Warum das Schreiben mit der Hand uns klüger macht –
und wahrscheinlich sogar glücklicher.

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Keine Tastatur kann die wertvollen Denk- und Verarbeitungsprozesse ersetzen, die entstehen, sobald wir etwas mit der Hand aufschreiben. Warum das handgeschriebene Wort stärker ist als das Getippte? Wir haben die wichtigsten Gründe zusammengefasst.

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1. Greifen ist Begreifen

„Die Hand ist das Fenster zum Geist“, sagte der deutsche Philosoph Immanuel Kant vor fast 300 Jahren. Mit dem Auge sehen wir die Welt, aber es ist die Hand, mit der wir sie „begreifen“. Unser Tastsinn ist so sensibel, dass wir Dinge, die wir mit den Händen (im Dunkeln) erfasst haben, anschließend um ein Vielfaches detaillierter beschreiben, als wenn wir sie nur sehen. Jede Berührung, jedes Anfassen erzeugt ein Feuerwerk von Verknüpfungen im Gehirn – und die beschleunigen unser Denken.

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2. Schreiben trainiert den Geist

Es braucht Zeit, bis wir lesen lernen. Und es braucht Jahre, bis wir so flüssig mit der Hand schreiben, dass aus der Verknüpfung einzelner Buchstaben dieser wunderbare Gedankenfluss entsteht, den wir alle so schätzen. Und genau dieses komplexe Zusammenspiel von Feinmotorik, Abstraktion und Imagination macht das Schreiben mit der Hand zu einer wahren Symphonie der Synapsen. Wer mit der Hand schreibt, stärkt die Verbindung zwischen rechter und linker Gehirnhälfte. Es gibt nur wenige Dinge, die aus Sicht unseres Gehirns so ganzheitlich und anspruchsvoll sind wie das Schreiben mit Stift und Papier.

3. Wer schreibt, lernt

Schreiben ist nicht Tippen. Keine Tastatur kann die wertvollen Denk- und Verarbeitungsprozesse ersetzen, die entstehen, sobald wir Stift und Papier zur Hand nehmen. Studenten lernen nachhaltiger, wenn sie handschriftliche Notizen machen. Vorschulkinder entwickeln ihre Sprachfähigkeiten besser, je mehr sie mit Stift und Papier arbeiten. Und auch die Wörter neuer Sprachen behalten wir besser im Gedächtnis, sobald wir sie aufschreiben – egal um welche Sprache es sich handelt, egal wie alt wir sind. Wissen ist ein Rohstoff, der sich bei seiner Verwendung vermehrt. Sobald wir etwas mit der Hand aufschreiben, vermehren wir unser Wissen.

4. Schreiben ist Denken auf Papier

Unser Geist kann nur eine begrenzte Anzahl von Schritten im Voraus denken. Deswegen brummt uns manchmal der Kopf, deswegen können die meisten Menschen nicht mehr als fünf Schachzüge planen. Sobald wir jedoch Stift und Papier zur Hand nehmen, können wir unseren Gedanken freien Lauf lassen. Wir befreien uns von dem inneren Wirrwarr, indem wir unsere Gedanken in eine Reihenfolge bringen. Das schafft Distanz. Und dieser Abstand hilft uns, Pläne und Vorhaben objektiv zu betrachten. Wer seine Gedanken aufschreibt, schenkt ihnen Existenz. Wer seine Pläne zu Papier bringt, erhöht die Chancen, sie auch tatsächlich umzusetzen.

5. Wer Freiheit will, legt eine Liste an

Kein Entwurf bleibt, wie er war. Kaum ein Fahrplan wird je eingehalten. Kein Tag hat genügend Stunden. Ein Großteil unserer Sorgen kreist um sich ständig wandelnde Aufgaben – und auch hier können Stift und Papier Klarheit und Gelassenheit schaffen. Jede Liste entlastet den Kopf, sie dient der Analyse, schärft den Fokus. Mit Listen trennen wir Wichtiges und Dringendes. Wir stellen Projekte um, sortieren, priorisieren. Und wir stellen mitunter auf Papier Beziehungen her, die uns vorher verborgen waren. Natürlich ist auch dieser Prozess mit Stift und Papier schneller, intuitiver und effizienter. Und was gibt es Schöneres, als eine erledigte Aufgabe einfach abzuhaken?

