Teamphasen nach Tuckman So führen Sie ein neues Team klug zum Erfolg

Bis eine Gruppe so stabil ist, dauert es. Laut Tuckman muss sie erst durch mindestens vier Teamphasen.

Bis eine Gruppe so stabil ist, dauert es. Laut Tuckman muss sie erst durch mindestens vier Teamphasen. © Dimitri Otis / DigitalVision / gettyimages

Zoff, überkochende Emotionen, Machtgerangel: All das gehört dazu, wenn Mitarbeiter ein Team bilden sollen. Die Gruppe macht fünf Teamphasen durch. Was Führungskräfte zu jeder wissen sollten.

Haben Sie schon mal „Ich bin ein Star – holt mich hieraus“ gesehen? Im Dschungelcamp lässt sich genau beobachten, was passiert, wenn unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen und ein Team bilden sollen. Das Ganze folgt einer Choreografie: Erst sind alle furchtbar freundlich zueinander. Alle beschnuppern sich neugierig – und dann kommt der erste Streit. Es geht darum, Reviere abzustecken, Machtverhältnisse und Bündnisse zu klären. Wer kann mit wem besonders gut? Wer eignet sich für welche Aufgabe überhaupt nicht?

Das Faszinierende daran: Diese Dschungelcamp-Choreographie lässt sich auf jedes Team übertragen, das sich gerade neu findet. Es durchlebt die gleichen Phasen. Der mittlerweile verstorbene US-Psychologe Bruce Tuckman hat sich bereits in den 1960er Jahren mit diesem Phänomen beschäftigt und es in ein Phasenmodell mit fünf Teamphasen übersetzt. Führungskräfte sollten diese fünf Phasen kennen. Denn jede verlangt nach speziellen Führungsaufgaben.

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Phase 1: Forming – die Aufwärm- und Orientierungsphase

Die erste Phase nennt Tuckman Forming. Es ist eine Zeit, in der sich alle gegenseitig abtasten. Alle sind offen und neugierig, mit was für einer Art Leuten sie es zu tun haben. Es ist die Phase, in der die Mitglieder des Teams unbewusst für sich klären:

  • Welche Rolle nehme ich im Team ein?
  • Kann und will ich meine gewohnte Rolle (Chef, Clown, Motivator, Unterstützer) in dieser Gruppe einnehmen?
  • Wer mag mich, wer lehnt mich ab?
  • Wer passt zu mir?

Führungsaufgabe in dieser Teamphase:

Wenn das Team sich formiert, hat es einiges zu tun: Es muss sich Ziele setzen und wissen, warum es sich genau diese setzt. Es muss Regeln festlegen. Und es muss klären, wer welche Aufgaben übernimmt. Diesem Prozess sollten Sie als Führungskraft eine Struktur geben. Sie können eigene Vorschläge machen oder nur den Rahmen setzen, beispielsweise: „Ich möchte mit euch als Erstes gemeinsame Regeln für unsere Zusammenarbeit festlegen.“ Die Gruppe ist zu diesem Zeitpunkt noch stark auf den Teamleiter fixiert. Achten Sie darauf, dass alle die Ziele und Aufgaben wirklich verstehen.

Phase 2: Storming – die Konfliktphase

In dieser Phase geht es heiß her. Mit der Zurückhaltung und Freundlichkeit ist es vorbei. Die Mitglieder streiten, konkurrieren um Macht, versuchen sich gegen andere durchzusetzen. Eventuell bilden sich Fraktionen. Negative Gefühle machen sich breit: Frust, Ärger, Angst und Wut.

Unbewusst ringen alle mit folgenden Fragen:

  • Wer ist der oder die Ranghöchste?
  • Wer hat Macht?
  • Wen kann ich beeinflussen?
  • Wer macht mir meinen Platz/meine Rolle streitig?

Führungsaufgabe in dieser Teamphase:

Sie sollten sich bewusst machen, dass die Mitglieder alles in dieser Phase in Frage stellen können, sogar die Leitung des Teams. Das Storming ist darum die wichtigste Phase der Teamentwicklung. Sie entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Teams, die in dieser Phase nicht einen Grundkonsens finden, werden scheitern.

