Führung in Corona-Zeiten Meine 5 wichtigsten Erkenntnisse nach drei Wochen Krise
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Souveräne Führung trotz Corona? Diese Tipps gibt Chefredakteurin Nicole Basel.

© impulse

Aktuell ist souveräne, besonnene Führung besonders wichtig – und gleichzeitig unglaublich schwierig. impulse-Chefredakteurin Nicole Basel über ihre wichtigsten Erkenntnisse nach drei Wochen Krise.

Immerhin: Ich schlafe aktuell so gut wie selten. Das liegt wohl daran, dass ich abends völlig erledigt ins Bett kippe. Die letzten drei Wochen waren die vielleicht härtesten meines bisherigen Berufslebens. Als Chefredakteurin von impulse fühlte ich mich an so vielen Fronten gefordert:

  • Gemeinsam mit meinen Führungskollegen musste ich schwierige, teilweise unpopuläre Entscheidungen treffen und zum Beispiel zwei Kollegen in Probezeit kündigen, obwohl wir sie toll fanden.
  • Das gesamte Team hat irre viel gearbeitet und in Rekordzeit einen riesigen Veränderungsprozess hingelegt: Alle sind ins Homeoffice gezogen, und weil unsere Kunden JETZT Hilfe brauchen, haben wir täglich Expertenfragestunden organisiert und in Windeseile ein Unternehmer-Infoportal zur Corona-Krise an den Start gebracht.
  • Oben drauf kommt bei mir und vielen Kollegen noch die Kinderbetreuung. Es ist schwierig, besonnen zu agieren, wenn im Nachbarzimmer der Nachwuchs randaliert.

Und trotzdem waren die letzten drei Wochen von Zeit zu Zeit auch unglaublich schön. Weil das Team zusammenhält. Weil ich sehen durfte, wie Kollegen über sich hinauswachsen. Weil wir immer wieder Etappenziele erreicht haben.

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Es ist Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Das sind meine fünf wichtigsten Erkenntnisse als Führungskraft nach drei Wochen Krise:

1. Mache Betroffene zu Beteiligten

Ich hatte das Glück, gleich zu Anfang dieser Krise Sandra von Oehsen zu interviewen. Die Führungstrainerin hat viele schlaue Sachen gesagt, aber besonders ein Satz ist mir in Erinnerung geblieben: „Machen Sie Betroffene zu Beteiligten.“

Wer bei Entscheidungen mitreden kann, der kann sie besser akzeptieren. Wer genau weiß, wie es um die Firma steht, der muss keinen Gerüchten glauben. Wer aktiv mitwirkt, der fühlt sich nicht ohnmächtig. Und – das konnte ich auch an mir selbst beobachten: Wer handelt, der verliert die Angst.

2. Sei entscheidungsstark

Gleichzeitig habe ich auch genau das Gegenteil erlebt: Einige Mitarbeiter forderten mich und meine Kollegen in der Chefredaktion dazu auf, selbstbewusster zu entscheiden. Sie wollten gar nicht großartig eingebunden werden. Ich bin dankbar, dass die Kollegen diese Führungsstärke von uns eingefordert haben. Es gibt aktuell extrem viel zu tun, da brauchen wir schlanke und schnelle Entscheidungsprozesse.

Ich habe es als Vertrauensbeweis empfunden, dass Kollegen sagten: Entscheidet bitte einfach, wir setzen das dann um. Und gleichzeitig freue ich mich darauf, hoffentlich bald mal wieder Zeit dafür zu haben, mit dem Team gemeinsam an Lösungen und Ideen zu arbeiten. Denn ich weiß gar nicht, wie die patriarchalen Chefs das früher ausgehalten haben: Alleine zu entscheiden, macht ganz schön einsam.

3. Setze Etappenziele

Die letzten Wochen waren extrem dynamisch. Fast jeden Tag gab es eine neue Situation, an die wir uns anpassen mussten. Und plötzlich war es wahnsinnig schwierig, auf die wichtigste Frage, die jede Führungskraft beantworten können muss, eine gute Antwort zu finden: WOHIN steuern wir?

