Management Nachträglicher Verlust des Doktortitels rechtens

Bahnbrechende Experimente erweisen sich als Schwindel, Daten sind manipuliert: Wegen schweren Fehlverhaltens wurde Joachim Schön von der Uni Konstanz abgestraft. Das Verhalten war unwürdig - der Titel ist weg.

Die Universität Konstanz hat dem umstrittenen Physiker Jan Hendrik Schön den Doktorgrad zu Recht aberkannt. Die Richter des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Mannheim folgten mit dieser Entscheidung am Mittwoch der Argumentation der Universität.

Die hatte festgestellt, dass Schön sich bei seiner wissenschaftlichen Tätigkeit „unwürdig“ verhalten habe. Der VGH ließ keine Revision zum Bundesverwaltungsgericht zu, da der Fall nur Landesrecht betreffe.

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Bereits 2004 hatte die Universität Konstanz dem promovierten Physiker den Titel wegen „Unwürdigkeit“ aberkannt. In 16 von 24 Fällen waren ihm eindeutige Verstöße gegen die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens nachgewiesen worden waren.

In seiner nach der Promotion in den USA gefertigten Arbeit soll Schön unter anderem Daten manipuliert haben. Daraufhin hatte die Alma Mater die Promotion zurückgenommen. Das Verwaltungsgericht Freiburg hatte die Entscheidung der Universität wieder aufgehoben, wegen der „grundsätzlichen Bedeutung“ aber Berufung vor dem VGH zugelassen.

Der VGH begründete seine Entscheidung mit dem „schwerwiegenden wissenschaftlichen Fehlverhalten“. Der Begriff der Unwürdigkeit im Sinne des Landeshochschulgesetzes könne auch wissenschaftsbezogen ausgelegt werden. Daher müsse er nicht unbedingt auch einen Straftatbestand umfassen.

Promovierte Wissenschaftler bekämen einen „erhöhten Vertrauensvorschuss“. Anders als von Schöns Anwalt argumentiert sei der Vorgang verfassungsgemäß. Die Uni handele im „Interesse einer funktionstüchtigen Wissenschaft und diene damit dem Schutz eines überwiegend wichtigen Gemeinschaftsinteresses“.

Schön habe mit seinen Fälschungen „gegen allgemeine Grundsätze verstoßen“ und trotz ordnungsgemäßer Promotion später nicht nachgewiesen, dass er wissenschaftlich korrekt arbeite.

Der VGH hegt keinen Zweifel daran, dass Schön tatsächlich Daten gefälscht habe. Einst als „bahnbrechend“ bezeichnete Ergebnisse habe er in Experimenten nicht wiederholen können. Schöns Anwalt kündigte an, eine Beschwerde beim Verfassungsgericht sowie gegen die Nichtzulassung beim Bundesverwaltungsgericht zu prüfen.

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