Sie sollten sich auf keinen Fall auf eine Seite schlagen. Erinnern Sie stattdessen an die Spielregeln, wenn Mitglieder angegriffen werden. Sprechen Sie Regelübertritte deutlich an: „Wir haben vereinbart, dass wir einander ausreden lassen. Ich möchte dich daran erinnern, Giselas Argumente zu Ende anzuhören.“

Wenn es in Ihrem Team immer wieder zu Konflikten kommt, muss das übrigens nicht unbedingt bedeuten, dass Ihre Mitarbeiter sich gerade in der Storming-Phase befinden. Vielleicht arbeiten bei Ihnen auch einfach zu viele Alphatiere – oder zu wenige. Welche Rollen in einem perfekt funktionierenden Team nicht fehlen dürfen, hat Meredith Belbin erforscht. Hier erfahren Sie mehr über die Teamrollen nach Belbin.

Phase 3: Norming – die Organisierungsphase

Die Teammitglieder haben ihre Rollen gefunden. Sie kommunizieren offen und arbeiten lösungsorientiert. Ein Wir-Gefühl entwickelt sich. Im besten Fall haben alle Teammitglieder erkannt, dass die unterschiedlichen Stärken und Talente nützlich sein können, um das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Führungsaufgabe in dieser Teamphase:

Sie können nun mehr Verantwortung an die Gruppe abgeben. In dieser Phase kann das Team Konflikte auf der Sachebene souverän selbst lösen. Die Mitglieder erinnern sich untereinander an die Spielregeln und halten diese ein.

Phase 4: Performing – die Leistungsphase

Das Team hat sich eingespielt und erbringt Höchstleistungen. Es arbeitet gemeinsam an dem gesteckten Ziel. Strukturen, Normen und Werte hat es akzeptiert. Seine Mitglieder sprechen Konflikte offen an, diskutieren und lösen sie zum Beispiel bei regelmäßigen Teammeetings.

Führungsaufgaben in dieser Teamphase:

  • Sparringspartner sein: Das Team agiert selbstständig. Ihre Rolle als Führungskraft ist jetzt die eines Sparringpartners. Sie bieten Informationen und Hilfe an, wenn jemand sie braucht.
  • Die Gruppe stabilisieren: Wenn Mitglieder das Team verlassen, kann die Gruppe zurückfallen in die Storming- und Norming-Phase. Das ist ganz normal. Sie sollten dann positive Kräfte stärken. Achten Sie darauf, dass neue Leute gut abgeholt werden und die Gruppenregeln kennen.
  • Auf Leistung achten: In dieser Phase des netten Miteinanders machen es sich die Teammitglieder oft etwas zu gemütlich. Achten Sie darauf, dass ihre Leistung nicht nachlässt, zum Beispiel durch ein gemeinsames Qualitätsmanagement.

Phase 5: Adjourning – die Abschiedsphase

Diese Phase ist nicht für alle Teams relevant. Sie betrifft Gruppen, die längerfristig zusammenarbeiten und nach Abschluss ihres Auftrages getrennte Wege gehen. Zum Beispiel Mitglieder eines Projektteams: Ist das Projekt abgeschlossen, gehen sie ihrem üblichen Tagesgeschäft nach oder beginnen ein neues.

Die Mitglieder gehen unterschiedlich mit dem Abschied um. Einige trauern, andere freuen sich auf neue Aufgaben. Als Führungskraft sollten Sie diese Gefühle ernst nehmen. Hören Sie zu, machen Sie Mut.

Führungsaufgaben in dieser Teamphase:

  • Motivation und Stolz: Feiern Sie das erreichte Ziel. Nehmen Sie sich Zeit, um zu reflektieren, was jeder einzelne beigetragen hat. Wo hat das Team Hürden überwunden, welche Werte waren dabei wichtig?
  • Auswertung: Halten Sie fest, welche Lösungswege erfolgreich waren. Dokumentieren Sie erlerntes Wissen und werten sie aus, aus welchen Fehlern das Team gelernt hat. Stellen Sie diese Informationen auch Mitarbeitern aus anderen Teams und Abteilungen zur Verfügung.

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2 Kommentare
  • Patrick 3. April 2019 21:36

    Toller Beitrag!
    Passend zu diesem Thema kann ich nur jedem das Buch von Alex Fischner empfehlen!
    Gibt es zur Zeit sogar kostenlos. war am Anfang etwas skeptisch, aber es hat sich gelohnt! [Link entfernt, bitte beachten Sie unsere Netikette. Die Redaktion]

  • Ingo Ullrich 3. April 2019 19:49

    Das erinnert mich an diesen Motivationstrainer der Unternehmern für sein komisches Gehopse pr0 Seminar 3-4000 € aus der Tasche gedreht hat.
    Gehirnwäsche pur…

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