Generation Z Was ist mit den neuen Azubis los?
Smartphone- und selfie-süchtig: Die sogenannte Generation Z startet ins Berufsleben. Die Jugendlichen gelten als kritikunfähig und ungeduldig - doch Ausbilder können sich auch auf vieles freuen.

Smartphone- und selfie-süchtig: Die sogenannte Generation Z startet ins Berufsleben. Die Jugendlichen gelten als kritikunfähig und ungeduldig - doch Ausbilder können sich auch auf vieles freuen.© Rohappy / iStock / Getty Images Plus

Handysüchtig, anspruchsvoll und ungeduldig - so lauten einige Vorurteile über die neue Generation Azubis. Was ist dran an den Vorbehalten? Und worauf können sich Unternehmer freuen?

Die neuen Azubis starten – auf Ausbildungsbetriebe kommt eine Generation zu, die mit Computern, Handys und Internet aufgewachsen ist, viel Wert auf Freizeit legen soll und als unselbstständig gilt. Die Rede ist von der sogenannten Generation Z, geboren zwischen 1995 und 2010. Doch wie ticken sie wirklich? Worauf können Ausbilder sich einstellen?

Natürlich kann man nicht eine ganze Generation in eine Schublade stecken: „Nicht jeder, der 2000 geboren ist, hat alle typischen Eigenschaften der Generation Z“, sagt Sabine Bleumortier, Beraterin und Trainerin für Ausbilder und Azubis. Und doch haben viele Jugendliche gemeinsame Werte und Tendenzen, weil sie unter den gleichen wirtschaftlichen, technischen und politischen Verhältnissen aufgewachsen sind. Bleumortier nennt ein Beispiel: Familienstrukturen seien anders als früher – viele junge Menschen seien nicht mit einem klassischen Familienoberhaupt aufgewachsen, das zu Hause bestimmt. Solche Erfahrungen prägen.

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Welche Erfahrungen haben Ausbilder mit der Generation Z?

„Bei fast jedem Seminar, das ich halte, sagen Ausbilder, dass sie die junge Generation nicht mehr verstehen und sich über ihr Verhalten wundern“, sagt Sabine Bleumortier. „Das ist prinzipiell nichts Neues. Vor 50 Jahren hat die ältere Generation auch schon nicht verstanden, was die Jüngeren machen.“

Typische Rückmeldungen, die Ausbilder der Trainerin geben: Die Azubis sagen ab Tag eins ihre Meinung und bringen ihre Ideen ein, verlangen schnelles Feedback, nutzen exzessiv Smartphones, fordern viel vom Betrieb und sind selbstbewusster als andere Generationen. Zudem seien sie recht ungeduldig und hätten keine Scheu vor Hierarchien.

Wie gelingt die Zusammenarbeit mit den neuen Azubis?

Eine Generation, die kritikunfähig ist, überall mitreden will und viel fordert – klingt nicht gerade einfach für Unternehmer.

Aber: „Man kann viel Positives aus der Zusammenarbeit ziehen, wenn einem bewusst wird, warum die jungen Menschen so ticken“, sagt Bleumortier. Chefs sollten sich bewusst machen, dass die neue Generation Azubis unter anderen Lebensumständen aufgewachsen ist als sie selbst. „Sie durften schon im Kindergartenalter mitentscheiden, was sie am Wochenende unternehmen möchten oder was sie anziehen“, sagt die Trainerin. Kein Wunder also, wenn sie sich an hierarchische Strukturen erst einmal gewöhnen müssen.

Die heutigen Azubis seien realistischer als frühere Generationen, sagt Christian Scholz, Wirtschaftswissenschaftler und Autor des Buches „Generation Z“: „Sie wissen, dass sowieso nicht jeder Karriere macht.“

Bei den folgenden drei Themen kann es erfahrungsgemäß zwischen Azubis und Ausbildern auch mal knallen. Die Tipps der Experten sorgen für ein besseres Miteinander.

1. Kritik
Die Eltern der sogenannten Generation Z hätten laut Scholz vor allem gelobt; und auch in der Schule werde zunehmend auf positives Feedback gesetzt. Daher seien sie Kritik nicht gewohnt – obwohl sie selber gerne Kritik äußern.

