Management Mittelstand will Mitarbeiter halten statt neue zu werben

Wie können mittelständische Unternehmen sich als attraktive Arbeitgeber präsentieren und neue Mitarbeiter für sich begeistern – gerade in Konkurrenz zu Großunternehmen? Dieser Frage ist eine neue Studie nachgegangen. Sie kommt teilweise zu überraschenden Erkenntnissen.

Schon strukturell sind mittelständische Unternehmen gegenüber Großunternehmen benachteiligt: Ihnen mangelt es an finanziellen und personellen Ressourcen. Hinzu kommt, dass ihre Marken und Produkte weniger bekannt sind und sie weniger attraktiv auf potentielle Mitarbeiter wirken. Wie der Mittelstand in dieser ungleichen Konkurrenz dennoch auf den Fachkräftemangel reagiert und seinen Weg geht, zeigt eine gemeinsame Studie der Beratungsgesellschaft Ernst und Young und der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin.

Besonders auffällig ist: Obwohl der Fachkräftemangel in aller Munde ist, hat für den deutschen Mittelstand die Mitarbeiterbindung eine deutlich höhere Priorität als die Rekrutierung neuer Angestellten. Begründet wird das unter anderem damit, dass die Anwerbung neuen Personals viel Geld kostet.

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700 Unternehmen haben sich an der Studie beteiligt, für 63 Prozent ist es von großer beziehungsweise sehr großer Bedeutung, den Weggang der eigenen Mitarbeiter zu verhindern und ihnen Anreize zu setzen – somit ist es das wichtigste personalpolitische Thema für die befragten Unternehmen. Die Mitarbeiterrekrutierung hingegen landet mit 45 Prozent nur auf dem fünften Platz, noch hinter Personalentwicklung und Nachfolgeplanung.

Bei der Rekrutierung folgen die Mittelständler weiterhin herkömmlichen Wegen: 62 Prozent der Befragten legen besonderen Wert darauf, bereits frühzeitig unter Schülern und Studenten zu werben. Ein Beispiel hierfür ist das erfolgreiche Telgter Modell in Nordrhein-Westfalen. Die Firma Münsterland hatte das Projekt Mitte 2008 gemeinsam mit sieben weiteren Unternehmen und einer Hauptschule initiiert.

Ihr Ziel: Schüler sollen möglichst früh verschiedene Berufe kennen lernen. Daher erhalten die Jugendlichen bereits ab der 5. Klasse einen fächerübergreifenden Einblick in die Wirtschaft und in die Betriebe vor Ort. Mittlerweile beteiligen sich knapp 100 regionale Unternehmen und mehrere Schulen an diesem Modell.

Wie reagieren die Firmen auf den Fachkräftemangel?

Abseits dessen konzentrieren sich 55 Prozent der mittelständischen Unternehmen bei der Rekrutierung darauf, in ihrer Region um neue Mitarbeiter zu werben. Ausländische Fachkräfte hingegen spielen bei kaum jedem fünften Unternehmen eine größere Rolle.

Doch wie reagieren Mittelständler auf den Fachkräftemangel und wie können Unternehmen attraktiver auf ihre Mitarbeiter wirken? 52 Prozent der Befragten investieren in Trainingsmaßnahmen, 27 Prozent erhöhen die Gehälter ihrer Mitarbeiter. Die Finalisten des Wettbewerbs „Entrepreneure des Jahres“ von 2009 haben ganz andere konkrete Anreize gewählt: 97 Prozent von ihnen bieten den Mitarbeitern ein Diensthandy an, einen Dienstwagen stellen noch 94 Prozent. Doch auch immaterielle Reize haben eine große Bedeutung: 86 Prozent der Befragten schaffen flexible Arbeitskonten, 72 Prozent geben Teamziele vor.

Die großen Herausforderungen, mit denen sich die Unternehmen bei der Mitarbeiterwerbung wie -bindung konfrontiert sehen, sind bei 45 Prozent der Befragten flexible Arbeitszeitmodelle, die Wertschätzung der Leistung von Mitarbeitern mit 44 Prozent sowie der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität mit 43 Prozent. Weit unten in ihrer Planung stehen die Kooperation mit anderen Unternehmen mit 16 Prozent sowie der Aufbau von Netzwerken bei 14 Prozent. Gerade bei Personalfragen gehen drei Viertel der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 100 Mio. Euro ihren Weg doch lieber alleine.

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