Management Österreicher – die besseren Unternehmer

Der Ländervergleich zeigt, was manche nur ungern hören: Die Firmenchefs der Alpenrepub­lik haben ihren deutschen Kollegen einiges voraus. impulse zeigt die wichtigsten Erfolgsfaktoren - und Beispiele aus der Praxis.

Sie führen ihre Mitarbeiter geschickter, entwickeln clevere Serviceideen, haben eine jüngere Führungsmannschaft und beschäftigen mehr Frauen in den Chefetagen. Die Österreicher machen nicht alles anders als deutsche Unternehmer, aber oftmals besser. Beispiel Manner: Über „Humankapital“ zu reden, wenn Mitarbeiter gemeint sind, käme bei dem weltweit bekannten Süßwarenhersteller niemandem in den Sinn. Viel zu wichtig ist der Firma, wie den meisten Unternehmen der Alpenrepublik, die enge Bindung zur Belegschaft. Seit fast 120 Jahren produziert das Fami­lienunternehmen aus Wien deshalb trotz steigender Standortkosten ausschließlich in Österreich.

„Mit dieser Firmenstrategie stärken wir das Vertrauen in das exzellente Know-how unserer 850 Beschäftigten“, sagt Carl Manner, Enkel des Firmengründers Josef Manner und Vorstandsvorsitzender des Anbieters von Haselnusswaffeln. Während viele deutsche Mittelständler händeringend versuchen, Löcher in der Personaldecke zu stopfen, kann sich das Traditionsunternehmen auf seine Manner-Macher verlassen. Viele Mitarbeiter verbringen nahezu ihr ganzes Arbeitsleben dort. „Der Leiter meiner Grafikabteilung ist sogar seit 53 Jahren in unserem Betrieb“, sagt der Firmenpatriarch.

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Wie clever die Österreicher agieren, belegt eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Qualität (DGQ) und ihrer Partnerorganisation Quality Austria über die unterschiedlichen Erfolgsfaktoren. 653 Mittelständler wurden dazu in beiden Ländern befragt. Ergebnis: Die Unternehmen
der Alpenrepublik sind besser für die Zukunft aufgestellt als ihre Konkurrenten aus dem Norden. Sie übertrumpfen die Deutschen vor allem in einem Punkt: ihrem exzellenten Beziehungsmanagement.

„Österreichische Unternehmer rü­cken den Menschen als Mitarbeiter und Kunden in den Mittelpunkt, während in Deutschland eher eine tech­nikorientierte Ingenieurkultur vorherrscht“, erläutert Benedikt Sommerhoff, DGQ-Berater und Autor der Studie. Natürlich fahren auch in Österreich nicht alle Unternehmer auf der Überholspur, aber der Vergleich der Leistungsdaten beider Länder ist eindeutig: Die Alpenrepublik liegt stets vor dem großen Nachbarn. Etwa beim aktuellen Wirtschaftswachstum von prognostizierten 3,4 Prozent (Deutschland 1,7 Prozent), bei einer Arbeitslosenquote von 5,2 Prozent (D: rund 9 Prozent) und bei einem Durchschnittsbruttolohn in Höhe von 2.710 Euro (D: 2.221 Euro).

Österreichische Spezialitäten

Was den Unterschied ausmacht? „In Österreich herrscht im Umgang mit Mitarbeitern eine viel größere Gelassenheit und Fürsorgepflicht seitens der Firmenchefs“, weiß der Ehrenpräsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater Rémi Redley, dessen Familie aus Österreich stammt und der dort selbst Firmen berät. Seiner Ansicht nach gelangen die dortigen Unternehmen so zwar nicht immer auf dem schnellsten Weg zum Erfolg. Aber die Mittelständler des Nachbarlands eröffnen sich damit einen entscheidenden internationalen Wettbewerbsvorteil: Sie haben engagiertere Mitarbeiter.

Laut Studie arbeiten die Angestellten und Arbeiter dort im Vergleich zu ihren deutschen Kollegen selbständiger, verfügen über umfassendere Informationen, werden intensiver gefördert, häufiger nach ihrer Meinung gefragt und sind stärker in alle Belange des Unternehmens involviert. Zudem ist jede dritte Führungskraft eine Frau, in Deutschland beträgt der Anteil nur 19 Prozent. „Die hohe soziale Kompetenz führt in Österreich nicht nur zu schnelleren Entscheidungsprozessen, sondern auch zu einer hohen Servicementalität innerhalb der Unternehmen“, erklärt Axel Dick, Experte für Geschäfts­entwicklungen bei Quality Austria.

Innerhalb der Sparte Sound Solu­tions des Wiener Halbleiterspezia­listen NXP Semiconductors ist der enge Austausch zwischen den Abteilungen sogar die Regel. „Jede Abteilung muss ihre fünf wichtigsten internen Kunden benennen und mit ihnen einmal im Jahr die Zusammenarbeit reflektieren und benoten“, erläutert Vorstand Ernst Müllner, der seinen Bereich seit Mitte der 90er Jahre zum Weltmarktführer für Handylautsprecher entwickelte.

Angesichts dieser Servicementalität im eigenen Haus verwundert es nicht, dass die öster­reichischen Unternehmen, so die Studie, im Vergleich zu den deutschen von einer höheren Kun­den­zu­frie­den­heit profitieren. „Wenn ich wählen müsste, von wem ich lieber bedient werde, würde ich mich immer für ein österreichisches Unternehmen entscheiden“, meint Redley. Aus seiner Erfahrung sind die Firmen zwischen Wien und Bodensee höflicher und zuvorkommender. „Ein Grund dafür liegt sicherlich in der österreichischen Gesellschaftskultur, die noch heute ländlich geprägt ist, sich stark auf den Tourismus konzentriert und in den Städten eine Kaffeehaus-Atmosphäre liebt“, so Berater Redley.

„Die Pflege von Beziehungen ist für Österreicher das A und O eines erfolgreichen Geschäfts“, sagt der bayerische Unternehmensberater Ulrich Heckner, der auch viele Firmen im Nachbarland betreut. Das wissen zwar auch die meisten deutschen Unternehmer, die Österreicher sind aber einfallsreicher bei der Umsetzung. „Handwerker beziehen zum Beispiel ihre Kunden oft durch Selbstarbeiten in Aufträge mit ein, verzichten damit zwar auf Umsatz, erzielen aber dennoch höhere Renditen als ihre deutschen Wettbewerber“, sagt Heckner.

Die Fähigkeit, es menscheln zu lassen, wirkt sich für die Österreicher allerdings noch auf andere Art positiv aus. Wie die Studie zeigt, entwickeln Firmenchefs aus der Alpen­re­publik eine deutlich op­timistischere Einschätzung ihrer Geschäftssituation, der Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter und ihrer Zukunftsaussichten. Quality-Austria-Experte Dick: „Die Österreicher würden ihre Wirtschaft nie krankreden.“

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