„Man stelle sich mal vor, man wurde sein ganzes Leben nur gelobt. Und jetzt kommt ein Arbeitgeber, der klipp und klar sagt, was ihm nicht gefällt. Das ist schon schwierig. Aber auch der Ponyhof hat Grenzen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Chefs sollten Azubis nicht mit Samthandschuhen anfassen, sondern sie nach und nach an Kritik gewöhnen, sagt Sabine Bleumortier. Die Beraterin empfiehlt, negatives Feedback zunächst zu dosieren: „Wenn mir fünf schlechte Dinge auffallen, sollte ich nicht alle fünf auf einmal nennen, sondern erstmal die zwei wichtigsten.“

2. Struktur
Viele Azubis sind laut Scholz nicht sehr selbstständig: „Sie verlangen genaue Vorgaben, welche Aufgabe sie wann bearbeiten müssen.“ Daraus könne man der Generation Z keinen Vorwurf machen. Schließlich sei sie mit engen Strukturen groß geworden: verkürztes Abitur, dichte Stundenpläne, Schule am Nachmittag. „Die sind so gedrillt, dass die erstmal fragen, wie ihr Stundenplan für die nächsten drei Jahre aussieht“, sagt Scholz.

Seine Empfehlung: Ausbilder sollten den Azubis eine gewisse Struktur vorgeben. Wer seinem Lehrling eine neue Aufgabe übergibt, sollte sie zunächst mit ihm besprechen: Was soll der Azubi erreichen? Bis wann muss er die Aufgabe erledigen? Welche Erwartungen hat der Chef?

Bearbeitet ein Tischlerlehrling etwa ein Werkstück, kann es ihm helfen zu wissen, welche Fehler noch im Rahmen sind – und welche das Stück unbrauchbar machen würden. Geht es um eine Präsentation, sollte man dem Azubi vorher zeigen, wie ein typischer Präsentationsaufbau aussieht. Diese Vorgaben geben ihm Sicherheit. Langfristig sollten Chefs die Azubis zur Selbstständigkeit erziehen, rät Scholz.

Doch obwohl es sinnvoll sei, die Azubis bei der Hand zu nehmen – zu sehr auf die Pelle rücken sollte man ihnen auch nicht. Sie mögen es etwa nicht, wenn der Chef ständig ins Büro komme und frage, wie es läuft, sagt Scholz: „Das ist widersprüchlich – ja! Da muss man ein gutes Maß finden.“

3. Erwartungen
Unternehmer sollten nicht erwarten, dass die Azubis sich komplett verändern, wenn sie älter werden, sagt Scholz. „Bei mir ist es auch nicht passiert. Ich habe die gleichen Werte, bin gegenüber allem kritisch – genau wie früher.“

Was erhofft sich die Generation Z vom Arbeitsplatz?

Für junge Azubis ist es wichtig, dass ältere Mitarbeiter und Chefs sie respektieren, wertschätzen und ihnen auf Augenhöhe begegnen. Außerdem wünschen sie sich ein gutes Betriebsklima, einen sicheren Arbeitsplatz und geregelte Arbeitszeiten.

„Bei vielen Azubis, mit denen ich spreche, merke ich, dass sie gerne von 9 bis 17 Uhr arbeiten – aber nicht darüber hinaus“, sagt Bleumortier. Während ältere Generationen noch karriereorientierter waren, sei den heute maximal 25-Jährigen die Freizeit genauso wichtig wie die Arbeit.

Und was für viele nach idealen Arbeitsbedingungen klingt, wirkt auf die Generation ab Mitte der neunziger Jahre eher abschreckend: „Auf das Thema Vertrauensarbeitszeit und flexible Arbeitszeit reagieren sie hochgradig allergisch“, sagt Christian Scholz. „Das klingt für sie nach Selbstausbeutung.“

Worauf können Unternehmer sich freuen?

Die Generation, die jetzt ins Berufsleben startet, mag ihre Eigenarten haben, an die ältere Mitarbeiter und Chefs sich erst gewöhnen müssen. Doch auf vieles können sich Unternehmer freuen: Diese Generation Azubis ist gegenüber ihren Vorgängergenerationen selbstbewusster und aufgeschlossener, bringt sich viel ein und bringt mit ihrem Wissen über neue Medien neue Impulse ins Unternehmen.

Ein weiterer Pluspunkt: „Die sind extrem angenehm im Umgang“, sagt Scholz. „Deswegen kann man wirklich gut mit ihnen arbeiten.“

 

Ab dem 1. Januar erhalten Azubis eine Mindestvergütung. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel „Gesetzesänderungen 2020“.

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4 Kommentare
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    Tobias Hennicken 2. Juni 2020 08:05

    Guten Morgen.
    Ich finde die Diskussionen über den Umgang mit der Gen Z sehr wichtig und dringend nötig.

    Hier zeigt sich wieder, dass die Schule uns Menschen nicht für das Leben an sich vorbereitet.
    Hier fehlt schon die Bereitschaft und das Verständnis, sich mit den neuen Generationen auseinanderzusetzen. Geschweige denn, den Lehrplan endlich anzupassen und Soziales Kompetenz-Training, Kommunikation und Menschenkenntnis in den Schulen zu lehren.

    Ich mache das als Coach und Therapeut ehrenamtlich und stelle fest, dass die Bereitschaft da ist, sich mit sich selber und anderen auseinanderzusetzen.

