Management Ökonom zweifelt am Fachkräftemangel

In Deutschland hapert es an qualifiziertem Personal - glaubt die Bundesagentur für Arbeit. Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht das anders: Der angenommene Fachkräftemangel beruht seiner Ansicht nach auf Denk- und Rechenfehlern. Und mit dieser These ist er nicht allein.

Karl Brenke, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist davon überzeugt, dass in Deutschland kein Mangel an qualifizierten Fachkräften herrscht. Gegenüber impulse (Ausgabe 11/2011) bezeichnete der Ökonom den Fachkräftemangel als „Fata Morgana“ und erläuterte, warum es so schwierig sei, diesen Mangel wissenschaftlich zu belegen.

Für Brenke beruht der vielfach beklagte Fachkräftemangel auf einem Denk- und Rechenfehler. Die Arbeitsagenturen registrierten offene Stellen, multiplizierten diese mit einem Faktor, der abbildet, dass die Firmen nicht alle offenen Stellen melden und gleichen den Wert mit der Zahl der Arbeitslosen ab – die Differenz dieser Werte ergäbe den Fachkräftemangel.

Anzeige

Fundierte empirische Untersuchungen zum Thema fehlen

Der DIW-Ökonom betrachtet den Arbeitsmarkt anders und zählt zu Beginn seiner Berechnung die Zahl der Beschäftigen, die etwa durch Rente oder Elternzeit verloren gehen. Dazu addiert er den zusätzlichen Bedarf an Mitarbeitern, den Unternehmen in der Wachstumsphase haben. Diese Summe vergleicht er mit dem nicht ausgeschöpften Potenzial an Arbeitskräften. Folgt man der Berechnung des Ökonomen, dann ist in Deutschland genügend Fachpersonal vorhanden, wie etwa seine Beispielrechnung für die Berufsgruppe der Ingenieure zeige.

Unterstützung für seine These erhält Brenke vom Präsidenten des Bundesverbandes der Personalmanager Joachim Sauer: „Meines Wissens gibt es keine einzige empirisch fundierte Untersuchung, die belegt, wo wir aus welchen Gründen in welchem Maß unter Fachkräftemangel leiden.“ Sauer belegt seine Meinung unter anderem mit einer Studie der KfW, in der zentrale unternehmerische Herausforderungen abgefragt wurden. Dabei gab lediglich eines von 100 befragten Unternehmen an, dass sie Schwierigkeiten haben, künftig ausreichend qualifiziertes Personal zu finden.

Vorabmeldung
Die impulse-Geschichte „Die Mär von der fehlenden Fachkraft“ lesen Sie in voller Länge im neuen impulse-Heft, Ausgabe 11/2011. Es ist ab dem 27. Oktober 2011 im Handel erhältlich.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert. Sie können einzelne Ausgaben von impulse auch als Heft bestellen oder in digitaler Form als PDF kaufen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...