6.  Wer schreibt, wandert

Viele Schriftsteller schreiben ihre Romane noch immer mit der Hand, weil sie sehen wollen, wohin die Reise geht. Schreiben auf Papier gleicht einer Tour, deren Beginn wir kennen – deren Ende aber eben nicht. Im Gegensatz zum Bildschirm haben Sätze auf Papier etwas Bleibendes. Der Stift verstärkt diesen Effekt, er treibt die Hand sachte übers Blatt, von einem Wort zum nächsten. Statt einen Satz einfach mit der Back-Taste zu löschen oder den Bogen aus der Schreibmaschine zu reißen, schreiten wir voran, in Richtung unserer Gedanken, die wir (frei nach Kleist) beim Schreiben verfertigen. Wenn ein komplexes Problem ansteht, aber noch keine Lösung in Sicht ist, einfach Stift und Papier zur Hand nehmen und anfangen: Schreiben ist Schreiten im Geiste, ein Satz folgt auf den anderen, eine Idee auf die nächste. Plötzlich tauchen Figuren und Ideen auf, entstanden aus dem jeweils vorigen Gedanken – scheinbar geboren aus dem Nichts, erschaffen mit der Hand.

7. Aufschreiben bringt Gelassenheit

Wer schreibt, gibt ab. Wir verstehen, verarbeiten, denken, entspannen und befreien uns auf diese Weise von so manchem, was uns auf der Seele lastet. Einmal aufgeschrieben – und wir fühlen uns erleichtert. Das Schreiben mit der Hand stimuliert im Gehirn Areale, die auch aktiv sind, wenn wir meditieren. Wir kommen zur Ruhe, kommen bei unseren Gedanken an und lassen den einen oder anderen von ihnen zu. Auch dies haben Wissenschaftler festgestellt: Das Schreiben mit der Hand hilft nicht nur zu verstehen, es hilft auch, Dinge zu verarbeiten, sie loszuwerden und beiseitezulegen. Es muss nicht gleich ein Tagebuchprojekt sein. Selbst die kleinste To-do-Liste schafft große Leichtigkeit.

8. Wer mit der Hand schreibt, bleibt

Schreiben mit der Hand ist ein physischer Akt. Jeder Buchstabe, jedes Wort, jede Unterstreichung im Notizbuch, jeder Kreis, jede Markierung hinterlässt Spuren, die wir im Körpergedächtnis behalten. Die meisten Menschen erinnern sich noch Monate später an die Position einer spannenden Stelle in einem Buch. So wirkt auch Handschrift, nur stärker. In der von Verweisen wimmelnden Mitschrift einer Vorlesung erkennen wir die Ideen, die wir hatten, als wir im Hörsaal saßen. Aus jedem handgeschriebenen Text kann noch Jahre später die Lebenssituation vor unserem inneren Auge auferstehen. Die kleinste handschriftliche Notiz nimmt uns mit auf eine Zeitreise. Dies ist der Grund, warum so viele Menschen ihre Notizbücher aufbewahren. Und wieso Manuskripte berühmter Leute so begehrt sind: weil Handschrift eine Spur zur Persönlichkeit ist.

 

* Schreiben mit der Hand ist Denken auf Papier. Aus Gedanken werden Worte, Sätze, Bilder. Erinnerungen werden zu Geschichten. Ideen verwandeln sich in Projekte. Aus Notizen entsteht Durchblick. Wir schreiben und verstehen, vertiefen, sehen, denken – mit der Hand.

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