Management Ronnefeldt schult weltweit Tee-Meister

In besseren Hotels der Welt finden Gäste häufig Tees der deutschen Marke Ronnefeldt. Das 190 Jahre alte Frankfurter Handelshaus beliefert und schult auch Kunden in ausgesprochenen Teeländern.

Dass Luxus-Hotels in Indien oder China ihre Teesortimente bei einem deutschen Händler ordern, mutet schon einigermaßen kurios an. Doch die Traditionsfirma Ronnefeldt aus Frankfurt-Bockenheim geht noch einen Schritt weiter und schult auch noch das Personal der Hotels in allen Fragen rund um das rund 5000 Jahre alte Genussmittel. „Tee ist ein erklärungsbedürftiges Produkt, und daher sind die Kellner für uns die Schlüsselfiguren“, sagt Firmenchef Jan-Berend Holzapfel. Natürlich müsse man einem Chinesen nichts über grünen Tee erzählen, doch über das ganze Sortiment mit schwarzen Tees oder diversen Kräutermischungen fehlten auch in ausgesprochenen Tee-Nationen gelegentlich die Informationen.

Ronnefeldt verkauft nicht nur getrocknete Blätter und Kräuter, sondern konzipiert und organisiert das gesamte Teeangebot in guten bis sehr guten Hotels der Welt. Auf der Kundenliste stehen Häuser wie das Berliner Adlon, das Ritz Carlton in San Francisco oder das pompöse Burj al Arab in Dubai. Auch im Kreml sind die Frankfurter Tees seit langem präsent, Präsident Putin soll ein Freund des Grüntees „Morgentau“ sein. Von Ronnefeldt ausgebildete Tea-Master finden sich auch in großen Tee-Nationen wie China und Indien.

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Die Bekehrung der Kaffetrinker
Rund die Hälfte des Jahresumsatzes kommt aus dem Export, so dass das Unternehmen kaum vom ausbaufähigen Teedurst der Deutschen abhängig ist. Laut Teeverband liegt der Pro-Kopf-Jahreskonsum echten Tees ohne Früchte- und Kräutermischungen ziemlich konstant bei 26 Litern, was 2012 einer Menge von knapp 19 000 Tonnen entsprach, mehr als drei Viertel davon war Schwarztee. Zum Vergleich: Der deutsche Kaffeeverband meldete für 2012 die fast 30-fache Menge von knapp 521 000 Tonnen Kaffee, der Jahres-Konsum liegt bei über 150 Litern. Nach den USA und Brasilien ist Deutschland weltweit die Nummer drei, was den Kaffeeverbrauch angeht.

Die Tee-Branche hofft, vom Trend zum bewussteren Lebensstil profitieren zu können. Tee passe insbesondere zu Wellness-Angeboten, findet Holzapfel. Im harten und schnellen Geschäft auf der Straße sollen laut Teeverband innovative Getränke wie „Assam Shot“ als Alternative zum Espresso oder „Matcha Latte“ als Variante des Latte Macchiato passionierte Kaffeetrinker zum Tee bekehren.

Ein guter Platz in der Nische
Der Frankfurter Spezialist Ronnefeldt bedient mit der Hotellerie einen Tee-Nischenmarkt, hat sich aus dem Einzelhandelsgeschäft nahezu komplett zurückgezogen und wächst langsam, aber beständig. 150 Beschäftigte in Frankfurt und am Produktionsstandort Worpswede bei Bremen haben im vergangenen Jahr rund 25 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Lediglich im Frankfurter Einkaufszentrum „MyZeil“ gibt es in der Nähe des früheren Firmensitzes einen einzigen Ronnefeldt-Markenshop, ein weiterer wird der Firma zufolge nicht hinzukommen. Gleichwohl sind die rund 300 Ronnefeldt-Sorten auch online und in rund zwei Dutzend Fachgeschäften bundesweit zu kaufen.

Nach Wasser ist Tee das beliebteste Getränk der Welt, ungeachtet der jüngsten Marketing-Erfolge der Kaffeeindustrie, die mit den Unternehmen Starbucks und Nestlé verbunden sind. Holzapfel verfolgt die jüngsten Aktivitäten der Starbucks-Leute im Tee-Markt mit großem Wohlwollen: „Die wissen genau, was sie tun und werden den Tee weltweit voranbringen.“ Für stolze 620 Millionen US-Dollar haben die Amerikaner im November 2012 die Tee-Kette „Teavana“ zugekauft und haben Großes vor. Irgendwann, so das Kalkül Holzapfels, kämen die Neo-Teetrinker auch zu den Spitzenqualitäten, die dann beispielsweise Ronnefeldt anbiete.

Weniger zuversichtlich sieht der Teehändler die Versuche des Schweizer Konzerns Nestlé, nach dem Vorbild von „Nespresso“ nun auch Tee in bunten Portionskapseln zu Höchstpreisen an die Konsumenten zu bringen. „Das ideale Convenience-Produkt für Tee ist bereits vor 150 Jahren mit dem Teebeutel erfunden worden. Das ist sehr einfach und wird von Jedermann verstanden.“

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