Schlechte Stimmung im Team Was tun, wenn Mitarbeiter jammern?

Wenn Mitarbeiter ständig schon morgens jammernd am Arbeitsplatz sitzen, grimmig dreinschauen und schlechte Laune verbreiten, schadet das dem Unternehmen.

Wenn Mitarbeiter ständig schon morgens jammernd am Arbeitsplatz sitzen, grimmig dreinschauen und schlechte Laune verbreiten, schadet das dem Unternehmen.© Knallgrün / Photocase.com

Manche Mitarbeiter jammern ständig und gehen damit dem ganzen Team auf die Nerven. Wie Chefs in solchen Situationen reagieren können.

Vielleicht kennen Sie die Situation: Ein Mitarbeiter jammert ständig vor sich hin: Dieser Stress! Dieser schreckliche Kunde! Dieser Horror-Termin! Manchen zieht es ständig im Nacken, andere haben regelmäßig Rückenschmerzen oder sind furchtbar müde. Und erklären Ihnen am laufenden Band, warum sie eine Aufgabe gerade auf gar keinen Fall übernehmen können.

Gründe zum Jammern gibt es immer wieder, manche sind berechtigt, andere nicht. Fest steht: Wenn Mitarbeiter ständig jammern, sollten Chefs handeln.

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Wer jammert, kriegt weniger Arbeit

Bei manchen Menschen ist ein Glas immer eher halb leer als halb voll. Jammernde Mitarbeiter gehören eher zur Halb-leer-Fraktion. „Das kommt oft daher, dass sie sich stärker auf negative Ereignisse fixieren“, sagt Diplom-Psychologe und Coach Peter Krumbach-Mollenhauer. „Wenn etwas schief läuft, sehen sie die Schuld schnell bei anderen und nicht bei sich selbst.“

Andere nutzen das Jammern als Schutzfunktion. „Es gibt Leute, die haben gemerkt: Wer jammert, wird in Ruhe gelassen“, sagt Krumbach-Mollenhauer. „Und das funktioniert in vielen Fällen tatsächlich.“ Denn auch Chefs gehen gerne den Weg des geringsten Widerstands: Weil sie sich so eine ständige Nörgelei nicht anhören wollen, geben sie eine Aufgabe lieber einem anderen Mitarbeiter, der sich ohne zu meckern darum kümmert.

Chefs sollten das „Ich-Ärmster-Spiel“ aber unbedingt unterbrechen, rät Krumbach-Mollenhauer. Der Mitarbeiter muss merken: Egal ob ich jammere oder nicht, ich werde genauso beschäftigt wie andere. „Das muss auch aus Gerechtigkeitsgründen sein, weil der Rest des Teams sonst irgendwann sagt: Kuck mal, nur weil der immer jammert, kriegt der weniger zu tun.“

Jammern kann auch eine Methode sein, um Aufmerksamkeit auf sich lenken. „Manche jammern auch einfach deshalb, weil sie sonst keine Zuneigung bekommen“, sagt Krumbach-Mollenhauer.

Wie ständiges Jammern dem Team schadet

Es gibt Menschen, die haben noch nicht mal den Rechner angemacht und fangen schon an, sich zu beklagen und zu jammern. Das hat Auswirkungen auf die Kollegen. „Wenn das Jammern eine Masche ist und keinen wirklich guten Grund hat, haben die Kollegen vielleicht zwei oder drei Tage Mitgefühl mit demjenigen“, sagt Krumbach-Mollenhauer. „Aber dann geht es ihnen auf den Keks, wenn morgens schon jemand Stinkstiefeliges im Büro sitzt.“ Die schlechte Laune überträgt sich dann oft auf das ganze Team, raubt allen Energie und ihre Leistungsfähigkeit sinkt.

Wie sollten Chefs auf das Jammern reagieren?

Chefs sollten zunächst einmal in einem Vier-Augen-Gespräch herausfinden, was die Gründe für das Jammern sind. Zum Beispiel mit diesen Fragen: „Ich merke, es stimmt irgendetwas nicht. Belastet dich gerade etwas?“  

Jammert der Mitarbeiter ständig wegen Rücken- oder Kopfschmerzen, können Führungskräfte diese Frage ergänzen: „Muss ich mir ernsthaft Sorgen machen? Musst du zum Arzt? Hast du das abklären lassen?“ Diejenigen, die wirklich nichts haben, würden dann häufig schon beschwichtigend antworten: „Nein, so schlimm ist es nicht, das wird schon wieder“, weiß Krumbach aus Erfahrung. Dann kann man als Chef zum Beispiel sagen: „Prima. Wenn es schlimmer wird, sagst du Bescheid und gehst zum Arzt.“

Wichtig dabei: Nehmen Sie den Mitarbeiter in jedem Fall ernst und stellen Sie den Grund für das Jammern nicht als unwichtig dar. Sagen Sie also zum Beispiel nicht: „Das ist doch alles nicht so schlimm.“ Das wird Ihren Mitarbeiter verärgern.

