Management Schröder will mehr Wahlmöglichkeiten für Eltern

Familienpolitik im Wahlkampf: Das Berufsleben soll familienfreundlich werden, versprach die Kanzlerin bei einem Spitzentreffen mit der Wirtschaft. Familienministerin Kristina Schröder plädierte erneut für einen Rechtsanspruch auf Rückkehr zu einer Vollzeitstelle und für mehr Wahlmöglichkeiten.

Eltern brauchen nach den Worten von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) mehr Wahlmöglichkeiten bei der Gestaltung ihrer Arbeitszeit. So sollten sie beispielsweise zwischen Teilzeit- und Vollzeitarbeit wechseln können, „ohne dadurch langfristig berufliche Nachteile in Kauf nehmen zu müssen“, sagte Schröder am Dienstag am Rande eines Spitzentreffens mit der Wirtschaft zur Familienpolitik.

Schröder plädierte bei dem Forum erneut für einen Rechtsanspruch auf Rückkehr zu einer Vollzeitstelle, wenn wegen einer Familienphase zuvor in Teilzeit gearbeitet wurde. Teilzeitarbeit dürfe nicht mehr zum Karriereknick führen, sagte sie. Aus der FDP und der Wirtschaft kommt dagegen Widerstand gegen einen solchen Rechtsanspruch.

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Die Familienministerin forderte bei dem Spitzentreffen zudem mehr Teilzeitstellen mit etwa 30 Wochenstunden. Dies würden sich viele junge Eltern wünschen. Ein weiteres Thema seien Betriebs-Kitas. „Auch hier, finde ich, ist die Wirtschaft echt in der Pflicht. Man kann nicht immer nur nach dem Staat rufen.“ Schröder kritisierte die noch immer in vielen Unternehmen gepflegten „Präsenzrituale“, von denen man sich verabschieden müsse. Die vor zwei Jahren von Regierung und Wirtschaft unterzeichnete „Charta für familienbewusste Arbeitszeiten“ bezeichnete sie als Erfolg: „Diese Entwicklung wollen wir fortsetzen und verstetigen.“

Bei der Konferenz in Berlin warb auch Bundeskanzlerin Angela Merkel für familienfreundliche Arbeitszeiten. Die Kanzlerin sprach sich zudem dafür aus, die steuerliche Abrechnung haushaltsnaher Dienstleistungen bei der Kinderbetreuung und Pflege kranker oder älterer Angehöriger zu erleichtern. „Der Dienstleistungsstandort Deutschland kann noch ausgebaut werden“, sagte Merkel.

Vor Spitzen der Wirtschaft kündigte Merkel außerdem an, dass die Bundesregierung künftig einmal im Jahr darüber berichten werde, wie gut in Deutschland Familie und Beruf in Einklang zu bringen seien, wie sich familienfreundliche Arbeitszeiten und Teilzeitangebote entwickelten und wie es in den Betrieben um die Kinderbetreuung bestellt sei.

Kritik von den Gewerkschaften

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) beklagte, dass die Rückkehr von Müttern in die Erwerbstätigkeit „nur selten reibungslos“ funktioniere. Die Möglichkeiten zur Anpassung der Arbeitszeit seien begrenzt, bedauerte die Vizevorsitzende Ingrid Sehrbrock in der „Passauer Neuen Presse“. Erforderlich seien aber an die Bedürfnisse der Familien angepasste Arbeitsarrangements, „die die Existenz sichern und die im Alter nicht zur Armut führen“. Auch ein gesetzlicher Anspruch auf Rückkehr zur Vollzeit sei „überfällig“.

Die IG Metall stellte das als „Familiengipfel“ bezeichnete Treffen mit der Wirtschaft infrage: „Diese Schaufensterpolitik im Wahljahr bringt keiner Frau auch nur einen Zentimeter mehr Wahlfreiheit, und das ist es, was wir brauchen“, monierte das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall in Frankfurt, Christiane Benner.

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