Management Online präsent sein: So können Unternehmer vorgehen - Seite 2

Was sollte bei den Warenwirtschaftssystemen beachtet werden?

Schneider: Die Warenwirtschaft ist eine große Herausforderung. Wenn man die ersten Schritte in Richtung online machen möchte, stellt man relativ schnell fest, dass man einen Investitionsstau in den stationären Systemen hat. Denn die alten Kassensysteme, die man seit Jahrzehnten benutzt, bieten nicht die Schnittstellen für den digitalen Handel. Um online aktiv werden zu können, muss erst die alte Infrastruktur auf den neusten Stand gebracht werden, was relativ teuer werden kann.

Studien zufolge, legen Kunden im Einzelhandel großen Wert auf nützliche Zusatzinformationen zu den Produkten. Welche Tools können hier helfen?

Schneider: Die Kunden können Produkte über QR-Codes einscannen. Allerdings ist in den Kamera-Systemen von Smartphones die Erkennung nicht integriert. Dass dafür eine spezielle App heruntergeladen werden muss, macht die Codes umständlich. Die breite Masse nutzt sie deshalb nicht.

Was sind die Alternativen?

Neue Tools sind meist funkbasiert, zum Beispiel Beacons: Im Geschäft werden an verschiedenen Punkten Sender aufgestellt, die über Nahfeldkommunikation (NFC) oder Bluetooth funktionieren. Wenn das Smartphone dafür aktiviert ist, können Kunden Zusatzinformationen zu den Produkten empfangen. Apple-Stores nutzen darüber auch den Self-Check-Out, also das Bezahlen über Smartphone ohne Kasse.

Was halten Sie davon stationäre Terminals im Geschäft aufzustellen, auf denen Kunden Zusatzinfos zu Produkten abrufen können?

Generell möchten die Kunden lieber mit ihrem eigenen Smartphone interagieren als mit einem Terminal oder einem Tablet des Geschäfts. Vielleicht weil die Geräte unhandlich sind oder die Bedingung unbekannt. Zudem muss ein Kunde erkennen, dass der Terminal für die Kunden ist und nicht nur für die Mitarbeiter. Das muss klar kommuniziert werden.

Wie motiviert man Kunden, die Zusatzinformationen auch zu nutzen?

Schneider: Zum Beispiel über ein einfach zugängliches WLAN, das die Nutzer auf die Onlineshop-Seite bringt. Diese Seite muss aber nicht der normale große Web-Auftritt sein, sondern eine für den Zweck der Zusatzinformation im Geschäft optimierte Microsite. So bekommen Kunden schnell einen Überblick über das Sortiment und ergänzende Produkte, die zum Beispiel im Lager oder auf Bestellung noch verfügbar sind. Vielleicht ist es auch gut, wenn man auf dieser speziellen Homepage nicht das sieht, was man im Laden vor der Nase hat, sondern Ergänzungen.

Ist die Einheitlichkeit von Onlineshop und Ladengeschäft nicht sehr wichtig?

Schneider: Es ist wichtig, dass sich die Verkaufskanäle nicht wiedersprechen – das ist eine Grundvoraussetzung, wenn man auf mehreren Verkaufskanälen aktiv ist. Es gibt Händler, die haben im Laden ein ganz anderes Preisgefüge als im Onlineshop, das führt zu Irritation und Ärgernis bei den Kunden. Wenn sie sehen, dass ein Produkt im Onlineshop wesentlich günstiger als im Laden ist, werden sie in Zukunft nur noch online einkaufen. Es ist daher besser, wenn sich die Kanäle gegenseitig unterstützen.

Spricht die dynamische Preissetzung nicht gegen dieses Prinzip?

Schneider: Ja, für Händler mit verschiedenen Vertriebskanälen kann es problematisch werden. Reine Online-Player testen die dynamische Preissetzung gerade. Das heißt, dass nicht mehr nur Werbung personalisiert ausgesteuert werden wird, sondern auch Preise. Zum Beispiel gibt es eine Preisdifferenzierung nach Endgerät. Nutzer von Apple-Produkten haben demnach angeblich eine höhere Zahlungsbereitschaft, ebenso wie Käufer, die den Shop über Mobilgeräte ansteuern. Diese Preissetzung wird in Deutschland vermutlich schon angewandt, allerdings so geschickt, dass es schwer ist, Genaueres zu sagen.

 

 

Holger SchneiderProf. Dr. Holger Schneider (35) ist Leiter der E-Commerce Bachelor- und Master Studiengänge an der FH-Wedel. Zudem ist er Partner der Digitalberatung eTribes und berät Hersteller, Multi-Channel-Händler sowie Online-Pure-Plays in Fragen des digitalen Handels. Zuvor war er Leiter des Business Development New Media der Otto Group.

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