Management Schluss mit den Autogrammen beim Einzelhändler

Wer an der Ladenkasse nicht genug Geld dabei hat, kann bargeldlos bezahlen, mit EC-Karte und Unterschrift auf dem Beleg. Noch. Denn dieses elektronische Lastschriftverfahren will die EU nun kippen - gegen den Widerstand der deutschen Einzelhändler.

Die Einzelhändler verteidigen das elektronische Lastschriftverfahren (ELV) mit gutem Grund: Es kostet sie nichts. Müssten sie zum E-Cash-Verfahren wechseln (EC-Karte und PIN-Nummer), müssten die Händler bis zu 0,3 Prozent des bezahlten Betrags den Banken überlassen.

Zurzeit bekommen die Banken in Deutschland jährlich 250 Mio. Euro an EC-Cash-Gebühren von den Einzelhändlern, sagt Ulrich Binnebößel, Experte für Zahlungsverfahren beim HDE, dem Verband des deutschen Einzelhandels. Da ein Drittel der Einzelhändler derzeit noch auf ELV setzt, käme wohl ein dreistelliger Millionenbetrag dazu.

Anzeige

Die Entscheidung darüber fällt in Brüssel. In wenigen Wochen sollen 736 EU-Parlamentarier über den von der EU-Kommission vorgelegten Entwurf für bargeldlose Zahlverfahren an Ladenkassen abstimmen. Dieser Entwurf, kritisiert der HDE, trage die Handschrift der Bankenlobby. Er sieht vor, nur noch das E-Cash-Verfahren zuzulassen.

Das ELV ist eine rein deutsche Spezialität. Es wurde vor 25 Jahren von den Händlern entwickelt, um ein Monopol von EC-Cash zu verhindern. „Das ELV hat sich bewährt, es ist billig, es ist unkompliziert“, sagt Alexander Güttler von Schlecker. Die Drogeriekette bietet, wie viele Einzelhändler, sowohl ELV als auch E-Cash an.

Es gibt auch Händler, die das Aus des ELV nicht stören würde. Stephan-Thomas Klose von Rossmann sagt: „Wir haben von Anfang an auf E-Cash gesetzt. Das ist zwar teurer, aber schneller.“ Fünf Leute an der Kasse würden von Kunden heute schon als Schlange wahrgenommen. „Vier Zahlen einzutippen, statt den Zettel aus der Maschine zu ziehen und zu unterschreiben, spart Zeit.“

Außerdem ist E-Cash sicherer. Das Verfahren prüft an der Kasse, ob der Kunde zahlungsfähig ist. Beim ELV erfährt der Händler das erst später, trägt also ein Risiko.

Immerhin taugt ELV als Druckmittel, um die Banken bei den E-Cash-Gebühren drücken zu können. Genau deshalb hat Aral, also der Konzern BP, ELV vor einem Jahr eingeführt. Der Erfolg: Inzwischen verlangen die Banken von den Tankstellen nur noch 0,1 Prozent vom jeweiligen Betrag.

Aus dem Magazin
Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 06/2011.

Abonnenten erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat frisch nach Hause geliefert.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *Captcha loading...