Reaktion auf Fehler von Mitarbeitern 7 Todsünden, wenn Mitarbeiter Fehler machen

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Erst einmal einen nach dem anderen zerquetschen: Wenn bei Mitarbeitern was schiefläuft, kommt bei Chefs im ersten Moment oft Wut auf. Doch im Umgang mit Fehlern von Mitarbeitern sind spontane, kopflose Reaktionen fatal.

Erst einmal einen nach dem anderen zerquetschen: Wenn bei Mitarbeitern was schiefläuft, kommt bei Chefs im ersten Moment oft Wut auf. Doch im Umgang mit Fehlern von Mitarbeitern sind spontane, kopflose Reaktionen fatal. © complize / photocase.com

Verdammt! Einem Mitarbeiter ist ein blöder Fehler passiert. Man könnte ausrasten – sollte es aber nicht. Das sind die dämlichsten Reaktionen auf Patzer (und ein paar Ideen, wie man’s besser macht).

Es gibt unzählige Sprüche, wie großartig Fehler seien.

Etwa: „Unsere Fehlschläge sind oft erfolgreicher als unsere Erfolge.“ (Henry Ford)

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Oder: „Eine Krise kann ein produktiver Zustand sein. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)

Aber seien wir ehrlich: Wenn gerade ein Fehler passiert ist, dann ist es schwierig, darin eine fantastische Chance zu sehen, weil man ja aus diesem Fehler lernen könnte. Man denkt eher: „Verdammte Axt! Wie konnte das nur passieren?“

Und daher neigen wir Menschen dazu, einen Fehler – etwa eines Mitarbeiter – gleich mit einem zweiten Fehler zu garnieren: nämlich mit einer dämlichen Reaktion.

Die Top 7 der dümmsten Chef-Reaktionen auf Fehler von Mitarbeitern.

1. Immer sofort den Schuldigen suchen

„Wer hat denn den Mist verzapft?“

Wer zielsicher dafür sorgen möchte, dass Mitarbeiter in Zukunft Fehler vertuschen anstatt ihre Ursache zu beseitigen, der sollte nach jedem Patzer umgehend nach dem Schuldigen fahnden.

So wär’s besser:
Wer mit seinen Mitarbeitern Fehler analysieren will, muss sich auf die Sache fokussieren, nicht auf die Personen. „Fragen Sie nicht: ‚Wer war das?‘, sondern: ‚Wie ist das passiert?‘“, rät Elke Schüttelkopf, Management-Trainerin und Expertin für Fehlerkultur.

2. Sofort reagieren

Ein guter, erfahrener Chef, weiß sofort, was zu tun ist: Deshalb sollte man sich den Mitarbeiter, bei dem was schiefgelaufen ist, auch gleich zu Brust nehmen – oder nicht?

So wär’s besser:
Klingt banal, hilft aber: Bevor man Fehler anspricht, erst einmal durchatmen. So wählt man seine Worte eher mit Bedacht: „Da ist ein Fehler passiert!“ statt „Hast Du Tomaten auf den Augen?“

3. Den Überbringer der schlechten Nachricht anmotzen

Ein Fehler ist passiert, man ist verärgert. Und greift sich direkt den, der gleich vor einem steht: Den Überbringer der schlechten Nachricht.

So wär’s besser:
Don’t blame the messenger! Anstatt seine Wut am Überbringer der schlechten Nachricht auszulassen, sollte man die richtige Stelle aufsuchen, an der es gehakt hat. Denn: Wer den Boten beschimpft, der erreicht nur eines: Er wird in Zukunft nicht mehr über Probleme informiert. Managementberaterin Schüttelkopf hat in vielen Unternehmen beobachtet, dass Mitarbeiter Scheu haben, den wahren Stand der Dinge an ihre Führungskräfte weiterzugeben: Der Projektmitarbeiter sagt noch ehrlich: „Das schaffen wir nicht.“ Sein Chef meldet nach oben: „Es gibt ein paar Schwierigkeiten.“ Und bei der Geschäftsführung kommt schließlich an: „Alles läuft prima.“

4. Kleine Fehler für unwichtig halten

Eine Ungenauigkeit in der Buchhaltung oder ein Mini-Abweichung in der Produktion – wer wird denn aus einer Mücke einen Elefanten machen. Kleine Fehler passieren – Schwamm drüber.