    Daher müssen wir (Gen X & Y) aktiv auf die neuen Arbeitnehmer zugehen und die Bereitschaft zeigen, sie verstehen zu wollen.

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    heinz 31. Januar 2020 10:06

    Da kann ich meinen Vorrednern nur beipflichten. Bei uns häufen sich die Bewerbungen von Jugendlichen, welche bereits lange Krankheitsphasen hinter sich hatten oder noch mitten drin stecken, vor allem psychisch. Als Ausbilder nehme ich meinen Bildungsauftrag sehr ernst und gebe auch jenen mit schlechteren Noten eine Chance. Doch schon beim einwöchigen Praktikum – welches bei uns Pflicht ist, bevor ein Ausbildungsvertrag geschlossen wird – scheitern viele. Selbst bei der Pünktlichkeit drücke ich ein Auge zu, wenn es mal 5 oder 10 Minuten später wird, hängen wir es hinten dran und fertig. Doch dabei bleibt es nicht, morgens können wir kaum mit der ersten Unterweisung beginnen, weil die Jugendlichen noch nicht ganz da sind. Kollegen beschweren sich, dass sie die Praktikanten teils eine Stunde quasi in die Ecke stellen mussten, damit sie aufwachen konnten. Für fahrlässige Fehler, Nachbesserungen und die erhöhte Unfallgefahr wollte niemand die Verantwortung übernehmen. Da stelle ich mir die Frage: Wo ist die Neugierde hin? Weg von der Schule voller Theorie, rein in die Praxis. Für mich war das damals aufregend und wollte so viel wie möglich lernen. Doch heutzutage geben sich viele Bewerber nicht einmal mehr Mühe, einen guten Eindruck zu hinterlassen. Was ist da schief gelaufen? Reden können sie wie Weltmeister und mit Social Media kennen sie sich bestens aus, aber was Disziplin angeht scheitern sie. Am Ende picken wir uns denjenigen heraus, welcher die beste Chance hat die Berufsschule regelmäßig zu besuchen und die Prüfung zu bestehen. Der Rest dümpelt weiter vor sich hin. Hier ist die Politik und das Schulsystem gefragt, dies zu ändern. Die jungen Leute brauchen einen Leitfaden, ein Ziel für ihr Leben. Ich will als Ausbilder wieder in leidenschaftliche, neugierige und wache Augen sehen, wenn der Vertrag ausgehändigt wird.

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    Anonym 27. Januar 2020 08:52

    Es fällt ebenso auf, dass die Jugendlichen einfach keinen „Biss“ mehr haben.
    Klar hängt ihnen der Spruch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ zum Hals heraus, aber man hat vermehrt das Gefühl, dass sie beim kleinsten Widerstand oder Kritik gleich alles hinschmeißen wollen. Wir haben oft Bewerbungen liegen, wo unsere Ausbildung der 3. Versuch wäre, der Rest wird als „Orientierungsphase“ abgetan. Und ja, auch die Bereitschaft häufiger „krank“ zu sein ist gestiegen – um dann von einer Spaßveranstaltung mit Freunden zu berichten. Da kann kein Gemeinschaftsgefühl oder Vertrauen aufgebaut werden.
    Natürlich kann man nicht alle Azubis in einen Topf werfen, wir hatten auch richtig tolle dabei gehabt, diese sind allerdings in der Unterzahl.
    Wir wären für einen Benimm- oder Knigge-Pflichtkurs vor Ausbildungsbeginn. Ob es was bringt, weiß man nicht, aber darauf zu hoffen das dies in der Schule oder vom Elternhaus aus beigebracht wird, wäre zu naiv gedacht.

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    Miriam Pohl 16. Januar 2020 16:49

    Ich bin seit vielen Jahren Ausbilderin in einer Arztpraxis. Leider muss ich sagen, dass sich die Einstellung zur Gesellschaft und somit auch zur Arbeit oder Arbeitgebern bei der heutigen Jugend sehr egozentrisch entwickelt hat. Wir Ausbilder müssen das ausbaden, was die Politik mit ihren irrsinnigen Kindergarten- und Schulreformen verpatzt hat. Wir haben überwiegend Azubis, die nicht gewillt sind, sich in der Arbeitswelt zurecht zu finden. Sie sind respektlos und solche Dinge wie Kaffee kochen, ist unter ihrer Würde. Und wenn ich lese, dass wir uns auch noch darauf einstellen sollen, dann merke ich wie mir „die Galle hochkommt“. Jugendpsychiater warnen schon lange davor, dass wir uns mit dieser ganzen „Überpädagogisierung“ alles Menschen heran züchten , die an Selbstüberschätzung auf dem Stand eines 5jährigem leiden. Die Gesellschaft schafft es sich selbst abzuschaffen. Gratulation zu dieser hervorragenden Leistung!

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