Management Reden wir über Geld!

Hauptsache, Kickertisch? Denkste! Geht es ums Gehalt, sind auch Mitarbeiter junger Firmen kleine Bausparer. Lohnpolitik in Startups: drei Mythen - und die Wahrheit.

Wer kriegt was – und wenn ja, wie viel? Mitarbeiterbeteiligung? Gruppenbonus? Provision? Während in Konzernen ganze Abteilungen an den neuesten Anreizsystemen tüfteln, machen sich Gründer über das Tabuthema Bezahlung kaum Gedanken. Geld sei ja schließlich nicht alles, heißt es. Unternehmensberater hingegen preisen ihre komplizierten Vergütungsmodelle als unentbehrlich.

Welche Rolle die Sache mit dem Geld bei jungen Firmen wirklich spielt, hat deshalb der Verhaltensökonom Andreas Hack erstmals empirisch erforscht: Was sich die Mitarbeiter in puncto Geld wünschen, wurde bei 215 Angestellten aus frisch gegründeten und aus bereits etablierten Betrieben erfragt. Wie das Thema Entlohnung vonseiten der Chefs gehandhabt wird – und wie es sich auf den Erfolg der Startups auswirkt -, zeigt eine zweite Umfrage unter 259 Unternehmensgründern. Die Ergebnisse? Räumen mit alten Vorurteilen auf.

Anzeige

„Ist doch nicht so wichtig, wie viel bezahlt wird. Hauptsache, die Kollegen sind nett und die Arbeit macht Spaß.“ Falsch!

Geld ist alles! Klingt gemein, stimmt aber: Die Höhe des Gehalts ist für Mitarbeiter der wichtigste Grund, um überhaupt in einem Gründungsunternehmen anzuheuern – und zwar mit sichtlichem Abstand zu den stets als so bedeutend gerühmten Spaßfaktoren wie Betriebsklima oder Arbeitsgestaltung.

„Man hört immer die Geschichten von der tollen Stimmung in Startups: Kickertisch, coole Städte, nachts auf Luftmatratzen schlafen“, sagt Hack. „Aber ohne ordentlichen Lohn funktioniert das nicht.“ Als einen möglichen Grund für den hohen Stellenwert des Gehalts vermutet der Wissenschaftler die große Flexibilität von Barem.

Wer mehr Lohn reinsteckt, bekommt mehr Engagement raus

„Mit Geld kann ich meine absoluten Grundbedürfnisse nach Essen und einem Dach über dem Kopf befriedigen. Aber es gibt mir auch die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung. Falls ich die bei der Arbeit nicht finde, fliege ich eben in den Himalaja zum Wandern.“ Auch wenn Chefs wollen, dass sich ihre Mitarbeiter für den Job mehr anstrengen, Überstunden machen oder neue Projekte starten, zeigt die Forschung: Wer mehr Lohn reinsteckt, bekommt mehr Engagement raus. Geld wirkt.

Sich die Leistung und Zufriedenheit der Mitarbeiter schlicht zu erkaufen, funktioniert langfristig allerdings auch nicht: „Der Motivationseffekt durch Geld nutzt sich mit der Zeit ab“, sagt Hack. Und: „Die Mitarbeiter gewöhnen sich an diese extremen Gehaltssteigerungen. Das kann sich ein kleines Startup auf Dauer gar nicht erlauben.“

Denn ist das Grundbedürfnis nach Geld auf einem angemessenen Niveau befriedigt, kommen die weichen Faktoren ins Spiel: das tolle Team, der verständnisvolle Chef, die spannende Arbeit. „Die darf man auf keinen Fall vernachlässigen“, sagt Hack. Nur: Ganz so wichtig wie immer gedacht sind sie eben nicht – knausrige Löhne gleicht auch der netteste Kollege nicht aus.

„Der Erfolg eines jungen Unternehmens ist größer, wenn die Mitarbeiter langfristig daran beteiligt werden.“ Falsch!