So wär’s besser:
Es stimmt: Nicht jeder Tippfehler ist eine Katastrophe. Nicht immer lohnt sich eine Ursachenanalyse. Und doch: Kleinen Fehlern grundsätzlich keine Bedeutung beizumessen, wäre falsch. Denn die Fehlerforschung zeigt, dass die Kosten, die ein kleiner Fehler verursacht, mit der Zeit exponentiell steigen können. Bei der Raumfähre Columbia etwa hat ein abgefallenes Stück Isolierschaum zur Katastrophe geführt.

5. Einen Sündenbock suchen

In Brasilien wurde nach der verpatzten WM der Trainer gefeuert, bei der gesunkenen „Costa Concordia“ der Kapitän verhaftet. Wer den Schuldigen identifiziert und entfernt, der hat doch den Fehler beseitigt, oder?

So wär’s besser:
Manchmal ist tatsächlich das fehlende Vermögen oder der fehlende Charakter eines einzelnen verantwortlich für einen Fehler. Doch die Betonung liegt hier auf „manchmal“. Viel öfter liegt der Fehler im System. „Wer nur nach vermeintlich Schuldigen sucht, vergisst, nach den wahren Ursachen des Fehlers zu fahnden“, sagt Elke Schüttelkopf. Nur wer genau nachverfolgt, welche Ursachen zu einem Fehler geführt haben, kann diesen nachhaltig vermeiden.

6. Vorwürfe machen

„Nie ist auf Dich Verlass!“ „Warum hast Du das nicht gesehen!“ „Wie kann man nur so doof sein.“ Manchmal muss die Luft eben erst einmal raus. Ist doch nur menschlich, oder?

So wär’s besser:
Was schon im Privatleben nicht funktioniert, klappt auch in der Firma nicht. Statt Vorwürfe zu machen, sollte man gemeinsam auf Ursachensuche gehen. „Denn wer Vorwürfe macht, schießt sich strategisch ins eigene Knie“, so Schüttelkopf. „Man erzielt damit keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung. Der andere stellt auf stur, schlägt zurück.“

7. Den Fehler für Pech halten

Man kann es mit der Fehlersuche auch übertreiben, oder? Manchmal gewinnt man, manchmal verliert man. „Wir hatten halt Pech!“

Passiert ein Fehler, ist es bequem, nach äußeren Gründen zu suchen: Mal lag es am Wetter, mal hat man den falschen Leuten vertraut. Doch diese Killerphrasen vertuschen die wahren Gründe. „Fehler werden nicht vom Schicksal gesteuert“, sagt Elke Schüttelkopf. „Im Gegenteil: Menschen besitzen die Fähigkeit, Fehler zu verhindern oder einzudämmen.“

So wär’s besser:
Überlegen Sie: Wie hätte man die Sache trotz der widrigen Umstände zum Erfolg führen können? Und: Sind die Umstände wirklich so unbeeinflussbar, wie sie scheinen?


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1 Kommentar
  • BuGaSi 1. Juni 2017 11:36

    Sehr richtige Ansätze! Aus Fehlern kann man nur lernen, wenn man auch offen dafür ist. Das muss man seinen Mitarbeitern suggerieren.

    Schuldzuweisungen machen Fehler sowieso nicht ungeschehen. Jorgen Vig Knudstorp, der ehemalige Geschäftsführer von Lego, sagte mal: „Blame is not for failure, it is for failing to help or ask for help.“

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