Management Nouriel Roubini – Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft

Nouriel Roubini sagte im September 2006 den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts voraus und auch die Folgen für die Finanzwirtschaft. Jetzt ist seine neue These: Krisen sind keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel.

Der ist ja verrückt. So dachten viele Zuhörer, als Nouriel Roubini am 7. September 2006 das Podium der New York University verließ. In seiner Rede hatte der Wirtschaftsprofessor eine wahre Apokalypse prophezeit: Der US-Immobilienmarkt werde zusammenbrechen und das weltweite Finanzsystem in den Abgrund reißen. Seine Kollegen schmunzelten nur und verpassten ihm den Spitznamen „Dr. Doom“, Doktor Untergang. Eineinhalb Jahre später lachte nur noch einer: Roubini. Seitdem ist der Mann, der die Krise kommen sah, so etwas wie ein Star, zumindest unter Ökonomen.

Jetzt will er auch das breite Publikum erreichen: Sein neues Buch „Crisis Economics“ träft bei uns den Titel „Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft“. Darin verbreitet Roubini – wie sollte es anders sein – eine schlechte Nachricht: „Krisen sind keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel.“ Bücher von Propheten, die recht behielten, kennen meist nur eine Überschrift: Siehste!

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Auch Roubini beginnt mit einem Absatz über den Mahner, den keiner hören wollte. Dann aber liefert er eine packende Autopsie der Krise. Sein Befund: So außergewöhnlich war das Nahtoderlebnis der globalen Ökonomie nicht. Wie viele Crashs zuvor wurde es von klassischen Faktoren ausgelöst: billiges Geld, dubiose Finanzprodukte und der irrationale Glaube an in alle Ewigkeit steigende Preise. So weit die kurze Diagnose. Als Mittel gegen künftige Krisen verschreibt Roubini einen Cocktail aus Altbekanntem und neuen Rezepturen.

Banker sollten etwa ihre Boni in gesperrten Aktien erhalten, die erst nach Jahren verkauft werden können. Außerdem müsse man Banken ab einer gewissen Größe per Gesetz zur Selbstzerschlagung zwingen können. Origineller ist seine Idee, Finanzprofis ihre Boni in genau jenen Papieren auszuzahlen, mit denen sie selbst handeln. Wer anderen toxische Papiere verkauft, würde sich so eigenhändig vergiften. Alles in allem setzt Roubini auf mehr staatliche Regeln, und schon nach wenigen Seiten wird klar, dass hier kein Marktliberaler am Werk ist. Andererseits vertraut er dem Staat als Krisenmanager auch nicht recht. Sein Argument: Die Menschen durchschauen, dass die Pflästerchen der Politik den Krisenschmerz nur herauszögern – und letztendlich höhere Steuern bringen. Deshalb legen sie Vater Staats Geldgeschenke lieber auf die hohe Kante, anstatt davon einkaufen zu gehen.

So laufe jedes Konjunkturprogramm ins Leere, schreibt Roubini. Die weiteren Aussichten: natürlich düster. Der Professor warnt vor einer Schuldenkrise in Japan, einem massiven Wertverlust des Dollar – und dem Zerfall der Europäischen Union. Unter anderem erfährt der Leser, dass „Griechenland (…) bald keine Kredite mehr erhalten könnte“. Bei den üblichen Vorlaufzeiten im Verlagsgeschäft dürfte Roubini diesen Satz Mitte 2009 geschrieben haben. Dr. Doom hat eben eine Nase für den nächsten Untergang.

Daten zum Buch
Titel: Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft
Autor: Nouriel Roubini und Stephen Mihm
Verlag: Campus, 470 Seiten
Preis: 24,90 Euro
ISBN-10: 3593391023

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