Akzeptanz von weiblichen Führungskräften Warum Frauen sich oft über Chefinnen ärgern

Haben Mitarbeiterinnen eine weibliche Führungskraft, sind sie oft unglücklicher, hat eine Studie ergeben.

Haben Mitarbeiterinnen eine weibliche Führungskraft, sind sie oft unglücklicher, hat eine Studie ergeben.© cydonna / Phtocase

Möchten Frauen von Frauen geführt werden? Und haben Männer ein Problem, wenn sie eine Chefin vorgesetzt bekommen? Eine Langzeitstudie ging dieser Frage nach. Das Ergebnis überrascht.

In den meisten deutschen Unternehmen haben immer noch Männer das Sagen. Lediglich knapp ein Viertel aller Führungspositionen sind laut dem Statistik-Dienst Statista mit einer Frau besetzt. Aber macht es einen Unterschied, ob Mitarbeiter von einem Mann oder einer Frau geführt werden? Und was sagen Mitarbeiter dazu?

Mit dieser Frage beschäftigten sich die beiden US-Ökonomen Benjamin Artz und Sarinda Taengnoi von der Universität von Wisconsin. Die beiden Wissenschaftler werteten zwei US-Langzeitstudien aus, die seit dem Jahr 1979 beziehungsweise 2008 das Leben von 12.000 Amerikanern verfolgen.

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Die Studienteilnehmer machten regelmäßig Angaben zu ihrem Privat- und Berufsleben – in welcher Branche sie arbeiten, wie viel sie verdienen und ob sie mit Chef und Job zufrieden sind, auf einer Skala von eins (sehr unglücklich) bis vier (sehr glücklich). Artz und Taengnoi fokussierten sich dabei nur auf Angestellte, die in der Privatwirtschaft arbeiten und einem Vorgesetzten untergestellt sind.

Chefinnen sind bei Frauen unbeliebter

Bei der Frage, wie zufrieden die Studienteilnehmer mit ihrem Chef und Job sind, machten die Wissenschaftler eine überraschende Entdeckung: Frauen mit einem weiblichen Chef sind in der Regel unglücklicher mit ihrem Job. „Die Zahl der Frauen, die die höchste Jobzufriedenheit für sich proklamieren, sinkt um bis zu sieben Prozentpunkte, wenn sie von einer Frau geführt werden“, stellten Artz und Taengnoi fest. Das entspreche etwa dem Verlust des Wohlbefindens, den man erleidet, wenn man für seine Leistung nicht entsprechend bezahlt werde.

Für die meisten Männer mache es dagegen keinen Unterschied, ob sie einen männlichen oder einen weiblichen Vorgesetzten haben. Warum reagieren also ausgerechnet viele Frauen negativ auf eine Chefin?

„Es ist derzeit noch nicht klar, wie genau weibliche Chefinnen das Wohlbefinden beeinflussen“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie. Denn es gibt bisher keine empirischen Studien, die diesen Zusammenhang untersucht haben. Aber sie halten vor allem diese Gründe für denkbar:

Andere Erwartungen an weibliche Chefinnen

Bei weiblichen Chefs erwarten Mitarbeiterinnen, dass diese sich mehr an ihren Vorstellungen und Bedürfnissen orientieren, zum Beispiel was die Arbeitsbedingungen und -zeiten betrifft. Außerdem würden viele Mitarbeiterinnen bei weiblichen Chefs auf bessere Karrierechancen und Aufstiegsmöglichkeiten hoffen. Sie haben in dieser Hinsicht auch höhere Erwartungen als bei männlichen Vorgesetzten. „Erfüllen Chefinnen ihre Erwartungen nicht, geht das Wohlbefinden von weiblichen Mitarbeitern zurück.“

Und das kommt offensichtlich häufiger vor: Studien hätten ergeben, dass unter weiblichen Chefs Männer sogar häufiger befördert werden als Frauen. Ein Grund dafür könne sein, dass manche Chefinnen befürchteten, qualifizierte Frauen könnten ihnen Konkurrenz machen.

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Schlechte Stimmung in der Branche

Der zweite Grund für die Unzufriedenheit könnte schlichtweg die Branche sein, schreiben die Forscher. Es könne sein, dass weibliche Vorgesetzte vor allem in Branchen arbeiteten, in denen Angestellte sowieso häufiger unglücklich sind, zum Beispiel wegen der Bezahlung. Also liegt der Grund womöglich gar nicht in der Chefin selbst, sondern am schlechten Gehalt. In solchen Niedrieglohn-Branchen seien zudem mehr weibliche Chefs vorzufinden als Männer. Denn für Männer seien diese Branchen oft zu unattraktiv.

Schlechteres Ansehen

Bisherige Forschungsergebnisse hätten außerdem gezeigt, dass männliche Chefs ein besseres Ansehen genießen als weibliche und generell häufiger als erfolgreich gelten, schreiben Artz und Taengnoi. Man muss allerdings dazu sagen: Diese Ergebnisse stammen aus älteren Studien.


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