Management Schaut auf diese Startups!

Firmen sind oft schwerfällig wie Supertanker. Kurswechsel? Das dauert. Von Gründern lässt sich lernen, wie Ideen Wirklichkeit werden. Ein Gastbeitrag von Leif Huff.

Startups verlassen sich häufig auf ihr Bauchgefühl, um Marktlücken aufzuspüren und Ideen zu entwickeln. Große Unternehmen wirken im Vergleich dazu wie Supertanker. Jede Kursänderung braucht einen langen Atem. Die Mannschaft hat oft das Gespür für das Fahrwasser verloren, sich von den Menschen entfernt, die ihre Produkte nutzen.

Etablierte Unternehmen formulieren Fragen nach Innovationen oft so, als müsse die Antwort schon bekannt sein. Startups dagegen können sich Lösungen schrittweise nähern: Am Anfang steht die Idee. Der Prozess, wie man die Lösung findet und gestaltet, wird dann immer wieder neu entwickelt. Externe Hürden werden überwunden, jeden Tag von Neuem.

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In größeren Firmen stoßen neue Ideen eher auf interne Hindernisse: Gerade Mittelständler arbeiten ja in einer ständigen Spannung zwischen dem Streben nach Perfektion und der Notwendigkeit zu experimentieren. Sie tun sich schwer, etwas Unfertiges zu präsentieren.

Mit Betaversionen einfach mal testen Ein Startup dagegen lebt lange in der Betaversion, um zu testen, Feedback von der Zielgruppe einzuholen, zu verbessern, wieder zu testen und so weiter. Was als Idee aus einem Bauchgefühl heraus begann, kann so reifen und Form annehmen. Nicht selten kommt das Produkt sogar noch im Betastadium auf den Markt. Der Kunde wird es verzeihen, wenn er das Produkt wirklich braucht. Und wenn das Unternehmen, von dem es stammt, einem klaren Ziel folgt. Ein Beispiel: Bei der Entwicklung einer modernen Bankfiliale haben wir zunächst eine „Beta“- Zweigstelle vorgestellt.

Aus den Erfahrungen mit diesem „Prototyp“ haben wir dann im Auftrag ein komplettes System entwickelt und in weiteren Filialen umgesetzt. Auf diese Weise wurde das Management auf die Kundenbedürfnisse sowie die Vor- und Nachteile der neuen Filiale aufmerksam. Wir konnten die Probleme schrittweise lösen – immer unter Berücksichtigung des wichtigsten Erfolgskriteriums: Spricht die neue Filiale die Menschen an, die sie tagtäglich nutzen sollen? Inzwischen launchen wir auch digitale „Testballons“ im Netz und bekommen über Facebook und Twitter ständig Feedback, das uns bei der Ausarbeitung unserer Innovationen hilft.

Also: mehr Mut zum Unperfekten! Betaversionen helfen, neue Ideen reifen zu lassen. Auch und gerade in Unternehmen, die sparsam mit ihren Ressourcen umgehen müssen und sich Flops nicht leisten wollen. Denn frühes Testen, ständiges Ausprobieren verhindert, dass man am Ende mit einem teuren „marktreifen“ Produkt scheitert – weil es niemand will. Das Entscheidende ist, dem eigenen Instinkt zu folgen und einen Prozess anzustoßen, der Misserfolge und negatives Feedback nicht als Fehler, sondern als notwendige Schritte zur Lösung wertet.

Eine solche Haltung kann man nicht einfach erlernen. Es erfordert schon eine gewisse Portion Mut, seinem Bauchgefühl zu folgen und das unternehmerische Risiko darauf zu stützen. Aber nur so können Innovationen entstehen – ob im Startup oder im „erwachsenen“ Unternehmen.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus impulse-Ausgabe 06/2012.

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