Management Regionalflughäfen im Sinkflug?

Rechtzeitig abheben: Abflugzeiten sind Urteilen zufolge keineswegs unverbindlich

Rechtzeitig abheben: Abflugzeiten sind Urteilen zufolge keineswegs unverbindlich© GI

Die Euro-Schuldenkrise bringt Gegenwind für Airlines und damit auch Regionalflughäfen in Deutschland. Einige kleinere Flughäfen können derzeit nur mit Staatshilfe überleben.

Die Regionalflughäfen in Deutschland sind flügellahm. Das liegt aus Branchensicht vor allem an der Euro-Schuldenkrise und der Lage der Fluggesellschaften. Der Staat wird immer wichtiger, um kleinere Flughäfen zu unterstützen. Doch nicht nur die Schuldenbremsen in den Ländern erschweren das: Die EU-Kommission nimmt staatliche Hilfen unter die Lupe. Für den Herbst werden neue Leitlinien aus Brüssel für Beihilfen erwartet. Ob das die Existenzfrage für einige Airports stellt?

Im idyllischen Hunsrück startet vom Flughafen Hahn seit 20 Jahren vor allem der irische Billigflieger Ryanair. Rheinland-Pfalz hatte den US-Fliegerhorst zum Zivilflughafen umgewandelt. Die Zahl der Passagiere sank 2012 um vier Prozent auf rund 2,8 Millionen Passagiere, berichtet der Verband ADV. Das Frachtgeschäft schrumpfte nach dem Rekord 2011 um 28 Prozent auf fast 208 000 Tonnen. Der Flughafen nennt Ticketsteuer und Konjunktur als Gründe. Er steckt in Nöten: Rot-Grün will rund 80 Millionen Euro Finanzhilfe bis Ende 2014 leisten, weil Kredite fällig werden. Geschäftsführer Heinz Rethage sagte kürzlich, das Thema Liquidität brenne „lichterloh“. Nun sagt er: „Optimistischer sehen wir das Jahr 2014 aufgrund der geplanten Neuausrichtung.“ Potenzial gebe es bei Charter und Fracht.

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Die Mainzer Landesregierung will nicht, dass der Flughafen ein zweiter Nürburgring wird. Beim Ausbau der Formel-1-Strecke in der Eifel hatte sich das Land übernommen. Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) ist zuversichtlich: „Der Flughafen Hahn ist ein attraktiver Standort, der im Wettbewerb gute Chancen und Perspektiven hat.“ Neben dem 24-Stunden-Betrieb und einer guten Verkehrsanbindung punkte der Flughafen mit Flexibilität und Entwicklungsmöglichkeiten. Bis 2009 war der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport mit im Boot, seitdem gehört der Airport zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz, den Rest hält Hessen. Nun werden Investoren gesucht. Für den kleinen Flughafen Zweibrücken ist eine Kooperation mit Saarbrücken im Gespräch.

Der Flughafen Erfurt-Weimar kämpft ebenfalls mit Gegenwind. Ein prominenter Fluggast, der dort landete, war vor zwei Jahren Papst Benedikt XVI. Dagegen kehrte Air Berlin dem Erfurter Airport zum Winterflugplan 2011/2012 den Rücken. Für 2012 brachen die Passagierzahlen dem ADV zufolge um rund ein Drittel auf knapp 184 000 ein. Geschäftsführer Matthias Köhn zeigte sich aber zuversichtlich, als er den Sommerflugplan 2013 vor einigen Monaten präsentierte. Größter Anteilseigner ist das Land Thüringen. Nur etwas besser erging es dem Airport Weeze in Nordrhein-Westfalen. Er büßte 2012 fast neun Prozent Passagiere ein. Beim Saarbrücker Flughafen waren es rund sechs Prozent.

EU-Kommission prüft Beihilfen

„Die deutschen Flughäfen spüren deutlich die Folgen der Eurokrise, die schwierige Marktsituation der Airlines und die nationalen Belastungen durch die Luftverkehrssteuer“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, Ralph Beisel. Die Streichung von Flugzielen und Flügen spürten aber vor allem die Regionalflughäfen und die kleineren Verkehrsflughäfen. Er hält sie dennoch für wichtig und verweist auf deren Zubringerfunktion.

Für Staatshilfen bestehen Unsicherheiten. Die EU-Kommission hat Beihilfen für die Flughäfen Lübeck, Hahn, Altenburg-Nobitz, Zweibrücken, Berlin-Schönefeld, Weeze und München, unter die Lupe genommen. Zum Herbst werden neue Leitlinien erwartet, die Klarheit bringen sollen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte im vergangenen Jahr: „Auf der einen Seite ist es unsere Verantwortung, fairere Wettbewerbsbedingungen in der Industrie zu schaffen, auf der anderen Seite muss es den Regionen erlaubt sein, den Transportbedarf der Menschen zu decken.“

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sorgt sich um die Regionalflughäfen. „Flughäfen können nicht auf Dauer zu Milliongräbern werden“, warnte Präsident Klaus-Peter Siegloch Ende Februar: „Da muss unter dem Strich eine Null stehen.“ Der Chef des Ferienfliegers Condor, Ralf Teckentrup, nahm Anfang März bei hr-online kein Blatt vor den Mund: „Ich kenne keinen deutschen Regionalflughafen, der eine prosperierende Zukunftsperspektive hat.“

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