Management „Recycling-König“ will Mittelstand aufwerten

Er macht Millionen mit Müll. Ohne ihn gäbe es keinen Profi-Basketball in Berlin. Als jüngster DIHK-Chef will Eric Schweitzer nun die Interessen des Mittelstands bei der Kanzlerin durchsetzen.

Was reizt einen Multimillionär an einem Ehrenamt? „Da ham se von jedem Senator die Handynummer“, raunte der heutige Hertha BSC-Präsident Werner Gegenbauer seinem Unternehmerkumpel Eric Schweitzer zu, den er 2004 als seinen Nachfolger an die Spitze der Berliner Handelskammer lockte. Jetzt spielt der 47-Jährige in einer neuen Liga. Am Mittwoch kürte ihn der DIHK, einer der wichtigsten Wirtschaftsverbände der Republik, zum jüngsten Präsidenten in 152 Jahren.

Auf seinem Smartphone kommt sicher bald eine der berühmten SMS mit dem Kürzel „AM“ an. Angela Merkel kennt er seit ihrer Zeit als Umweltministerin, erzählt Schweitzer. „Ich habe großen Respekt vor ihrer Arbeit.“ In seiner Jugend war er in der Schülerunion, trat in die CDU ein und wieder aus. Im vergangenen Sommer kehrte Schweizer dann der FDP den Rücken. Kurz vor Weihnachten machte das Schlagzeilen. Der Manager sei sauer gewesen, weil ihm Parteichef und Wirtschaftsminister Philipp Rösler keinen Termin gegeben habe, wurde kolportiert. Schweizer rollt mit den Augen: „Das ist Quatsch. Es war eine rein persönliche Entscheidung. Ich fühl mich ganz komfortabel, kein Parteimitglied zu sein.“

Anzeige

Unabhängigkeit ist ihm wichtig. Das fällt einem, dem ein Konzern mit 3,2 Milliarden Euro Jahresumsatz mitgehört, natürlich leichter. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Axel leitet Schweitzer seit dem Tod des Vaters vor 15 Jahren in der Hauptstadt das Recycling- und Rohstoffunternehmen Alba mit knapp 9000 Mitarbeitern. Zum Gewinn des Familienbetriebs sagen die Brüder nichts. Es reicht aber, um seit über 20 Jahren die Bundesliga-Basketballer von Alba Berlin zu finanzieren. Das sei kein Mäzenatentum, sagt Schweitzer, der bei den Heimspielen mit 10 000 Fans auf den Rängen sitzt. Jährlich fließe ein siebenstelliger Betrag in die Jugendarbeit. Die Berliner danken es ihm mit einem Alba-Bekanntheitsgrad von 98 Prozent.

Die vier weißen Buchstaben, die auf den dunkelblauen Müllautos durch die Stadt fahren, waren eine clevere Idee aus der Anfangszeit der Firma in den 1968ern. „Meine Eltern wollten im Branchenbuch auf der ersten Seite stehen.“ Inzwischen ist Alba beim Recycling von Abfällen für die Industrie richtig groß. Der Entsorger ist in Deutschland hinter Remondis die Nummer 2, in Europa die Nummer 5. Der heimische Markt ist lukrativ und kompliziert, weil kommunale und private Müllverwerter konkurrieren.

Für einen DIHK-Präsidenten, der sich früher gerne mit der städtischen Müllabfuhr BSR anlegte, lauern hier potenzielle Interessenkonflikte. Schweitzer sieht das gelassen. Bei dem Thema werde er eine „chinese wall“ hochziehen, wie bei Banken die Trennung der Analysten von den Händlern genannt wird.

Auch beim Stichwort Mindestlohn lässt er sich nicht locken. In einer ARD-Dokumentation gab es Kritik an Alba-Löhnen. Schweitzer weist das zurück und kontert, von 9000 Beschäftigten bekämen nur 700 Mindestlohn. Der Rest verdiene über Tarif, Betriebsräte verträten 70 Prozent der Belegschaft. In Einzelbranchen seien Lohnuntergrenzen sicher okay, ein bundesweit einheitlicher Mindestlohn aber vernichte Jobs.

Für seine eigene, ehrenamtliche Arbeit beim DIHK will Schweitzer etwa 1,5 Tage pro Woche investieren. Das Politische, das große Ganze reizt ihn. „DIHK mit 3,6 Millionen Unternehmen, das ist schon ein Hebel.“ Abgehoben ist er nie, sagen Freunde. In den Ferien sortierte er Müll, machte den Doktor mit 24 („Ordnungspolitische Probleme der Abfallwirtschaft“), bekam zwei Kinder, übernahm die Firma. Für den ehrwürdigen DIHK könnte der dynamische Mann mit dem blonden Wuschelkopf und den blauen Augen eine gute Wahl sein. Denn er kennt beides – den rauen Arbeiter-Alltag und die gepflegte Managerwelt.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...