Innovative Unternehmer Diese Chefs trauen sich was

Die Gründer von Adjust: Manuel Kniep, Paul H. Müller und Christian Henschel (von links) laden ihre Mitarbeiter einmal im Jahr in den Urlaub ein.

Die Gründer von Adjust: Manuel Kniep, Paul H. Müller und Christian Henschel (von links) laden ihre Mitarbeiter einmal im Jahr in den Urlaub ein.© Adjust

Mit 08/15-Jobs lassen sich Spitzenkräfte nicht locken. Diese innovativen Unternehmer gehen darum ungewöhnliche Wege, um Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

Feierabend nach fünf Stunden

Von 8 bis 13 Uhr arbeiten und den restlichen Tag frei haben? Der Amerikaner Stephan Aarstol hat’s für die Mitarbeiter seiner Firma Tower Paddle Boards möglich gemacht. Damit das gelingen konnte, mussten sie dasselbe Arbeitspensum schaffen wie zuvor. Als Anreiz beteiligte Aarstol sie mit fünf Prozent am Gewinn. Das Ergebnis des Experiments überraschte, denn der Umsatz stieg.

Allerdings hatte der Fünf-Stunden-Tag auch seine Nachteile: Das Team büßte an Zusammenhalt ein. „Wir haben einen Teil unserer start-up-typischen Verbundenheit verloren, weil alle um eins gegangen sind. Wir waren sehr produktiv, aber die Mitarbeiter fanden es leichter, das Unternehmen zu verlassen“, sagt Aarstol. Deswegen gibt es den Fünf-Stunden-Tag bei Tower Paddle Boards inzwischen nur noch in der Hauptsaison von Juni bis September. Ausgerechnet in der Hauptsaison, wenn das Unternehmen 70 Prozent des Umsatzes macht? Diese stressige Zeit zwinge sie dazu, ihr Zeitmanagement zu optimieren und produktiver zu werden, erklärt Aarstol.

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Welche Tipps Aarstol für die Einführung eines Fünf-Stunden-Tages gibt, lesen Sie in unserem Artikel „Fünf Stunden Arbeit, volles Gehalt – kann das funktionieren?“.

Auch der Deutsche Lasse Rheingans führte bei seiner Firma Digital Enabler die verkürzte Arbeitszeit ein. Wie der Fünf-Stunden-Arbeitstag bei seinen Mitarbeitern ankam, lesen Sie in unserem Artikel „Kein Mensch arbeitet effektiv acht Stunden am Stück“.

Freitags machen alle frei

Der Gründer des App-Herstellers Bike Citizens, Andreas Stückl, gibt seinen Mitarbeitern jeden Freitag frei. Dafür arbeiten sie an den anderen Tagen neun Stunden, eine Stunde länger als vorher. Damit fallen wöchentlich nur 2,5 Stunden durch den freien Tag weg. Das Modell funktioniere, weil alle effizienter arbeiten. Meetings werden zum Beispiel auf das Wesentliche reduziert und finden nicht mehr jede Woche statt. Das Ziel für die Zukunft: die Arbeitszeit an vier Tagen auf acht Stunden täglich beschränken.

Wie das Unternehmen von der Vier-Tage-Woche profitiert, lesen Sie in unserem Interview mit Andreas Stückl „Bei uns ist freitags das Büro geschlossen“.

Urlaub mit allen Mitarbeitern

Beim Berliner Start-up Adjust machen die Mitarbeiter einmal im Jahr gemeinsam Urlaub – auf Firmenkosten. Alle 130 Angestellten sind 2017 zusammen in die Dominikanische Republik gereist. Dafür gab das Unternehmen eine Viertelmillion Euro aus. Warum macht Firmenchef Christian Henschel das? Er hofft, so die Mitarbeiter an die Firma zu binden. Mit dem Urlaub möchte er ihre gute Arbeit belohnen und sein Unternehmen interessant für qualifizierte Bewerber machen. Die Teilnahme an den Trips ist freiwillig und niemand muss dafür seinen Jahresurlaub opfern.

Damit das Geschäft weiterläuft, müssen alle auch während des Firmenurlaubs arbeiten. 30 Prozent der Zeit nehmen die Mitarbeiter an Konferenzen teil oder beantworten E-Mails. Den Rest der Zeit sollen sie sich entspannen und besser kennenlernen.

Mehr über den Firmenurlaub von Adjust lesen Sie in unserem Artikel „Urlaub fürs ganze Team – die Chefs bezahlen!“.

70.000 Dollar Mindestlohn

Angeblich war es eine Studie über das Glück, die Dan Price, den Vorstandschef der Firma Gravity Payments in Seattle, zu einem ungewöhnlichen Schritt veranlasste: 2015 verkündete er, dass jeder seiner 120 Mitarbeiter künftig mindestens 70.000 Euro Dollar Jahresgehalt verdienen würde. Denn in der Glücks-Studie hieß es, dass Menschen am ehesten finanziell unabhängig werden, wenn sie mehr als 70.00 Dollar verdienen.

Um diesen Mindestlohn finanzieren zu können, kürzte er sein eigenes Gehalt um 90 Prozent auf ebenfalls 70.000 Dollar. Er verkaufte sein Haus und steckte seine Ersparnisse in seine Firma. Die Aktion machte Dan Price und sein Unternehmen weltweit berühmt und sorgte für viele neue Aufträge und Bewerber. Laut „Forbes“ hat Gravity Payments eine Kundenbindungsrate von 91 Prozent.

Und wie haben die Mitarbeiter auf Prices Ankündigung reagiert? Das Video dazu finden Sie in unserem Artikel „Mindestlohn: 70.000 Dollar“.

Demokratisch gewählter Chef

Hermann Arnold, der Gründer der Schweizer Firma Umantis, trat als Geschäftsführer des Unternehmens zurück – und überließ einem ehemaligen Praktikanten den Chefsessel. Arnold schlug ihn selbst vor und ließ seine Mitarbeiter dann demokratisch wählen. Das Ergebnis: 95 Prozent stimmten für den neuen Chef. Arnold selbst ist nun Verwaltungspräsident des Unternehmens, das mittlerweile zur Haufe-Gruppe gehört, und hat ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben. In „Wir sind Chef“ erklärt er, wie verteilte Führung Unternehmen voran bringen kann.

Mehr über Hermann Arnolds Rücktritt lesen Sie in unserem Artikel „Wenn der Chef zurücktritt“.

Unternehmen ohne Hierarchie

Beim Unternehmen „Traum-Ferienwohnungen“ gibt es weder Chefs noch Abteilungsleiter – und keine Hierarchien. Ein Kunststück bei 120 Mitarbeitern. Eines das funktioniert: Ein paar Mitarbeiter mit Karrierewünschen verließen das Unternehmen zwar, doch von den quasi degradierten Abteilungsleiter habe keiner gekündig, versichert Firmenchef Nicolaj Armbrust. Entscheidungen treffen nun die Mitarbeiter, die sich gerade mit dem jeweiligen Projekt befassen. Nur bei weitreichenden Entscheidungen berate sich das Team in größerer Runde.

Wie die hierarchielose Zusammenarbeit genau funktioniert, erklärt Armbrust im Interview: „Wir haben keine Chefs“.

Erfolgsrezepte für richtig gute Chefs

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