Management Schlarmann zürnt über CDU-Personal

Planlosigkeit in der Schuldenkrise, Schwäche in der Energiepolitik: Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung sieht seine Partei in einem "strukturellen Tief" und kritisiert: Es fehle ein Wirtschaftsprofil, es fehlten fähige Leute, schlicht: Es fehle die Richtung.

Der Vorsitzende der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung (MIT), Josef Schlarmann, wirft der Bundesregierung Orientierungslosigkeit bei wichtigen Themen vor. Als Beispiele nannte Schlarmann in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd die Energiepolitik und die EU-Schuldenkrise. In beiden Fällen sei nicht klar, „wohin Deutschland geführt wird“.

Schlarmann äußerte sich zugleich besorgt über die Umfragewerte der Union. Es handele sich dabei um ein „strukturelles Tief“. Notwendig sei unter anderem eine Schärfung des wirtschaftspolitischen Profils der CDU, forderte der MIT-Chef. „Wir erleben zur Zeit eine bürgerliche Regierung, die stark in die Wirtschaft interveniert und die Ordnungspolitik vernachlässigt“, sagte Schlarmann. Das sei für die CDU ein Riesenproblem. Denn damit bewege sie sich „aus der Spur heraus, die Ludwig Erhard und andere in der Union jahrzehntelang gelegt haben“.

Anzeige

Der MIT-Vorsitzende fügte mit Blick auf das Spitzenpersonal der CDU und Parteichefin Angela Merkel hinzu: „Nachdem all die Offiziere schon von Bord gegangen sind, gibt es nur noch Bootsleute und eine Kapitänin. Die Offiziers-Schicht, die wir dringend bräuchten, um die Union profiliert zu repräsentieren, gibt es in der Union nicht mehr.“ Das sorge für Unmut in der Parteibasis: Die Parteimitglieder wollten keine „absolutistischen Entscheidungen“, sondern miteinbezogen werden. Es liege auch „an der Art und Weise, wie geführt wird“, dass die Lage der Union so schlecht sei und die Grünen so viel Erfolg hätten.

Vor allem die Energiepolitik der Regierung hält Schlarmann für problematisch: „Niemand kann Ihnen heute aus der Regierung sagen, wie es letztendlich mit der Energiewende ausgehen wird.“ Bei diesem Thema werde es noch „sehr viele grundsätzliche Überraschungen“ geben. Außerdem gebe es in der EU-Politik ein derartiges „Gewirr von Stimmen“, dass nicht erkennbar sei, was für ein Europa sich die Bundesregierung eigentlich vorstelle. „Wenn Leute orientierungslos sind, dann sind sie häufig sehr aktiv, weil sie nicht wissen, welche Schritte notwendig sind. Sie halten sich einfach in Bewegung und hoffen, dass sie das Ziel treffen.“ Mit einer solchen Politik könne aber keine Regierung langfristig erfolgreich sein.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...