Post-Holiday-Syndrom Frust nach den Ferien? So verhindern Chefs, dass Mitarbeiter nach dem Urlaub kündigen
Sehnsucht nach dem Strand: In den ersten Tagen nach dem Urlaub schlägt oft das Post-Holiday-Syndrom zu.

Sehnsucht nach dem Strand: In den ersten Tagen nach dem Urlaub schlägt oft das Post-Holiday-Syndrom zu.© DoctorEgg / Moment / Getty Images

Armutszeugnis für Arbeitgeber: Fast jeder zweite Arbeitnehmer überlegt nach dem Urlaub zu kündigen. Grund ist das Post-Holiday-Syndrom. Was dahinter steckt - und was Chefs dagegen unternehmen können.

Ein Mitarbeiter kehrt aus einem dreiwöchigen Urlaub in Thailand zurück – und fällt erst mal in ein Motivationsloch.

Viele Chefs dürften Ähnliches schon einmal in ihrem Team beobachtet haben – und vielleicht ging es ihnen sogar selbst schon einmal so: Man träumt sich zurück an den Urlaubsort, schwelgt in Erinnerungen, die Leidenschaft für den Beruf will sich nicht so recht wieder einstellen, man sehnt den Feierabend entgegen.

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Doch erschreckend häufig geht es bei Angestellten um mehr als um ein bisschen Ferien-Blues: Fast jeder zweite ist nach dem Urlaub so frustriert, dass er über einen Jobwechsel nachdenkt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage mit 1133 Teilnehmern, die das Karriereportal Careerbuilder durchgeführt hat. Dieses Phänomen hat auch einen Namen: Post-Holiday-Syndrom.

Alltag demotiviert nach dem Urlaub

Warum erleben so viele Arbeitnehmer das Post-Holiday-Syndrom? Freie Tage und Urlaubsreisen fernab vom Alltag zeigen ihnen attraktive Alternativen zum Job auf: Ohne Deadlines, nörgelnde Chefs und Kunden, lange Arbeitstage und Alltagsstress ist ihr Leben viel sorgenfreier. Zurück im Alltag, fragen sie sich, welcher Job sie mehr erfüllen könnte, oder wie sie es schaffen, weniger zu arbeiten.

Die gute Nachricht: Die meisten Angestellten klettern laut Careerbuilder schnell wieder aus ihrem Motivationsloch. Chefs können dazu beitragen, Mitarbeiter aus dem Tief zu holen und so eine Kündigung zu verhindern – oder Frust nach dem Urlaub von vornherein zu vermeiden. 4 Tipps, wie das gelingt.

1. Vor dem Urlaub für eine gute Übergabe sorgen

Ein Nerv-Szenario: Ein Computerprogramm spinnt – aber nur die Kollegin, die gerade auf der Skipiste kurvt, kennt sich mit dem Programm aus und hat die notwendigen Zugangsdaten, um das Problem zu beheben. Eine Urlaubsübergabe mit den notwendigen Informationen? Fehlanzeige. Weil niemand weiterhelfen kann, hilft nur eins: Die Kollegin im Urlaub anrufen. Da ist Frust auf beiden Seiten vorprogrammiert.

Um solche Situationen zu verhindern, sollten Chefs dafür sorgen, dass Mitarbeiter eine gute Urlaubsübergabe machen. Damit das gelingt, können Unternehmer Regeln fürs Team festlegen.

Jeder sollte vor seiner Abwesenheit beispielsweise diese Fragen klären: Wer vertritt mich? Hat mein Vertreter alle Informationen und Zugänge, die er braucht? Habe ich eine Abwesenheitsnotiz eingerichtet? Habe ich alle Kollegen rechtzeitig über meine Reise informiert?

2. Während des Urlaubs in Ruhe lassen

Richtig abzuschalten und zu entspannen gelingt vielen Menschen erst nach ein paar Tagen Urlaub. Reißen Chefs Angestellte – wie im obigen Szenario – mit einem Anruf gedanklich zurück in die Arbeitswelt, riskieren sie, dass der Mitarbeiter frustriert aus dem Urlaub zurückkommt und womöglich sogar über eine Kündigung nachdenkt. Emine Yilmaz, Director beim Personaldienstleister Robert Half, rät Unternehmern deshalb, Mitarbeiter im Urlaub möglichst nicht zu kontaktieren. „Selbst, wenn der Mitarbeiter anbietet, im Urlaub seine E-Mails zu lesen“, so die Personalexpertin.

Tatsächlich sind Mitarbeiter auch nicht dazu verpflichtet, Anrufe im Urlaub entgegenzunehmen oder E-Mails zu beantworten – Urlaub dient schließlich der Erholung. Mehr zum Thema lesen Sie in unserem Artikel „Darf ich meine Mitarbeiter im Urlaub anrufen?“.

3. Nach dem Urlaub willkommen heißen

Klingt banal, kann für Urlaubs-Rückkehrer aber wichtig sein: Chefs sollten Mitarbeiter am ersten Arbeitstag persönlich begrüßen. Und ihnen zeigen, dass sie sich freuen, dass der Angestellte wieder da ist.

„Tun Sie das bei erster Gelegenheit und lassen Sie dabei die Arbeit außen vor – sonst bekommt die schöne Geste einen faden Beigeschmack“, rät Personalexpertin Yilmaz. Also nicht willkommen heißen unter dem Motto: „Ein Glück, dass Sie zurück sind, Herr Müller, es ist so viel liegengeblieben. Auf Sie wartet ein Berg Arbeit.“ Das dürfte den Urlaubs-Blues nur verstärken. Stattdessen sollten Unternehmer sich kurz nach dem Urlaub erkundigen – denn häufig kehren Reisende mit vielen Geschichten im Gepäck zurück und brennen darauf, sie zu erzählen. Interessiert sich niemand dafür, frustriert das.

4. Nicht gleich überfordern

Ein volles E-Mail-Postfach, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und neue Entwicklungen in der Firma, die der Mitarbeiter verpasst hat – am ersten Tag nach dem Urlaub müssen Angestellte oft erstmal einige Stunden Liegengebliebenes beiseiteschaffen, bevor sie Luft für neue Aufgaben haben.

Chefs sollten also nicht mit der Tür ins Haus fallen und dem Angestellten an Tag eins Aufgaben mit dringenden Deadlines zuschieben. Denn wer ohnehin das Post-Holiday-Syndrom hat und über einen Jobwechsel nachdenkt, dürfte seine Pläne nach so einem Start noch konkreter machen.

Besser: dem Mitarbeiter etwas Zeit geben anzukommen. „Das wirkt garantiert motivierender, als den Mitarbeiter schon am ersten Tag mit zusätzlichen Projekten zu erschlagen“, sagt Yilmaz. Außerdem sollten Chefs ihn bei Gelegenheit auf den neusten Stand bringen oder diese Aufgabe an Kollegen delegieren.

Die gute Nachricht zum Schluss

Die Studie hält für Chefs auch erfreuliche Nachrichten bereit: 33 Prozent der Befragten starten nach einem Urlaub erholt und motiviert in den Job. So schlimm kann die Arbeit also doch nicht sein.

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