40 Jahre ohne Urlaub „Urlaub? Um Himmels Willen!“

Lieber ein Haufen Arbeit auf dem Schreibtisch als im Urlaub Däumchen zu drehen. Unternehmer Johannes Adam sagt, er braucht keine Erholung. Urlaub? Hat er noch nie gemacht.

Lieber ein Haufen Arbeit auf dem Schreibtisch als im Urlaub Däumchen zu drehen. Unternehmer Johannes Adam sagt, er braucht keine Erholung. Urlaub? Hat er noch nie gemacht.© Studio Porto Sabbia / Fotolia.com

Menschen lieben Erholung. Nicht so Johannes Adam. Der Unternehmer war noch NIE im Urlaub und arbeitet auch am Wochenende. Wie macht Adam das? Und: Warum?

impulse: Herr Adam, Millionen Bürger reisen bald wieder in die Sommerferien. Sie haben es nicht so mit dem Urlaub. Korrekt?

Johannes Adam: Ja, das stimmt. Als Kind arbeitete ich schon in den Ferien mit. Meine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ich fand das gut. Später als Azubi fiel mir auf: Es macht mir nichts aus, auch am Wochenende zu arbeiten. Seit der Firmengründung vor 39 Jahren bin ich fast rund um die Uhr im Einsatz. Im Betrieb weiß das jeder. Arbeit macht mir Freude, sie ist keine Last.

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Und Ihre Familie?

Die haben das schon lange akzeptiert. Papa macht nie Urlaub. Meine Kinder sind zufrieden mit mir. Meine Frau spürte frühzeitig, dass ich ein Arbeitstier bin, und arrangierte sich damit. Seitdem die Kinder aus dem Haus sind, ist sie in vielen Vereinen unterwegs.

Wie sieht ein Arbeitstag denn so aus?

Ich arbeite sieben Tage die Woche und stehe um sechs Uhr auf. Danach frühstücke ich ausgiebig mit meiner Frau und fahre in den Betrieb. Um 17 Uhr gibt es Abendessen. Dann geht es zurück in den Betrieb bis 0:30 Uhr. Später lese ich im Bett. Das Licht geht in etwa um 1:30 Uhr aus. Sonntags genieße ich bis zu drei Stunden Zeit mit den vier Enkeln. Das ist meine Erholung.

Ein Beispiel: In der Firma ist viel los. Sie werden dann nicht schlapp?

Nein. Ich fahre mit dem Firmenwagen etwa 80.000 bis 100.000 Kilometer pro Jahr. Bei einem Durchhänger fahre ich auf den Rastplatz und schlafe dort fünf bis zehn Minuten im Auto. Das reicht mir.

Bis zu 16 Stunden Arbeit – an jedem Tag. Werden Sie nicht krank?

Ich bin vollständig leistungsfähig und gesund. Sagt mein Arzt. Die Blutwerte sind in Ordnung, alles bestens. Stopp, einmal entdeckte der Arzt Nierensteine. Nachdem sie zertrümmert waren, war ich kurze Zeit später wieder im Büro. 44 Jahre war ich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Den Pflichtdienst versäumte ich kein Mal. Darauf bin ich nicht stolz. Ich denke nicht darüber nach, dass ich mich schonen müsste. Ich fühle mich einfach wohl.

Erschöpfung ist das neue Syndrom der Bundesbürger, hunderte Kliniken sind sehr gut belegt. Irgendetwas machen Sie anders …

Kaum endet der Urlaub meiner Mitarbeiter, höre ich von ihnen nach einer Woche im Betrieb schon wieder: „Oh Chef, ich bin urlaubsreif. Das war alles Stress.“ Vor ein paar Tagen brachte ich meine Schwiegertochter und die Enkel zum Frankfurter Flughafen. Dort schaute ich mir die Urlauber an. Es kam mir vor, als würde man Hühner dort durchtreiben. Ich muss nicht zum Flughafen fahren, um dort einen Parkplatz zu finden, und stehe in keiner Schlange am Zoll oder dem Gepäckband. Es ist gut, dass es Urlaubsmöglichkeiten gibt. Aber das ist nichts für mich. Was soll ich in Tunesien? Es wäre ein Zwang. Dann kann ich nicht mehr das tun, was ich möchte. Meine persönliche Freiheit ist sehr wichtig.

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Bekommen denn Ihre Mitarbeiter problemlos Urlaub und Urlaubsgeld?

Sicher, damit habe ich kein Problem. Es freut mich für sie.

Wie lange möchten Sie noch schaffen, Herr Adam?

Acht Jahre sehe ich mich noch im Betrieb. Ob das dann noch so wie heute funktioniert? Das weiß ich nicht. Wahrscheinlich wird mein Sohn die Firma übernehmen.

Als Rentner: Was planen Sie für jene Jahre?

Im vergangenen Jahr sagte ich zu meiner Frau: Wenn ich Pensionär bin, fahren wir in den Norden nach Hamburg und besuchen ein Musical. Ich bin offen für Neues. Heute will ich das tun, was mir gefällt. Es fehlt mir an nichts, ich bin glücklich.

2 Kommentare
  • Andreas Kosmowicz 3. Mai 2017 15:38

    Klasse, wenn Herr Adam das so kann und es ihn erfüllt. Solange es ihm gut geht damit großartig.

    Wer nicht glücklich ist mit dem was er tut verschwendet das wertvollste was er hat – Lebenszeit.

    Wenn ich Erholung brauche reicht Zeit mit Freunden.

    Ich liebe Fernreisen und fremde Länder und Tapetenwechsel – aber brauchen wäre was anderes.

  • Binder wolfgang 3. Mai 2017 13:24

    Herr Adam ist kein Vorbild für mich.
    40 Jahre ohne Urlaub,da muss man ganz schön bescheuert sein !

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