Management Neue Wirtschaftsliteratur: „Soziale Ungleichheit“

Wer sich anstrengt, der schafft es auch in eine gut bezahlte Führungsposition. Diese immer noch weit verbreitete Ansicht zerschmettert der Elite- und Organisationssoziologe Michael Hartmann mit seiner Studie, die er in seinem Buch "Soziale Ungleichheit" vorstellt. Es sind vielmehr die Nachkommen der herrschenden Elite.

Ein vietnamesisches Findelkind, ein homosexuelles Scheidungskind, ein Behinderter und eine Pfarrerstochter, die in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist. Der Blick auf die Regierung liefert mit Wirtschaftsminister, Außenminister, Finanzminister und Kanzlerin scheinbar den Beweis: In Deutschland herrscht Chancengleichheit. Hier kann es jeder schaffen. Für den Politikbetrieb mag das gelten. In der Wirtschaft jedoch reproduziert sich die Elite nach wie vor selbst. Spitzenjobs besetzen die Chefs von Konzernen und Familienunternehmen am liebsten mit Führungskräften aus der eigenen Schicht. Das zeigt die umfassende Analyse der Herkunft der Männer und Frauen in den Top-Positionen von Wirtschaft, Verbänden, Politik, Justiz, Medien und Gewerkschaften des Elite- und Organisationssoziologen Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt.

Buchcover zu Soziale Ungleichheit
Soziale Ungleichheit

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Kein Thema für die Eliten?


Michael Hartmann


Campus, 250 Seiten, 19,90 Euro


Inspiration ♦♦♦♦
Nutzwert ♦♦♦♦♦
Lesbarkeit ♦♦♦♦♦

Na und, wo ist das Problem?, fragen da gern jene, die von solch feudalen Strukturen profitieren. Das Problem ist, dass diese Form der Eliteförderung das Leistungsprinzip aushebelt, das Politiker wie Wirtschaftsführer stets als Hauptantrieb fürs persönliche Vorankommen und als Basis für Wachstum und gesellschaftlichen Wohlstand anführen. Wer sich immer schön anstrengt, in der Schule, in der Universität und schließlich im Job, der – so heißt es – schaffe es in eine machtvolle und gut bezahlte Führungsposition und trage zu einer prosperierenden Wirtschaft bei.

Diese immer noch weit verbreitete Ansicht zerschmettert Hartmann mit seiner Studie. Sein Fazit: Es sind eben nicht die leistungsstärksten und klügsten Köpfe, die in Spitzenpositionen über Wohl und Wehe Deutschlands entscheiden. Es sind die Nachkommen der herrschenden Elite, die bei Einstellungen und Beförderungen später wiederum Kandidaten mit dem gleichen Stallgeruch bevorzugen und damit soziale Ungleichheit produzieren. Wegen ihres sozialen Status’ glauben sie, besser zu wissen, was gut ist für Wirtschaft und Gesellschaft. Und übersehen dabei, dass sich ihre Erfahrungen aus einem sehr engen, elitären Spektrum speisen.

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