Was ich einmal habe, das kann mir keiner mehr nehmen. Bei diesem Motto sind sich die Beschäftigten von Startups und großen Unternehmen einig. Einen Teil des Lohns langfristig auszuzahlen, zum Beispiel in Form einer Mitarbeiterkapitalbeteiligung, bringt junge Firmen deshalb nicht voran. Wer weiß denn, ob das Unternehmen nicht schon morgen pleitegeht?

„Langfristige Bindung motiviert die Angestellten nicht“

Zwar sind Hacks Studie zufolge die Startup-Mitarbeiter grundsätzlich eher bereit zu pokern als die Durchschnittsangestellten, bezogen auf den Lohn allerdings sind auch hier Cash und Sicherheit gefragt: „Leistungszulagen sollen in einem Zeitraum von einem, maximal zwei Jahren ausgezahlt werden“, sagt Hack. „In Zeitkategorien von fünf, sieben oder mehr Jahren denkt heute kaum noch einer.“ Dabei sind Mitarbeiterbeteiligungen in der Theorie durchaus sinnvoll.

Gerade im frühen Stadium, wenn das Unternehmen noch nicht so viel wert ist, können die Mitarbeiter mit vergleichsweise geringer Investition an der späteren Wertsteigerung des Betriebs teilhaben. Trotzdem: „Langfristige Bindung motiviert die Angestellten nicht“, sagt Hack. Das schnelle Geld hingegen schon: Bei den befragten Startups förderte die kurzfristige Lohnauszahlung Unternehmenserfolg und Beschäftigungswachstum.

Intuitiv machen die von Hack befragten Gründungsunternehmen alles richtig: Kaum eines bot Modelle zur Mitarbeiterkapitalbeteiligung an. Das entspricht auch dem gesamtdeutschen Trend: Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung findet man nur bei rund zwei Prozent der deutschen Firmen Mitarbeiterkapitalbeteiligungen.

„Die hoch motivierten Startup-Mitarbeiter muss man mit Bezahlung nach Leistung locken.“ Falsch!

Angestellte in Gründungsunternehmen sind zwar leistungsbereit, aber entgegen den landläufigen Erwartungen auch nicht mehr als Beschäftigte in etablierten Großkonzernen. Und: Ein angemessenes festes Gehalt ist ihnen bei Weitem lieber als ein verzweigtes System aus Boni und Provisionen.

„Variable Löhne spornen die Leute längst nicht mehr so an wie noch in den 90er-Jahren“, sagt Hack. „Da dachten noch alle, sie werden ganz schnell ganz reich.“ Unternehmen wie Google hatten es schließlich vorgemacht: Wer gestern noch eine Website programmierte, konnte morgen schon Millionär sein, in den Boomjahren der Finanz- und Internetbranche schien alles möglich. „Heute sehen die Menschen, dass sich diese überzogenen Erwartungen nicht erfüllt haben. Eine gewisse Grundsicherung ist ihnen jetzt lieber.“

Für die ganz persönliche Leistung abkassieren

Noch einen Grund hält der Wissenschaftler für wahrscheinlich: „Die meisten der befragten Jungunternehmen entwickeln ein neues Produkt oder eine Technologie, da wollen sich die Angestellten oft einfach nur ihrer Arbeit widmen und sich nicht auch noch mit komplizierten Gehaltsstrukturen herumschlagen.“

Kein Wunder, dass die flexiblen Löhne laut Studie so gut wie keine Auswirkungen auf den Erfolg der Firma haben, obwohl viele Gründer vom Gegenteil überzeugt sind. Wenn sich die frischgebackenen Chefs deshalb für variable Löhne entscheiden, was in Hacks Analyse fast 60 Prozent tun, sollten sie vor allem eines wissen: Auch ihre Mannschaft besteht aus Egoisten. Teamgeist? Soft Skills? Gruppendynamik?

Schön und gut, solange es nicht um Geld geht. Anstatt für das belohnt zu werden, was eine ganze Gruppe oder Abteilung erreicht hat, will auch in jungen Unternehmen jeder Mitarbeiter am liebsten für seine ganz persönliche Leistung abkassieren.

Literatur
Andreas Hack: Monetäre Anreizgestaltung in Gründungsunternehmen. Gabler Verlag 2011.
Prof. Dr. Andreas Hack leitet das Intes Institut für Familienunternehmen an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...