Was tun, wenn der Mitarbeiter wegen privater Probleme jammert?

Chefs sind grundsätzlich nur für berufliche Angelegenheiten zuständig. „Wenn es um private Dinge geht, bin ich als Chef raus“, sagt Krumbach-Mollenhauer. Hat sich ein Mitarbeiter aber zum Beispiel von seinem Partner getrennt und seine Arbeit leidet wochenlang darunter, sollte man dennoch nach einer Weile auf ihn zugehen und sagen: „Ich weiß, dir macht das zu schaffen und du bist traurig. Aber lass uns mal weitermachen.“

Und wenn der Mitarbeiter jammert, weil er unliebsame Aufgaben übernehmen musste?

Dann muss ich ihn auf jeden Fall darauf ansprechen, zum Beispiel so: „Du, ich merke, seit du diese Aufgabe übernommen hast, bist du in meiner Wahrnehmung schlechter drauf. Ist das so?“ Ist der Mitarbeiter tatsächlich unzufrieden mit seiner neuen Aufgabe, sollten Sie ihm erklären, warum die Aufgabe an ihn übergeben wurde. „Manche denken sonst vielleicht, sie hätten eine Strafarbeit bekommen“, sagt Krumbach-Mollenhauer. Anschließend sollten Sie ihm signalisieren, dass Sie mit ihm eine Lösung finden wollen, und zu ihm sagen: „Was können wir tun? Ich bin gerne bereit, dich zu unterstützen. Was ich aber nicht möchte, ist, dass der Zustand so bleibt. Das kann kein Dauerzustand sein.“

Wer möchte, kann noch mit einer anderen Aufgabe winken und eine Art Deal anbieten. Nach dem Motto: Wenn du diese unangenehme Arbeit gut gemacht hast, schauen wir, welche schönen Aufgaben du danach übernehmen kannst.

Wie schnell sollten Chefs reagieren, wenn ein Mitarbeiter ständig jammert?

Chefs sollten früh reagieren und ein Gespräch mit dem Mitarbeiter suchen. Gut ist auch zu fragen, wie lange die „Jammer-Phase“ noch dauern wird. „Damit mache ich aus dem Status einen Prozess und sage: Das muss auch irgendwann beendet sein“, sagt Krumbach-Mollenhauer.

Und wenn alles nichts hilft?

Wenn das Jammern trotz allem nicht aufhört, sollten sich Chefs gegebenenfalls Gedanken darüber machen, ob eine weitere Zusammenarbeit überhaupt noch sinnvoll ist. Unternehmerin Annette Timm war irgendwann an diesem Punkt angelangt. Eine langjährige Mitarbeiterin hatte sich über Monate hinweg immer wieder beklagt: War es nicht das Sonnenlicht, das sie blendete, dann war es das Klingeln des Telefons, die Gespräche der Kollegen, die Raumtemperatur (einmal zu warm, dann wieder zu kalt), Zugluft an den Beinen … . Nach vielen langen Gesprächen mit ihr fiel dann eine Entscheidung. Welche das war, lesen Sie in diesem Artikel: Muss ein guter Chef alle Probleme seiner Mitarbeiter lösen?

Was tun, wenn viele Kollegen jammern?

Wenn mehrere Mitarbeiter sich unabhängig voneinander ständig über bestimmte Dinge beklagen, sollten Sie ebenfalls die Ohren spitzen. Vielleicht gibt es etwas, das nicht richtig funktioniert, zum Beispiel die Gesprächsqualität bei Telefonkonferenzen? Schreiben Sie sich solche Beschwerden am besten sofort auf und sorgen Sie dafür, dass sich jemand darum kümmert.

Wenn Sie mögen, können Sie auch ein kleines Tagebuch führen, in dem Sie notieren, worüber sich Mitarbeiter beklagen. So gerät nichts in Vergessenheit und Sie können später noch einmal überprüfen, ob die Probleme tatsächlich gelöst wurden. Und Sie werden sehen: Das Jammern wird weniger.


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