Regierung auch Patentanmeldungen und Projekte zur Marktforschung.

Die Mittel für das Projekt A4B stammen zum Teil aus dem europäischen Strukturfonds. Mit diesem Fonds unterstützt die Europäische Union Regionen, die wirtschaftlichen Nachholbedarf haben. Von 2007 bis 2013 fließen insgesamt 3,8 Mrd. Pfund. Was davon bei A4B ankommt, soll allen dienen: den Forschungseinrichtungen, den Unternehmen und auch den Nachwuchskräften.

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