Pygmalion-Effekt Passen Sie auf, was Sie denken!

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Kluge Chefs verbannen negative Gedanken aus ihrem Gehirn - und nutzen stattdessen den Pygmalion-Effekt.

Kluge Chefs verbannen negative Gedanken aus ihrem Gehirn - und nutzen stattdessen den Pygmalion-Effekt. © Jolygon / iStock / Getty Images Plus

Es hört sich an wie Hokuspokus: Wie Sie über Ihre Mitarbeiter denken, beeinflusst deren Leistungen. Doch das Phänomen ist wissenschaftlich belegt - und Sie können den Pygmalion-Effekt für sich nutzen. Und zwar so.

Ganz schnell geht es manchmal. In Nullkommanix drücken wir anderen einen Stempel auf: Der Lieferant hat zweimal eine Deadline gerissen – er ist unzuverlässig. Die Assistentin hat zwei Termine durcheinander geschmissen – sie ist chaotisch. Das ist menschlich, aber gefährlich.

Wenn wir negativ denken, hat das Auswirkungen. Wir verhalten uns anders – wenn vielleicht auch nur unterbewusst. Unser Gegenüber spürt diese Ablehnung und reagiert entsprechend. Die Assistentin wird vielleicht tatsächlich chaotischer, der Lieferant unzuverlässiger. Das ist der Golem-Effekt. Das gleiche Prinzip gilt auch für positive Gedanken. Wissenschaftler sprechen dann allerdings vom Pygmalion-Effekt.

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Was ist der Pygmalion-Effekt?

Wie mächtig der Pygmalion-Effekt ist, haben unter anderem der amerikanische Psychologe Robert Rosenthal und die Schuldirektorin Lenore Jacobson erforscht. In den 1960ern fanden sie bei einem Versuch heraus, dass eine zufällig ausgewählte Gruppe Grundschüler bessere Leistungen erbrachte, nachdem ihren Lehrern weisgemacht wurde, diese Kinder seien besonders intelligent. Es zeigte sich in späteren Versuchen zudem, dass die Lehrer unbewusst ihr Verhalten änderten. Sie lächelten die vermeintlich intelligenteren Schüler häufiger an und beachteten deren Beiträge besonders. Das spornte die Kinder weiter an.

Benannt wurde das Phänomen übrigens nach einer griechischen Sage: Pygmalion erschafft darin eine Frauen-Statue, die so schön ist, dass er sich in sie verliebt. Er fleht die Göttin Aphrodite an, die Statue lebendig werden zu lassen – und Aphrodite erfüllt ihm diesen Wunsch.

Wie Sie den Pygmalion-Effekt für sich nutzen

Was aber hat der Pygmalion-Effekt mit Ihrem Firmenalltag zu tun? Was Sie denken und glauben, beeinflusst nicht nur Ihre eigene Leistung, sondern auch die Ihrer Mitarbeiter. Nutzen Sie darum den Pygmalion-Effekt für sich, indem Sie an Ihre Mitarbeiter glauben. Probieren Sie Folgendes aus:

Glauben Sie an Ihr Team

Es geht nicht darum, in einen Tschakka-wir-sind-die-Besten-Modus zu verfallen. Vielmehr geht es um Vertrauen in die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter.

Gewähren Sie einen Vertrauensvorschuss

Bewerten Sie Ihr Vertrauen in die Fähigkeiten einzelner Mitarbeiter auf einer Skala von 1 bis 10. Behandeln Sie sie so, als hätten Sie 3 Punkte mehr notiert. Das mag wie ein Taschenspielertrick wirken, aber: Es hilft. Spitzensportler machen das ähnlich. Sie trainieren, positiv zu denken. So sagt sich ein Tennisspieler nicht: „Der Ball darf jetzt nicht ins Aus gehen!“, sondern: „Ich schlage den Ball genau in die Ecke des Feldes.“ Ähnlich kann das bei Ihnen und Ihren Mitarbeitern funktionieren.

Ihr gedanklicher Vertrauensvorschuss könnte zum Beispiel so aussehen: „Er wird die Powerpoint-Präsentation mit Sicherheit gut vorbereiten.“ Statt: „Hoffentlich sieht die Präsentation nicht wieder aus wie Kraut und Rüben.“

Konzentrieren Sie sich auf Stärken

Viel zu oft rücken Chefs die Schwächen Ihrer Mitarbeiter in den Fokus und versuchen, Defizite durch Schulungen, Coaching und Feedback auszubessern. „Eine Schwäche abzulegen, kostet jedoch ungleich viel mehr Kraft, als eine Stärke zu stärken“, schreibt Management-Vordenker Fredmund Malik in seinem Buch „Führen, Leisten, Leben“. Ein Beispiel aus dem Sport verdeutlicht diesen Gedanken: Ein Innenverteidiger würde mit viel Training bestenfalls ein mittelmäßiger Stürmer werden; konzentriert er sich dagegen auf seine Stärken, könnte er es an die Weltspitze schaffen.

Vielleicht haben Sie in Ihrem Team einen Mitarbeiter, der keinen Erfolg bei der Akquise von Kunden hat. Ist dieser Mitarbeiter schüchtern oder verkauft grundsätzlich sehr ungern, wird kein Seminar der Welt einen Spitzenvertriebler aus ihm machen. Vielleicht hat er aber andere Stärken, die er auf einer neuen Position gut einbringen könnte!

Notieren Sie sich darum am besten schriftlich, was jeder Kollege und jede Kollegin gut kann. In welchen Bereichen erbringt der Mitarbeiter mühelos Top-Leistungen? Mit welcher Leistung hat er Sie zuletzt überrascht?

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