Ich fand es daher extrem befreiend, dass impulse-Verleger Nikolaus Förster schnell klargemacht hat: Wir setzen jetzt Prioritäten für die nächsten sieben Tage – und dann sehen wir weiter. Niemand konnte in den letzten Wochen direkt das komplette Ausmaß der Krise absehen mit allen Konsequenzen. Und niemand konnte sofort sagen, was die richtige Antwort auf sie ist. Da galt es, erst einmal auf Sicht zu fahren und zu entscheiden, was wir als Team in den nächsten Tagen erreichen wollen. Kleine Etappenziele zu haben, hatte eine schöne Begleiterscheinung: Etappenerfolge!

Jetzt langsam ist es aber, wie ich finde, Zeit, diesen Akut-Modus zurückzufahren und wieder langfristiger in die Zukunft zu schauen: Wie müssen wir uns aufstellen, um diese Krise zu überleben? Wo wollen wir Ende des Jahres stehen? Was ist unsere Vision? Und: Wer kann in diesem Prozess welche Rolle spielen?

4. Sei klar und berechenbar

Klare und verlässliche Ansagen zu machen – ich finde, das ist in diesen Zeiten die schwierigste Aufgabe für Führungskräfte. Schließlich hat man auf so viele Fragen selbst keine Antwort. Da hilft nur eines: deutlich zu machen,

  • was man weiß
  • was man nicht weiß
  • und wann man das, was man noch nicht weiß, voraussichtlich wissen wird.

5. Sei empathisch

Dass Führungskräfte gute Zuhörer sein sollten, ist nicht neu. Ich persönlich war das – glaube ich – in den vergangenen drei Wochen nicht immer. Jemandem gut zuzuhören, ist einfach deutlich leichter, wenn man selbst entspannt ist.

Ich nehme es mir daher in dieser turbulenten Zeit bewusst vor, in Gesprächen weniger zu senden und genau nachzufragen, wie es den Kollegen gerade geht. Denn viele sind enorm unter Druck: Weil beim Partner schon Kurzarbeit angemeldet wurde. Weil man doch gerade in die größere und teurere Wohnung gezogen ist. Weil es zuhause schnell Streit gibt, wenn beide Eltern arbeiten und gleichzeitig die Kinder beschult, bekocht und bespaßt werden müssen. Der Tag hat leider auch in Corona-Zeiten immer noch nur 24 Stunden.

Daher habe ich versucht, wann immer es ging, Druck rauszunehmen. Flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen. Und jedem einzelnen zu sagen: Ich weiß, dass du alles gibst, was unter diesen Umständen für dich möglich ist. Und weißt du was: Das ist genug.

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2 Kommentare
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    Gernot Feldhaus 9. April 2020 09:01

    Guten Tag Frau Basel.

    Es ist Interessant zu lesen das Sie schreiben

    „Gemeinsam mit meinen Führungskollegen musste ich schwierige, teilweise unpopuläre Entscheidungen treffen“

    Glauben Sie die Menschen außerhalb Ihres „Führungsteams“ treffen derzeit keine schwieriegen Entscheidungen?

    Welche Entscheidung treffen den die beiden, denen Sie gerade gekündigt haben?

    Schön zu lesen, das Sie bei Punkt 5. dann von von „empathisch“ sprechen.

    Wenn Sie Empathie hätten, würden Sie den Punkt 1. anders Formulieren und die Empathie würde sich im Schreibstil wiederspiegel.

    Zählen Sie doch mal bitte wie oft das Wort „Ich“ in Ihrem Artikel vorkommt in Vergleich zu „Wir“ – Ich habe es nicht getan, weil Sie schon mit „Ich“ angefangen haben.

    Liebe Grüße
    Gernot Feldhaus

    • Nicole Basel
      Nicole Basel 10. April 2020 09:40

      Lieber Gernot Feldhaus,

      ich kann Ihre Kritik nicht vollziehen. Es war eine schwierige Entscheidung, den Kollegen zu kündigen, gerade weil wir wussten, was das für diese Menschen bedeutet. Dass andere Kollegen auch schwierige Entscheidungen treffen müssen, ist doch unbenommen.

      Der Text hat die Überschrift „Meine fünf wichtigsten Erkenntnisse nach drei Wochen Krise“. Ich finde es da naheliegend, dass ich über mich schreibe und das Wort „ich“ benutze.

      Beste Grüße, Nicole Basel

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