Eignung fürs Home-Office Welchem Mitarbeiter kann ich Home-Office zutrauen?

Wie man die Eignung fürs Home-Office prüft

So sollte die Arbeit im Home-Office eher nicht aussehen.© kallejipp / photocase.de

Nicht jeder Mitarbeiter kann gut im Home-Office arbeiten. Diese sechs Fragen helfen Ihnen dabei herauszufinden, ob Ihr Mitarbeiter auch von zu Hause aus produktiv ist.

Er sitzt im Schlafanzug mit Laptop auf der Couch, beantwortet sporadisch ein paar E-Mails, ist aber die restliche Zeit auf Facebook und für seine Kollegen nicht ansprechbar: Das ist die Horrorvorstellung von einem Mitarbeiter, der von zu Hause aus arbeitet.

So schlimm ist es allerdings selten. Eine Umfrage der Agentur Tinypulse unter rund 500 Heimarbeitern zeigt, dass 91 Prozent von sich sagen, dass sie dort produktiver sind. Nicht nur das: Diejenigen, die sich aktiv für einen flexiblen Arbeitsplatz entschieden haben, sind auch motivierter als ihre Kollegen im Büro. Zum selben Ergebnis kam auch ein Experiment der chinesischen Reiseagentur Ctrip. Diese ließ einen Teil ihrer Angestellten neun Monate von zu Hause arbeiten und stellte fest, dass sie so Geld sparte und die Mitarbeiter zufriedener waren. Hier lesen Sie mehr über die Vor- und Nachteile von Home-Office.

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Dennoch: Nicht jeder will einen flexiblen Arbeitsplatz – oder ist geeignet dafür. So sagt Wirtschaftswissenschaftler Nicholas Bloom in einem Interview im Harvard Business Review: „Nicht jeder ist diszipliniert genug für die Arbeit im Home-Office“. Chefs sollten also gut überlegen, wem sie die Arbeit außerhalb des Büros zutrauen. Unternehmerin Monica Zent hat viel Erfahrung damit, Remote-Mitarbeiter anzustellen. In ihrem Beitrag für das Wirtschaftsmagazin Inc. stellt sie sechs Fragen vor, die Chefs Mitarbeitern stellen sollten – bevor sie sie ins Home-Office schicken.

1. „Wissen Sie, was Sie im Home-Office leisten müssen?“

Zent empfiehlt, klar und genau zu kommunizieren, was Chefs von Mitarbeitern im Home-Office erwarten. Klare Ziele zu setzen, wie beispielsweise zwanzig Verträge in der Woche abzuschließen, sei wichtig – auch um kontrollieren zu können, ob Angestellte ihren Job im Home-Office richtig machen. „Es ist okay zu kommunizieren, dass Mitarbeiter sich zunächst unter Beweis stellen müssen“, sagt Zent.

2. „Was motiviert Sie?“

Eine hohe Eigenmotivation ist eine der wichtigsten Eigenschaften, die Mitarbeiter haben sollten, wenn sie von zu Hause arbeiten wollen. „Bedenkt man die vielen Versuchungen und Ablenkungen dort ist diese zwingend“, so Zent. Sie versucht deswegen in Gesprächen herauszufinden, was ihre Mitarbeiter antreibt und ob sie sich leicht selbst motivieren können.

Auch Unternehmer Philip Michael betont in seinem Beitrag auf der Plattform des Wirtschaftsmagazins Forbes, wie wichtig es ist, dass Angestellte eigenständig handeln und sich selbst gut motivieren können. „Zu Hause ist kein Chef, der kontrolliert, ob Mitarbeiter wirklich arbeiten. Also müssen sie von alleine produktiv sein und ihre Aufgaben Tag für Tag erledigen.“ Wo andere überfordert mit einer Aufgabe sind und mit vielen Fragen vor dem Chef stehen, finden gute Home-Office-Mitarbeiter Lösungen und organisieren sich selbst, so Michael. Häufig seien sie auch perfektionistisch veranlagt – und auf ihrem Gebiet sehr gut ausgebildet. Ihre Ansprüche an sich sind somit sehr hoch, was sich wiederum positiv auf ihre Motivation auswirke.

3. „Haben Sie vorher schon einmal von zu Hause aus gearbeitet?“

Ihr Mitarbeiter hat in seiner Berufslaufbahn öfter mit Kollegen über einen Chat kommuniziert als von Angesicht zu Angesicht? Bravo! Wenn man als Chef einen Home-Office-Veteranen vor sich hat, dann ist man oft auf der sicheren Seite.  „Vorheriger Erfolg in einem Remote-Team zeugt meistens davon, dass Mitarbeiter die richtige Persönlichkeit haben, um von zu Hause aus arbeiten zu können“, sagt Michael. Zu dieser würden auch Pünktlichkeit und Verlässlichkeit gehören. Monica Zent rät aber dazu, in Erfahrung zu bringen, wie gut das Arbeiten im Home-Office geklappt hat. „Falls frühere Jobs an flexiblen Arbeitsplätzen gescheitert sind, ist es wichtig, die Geschichte dahinter beim früheren Arbeitgeber zu erfragen“, sagt sie.

4. Haben Sie einen ruhigen Platz zum Arbeiten?

Bei der Arbeit von zu Hause sollten die Grundvoraussetzungen stimmen. „Kinder, Hunde oder laute Nachbarn sind störend“, stellt Zent fest. Und empfiehlt Chefs, dem Mitarbeiter im Zweifel einen Platz im CoWorking-Space zu spendieren.

5. Arbeiten Sie gerne alleine?

Mit dieser Frage spricht Zent die Krux am Home-Office an: Alleine zu arbeiten. Darunter leide nach der Studie der Agentur Tinypulse oft auch die Beziehung mit den Kollegen im Büro. Angestellte, die damit noch keine Erfahrung haben, könnten schnell feststellen, dass diese Arbeitsweise nichts für sie ist und sich einsam fühlen. Umso wichtiger sei es, dass sie ein gutes soziales Netzwerk haben.

6. Sind Sie ein Optimist?

Diese Frage direkt zu stellen, wird wenig aufschlussreich sein. Chefs müssen anders herausfinden, ob der Mitarbeiter eine positive Einstellung zur Arbeit hat. Die ist laut Zent wichtig für die Motivation. Schließlich muss der Angestellte auch mit Misserfolgen alleine zurechtkommen. Am besten konfrontieren Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mit einem hypothetischen Krisen-Szenario und fragen sie, wie sie sich verhalten würden.

Zusatztipp: Philip Michael empfiehlt, einfach mal auszuprobieren, wie der Angestellte virtuell im Team arbeitet. Dabei wäre es kein gutes Zeichen, wenn er die ganze Zeit Dinge fragt, die man leicht auch bei Google nachschauen kann. Denn das zeuge von wenig Selbstständigkeit.

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