Einstieg in eine Präsentation „Nur Lehrer mögen Gliederungen“

"Peng!" Gute Präsentationen starten mit einem Knall, einem Feuerwerk - und nicht mit der Vorstellung von zehn Gliederungspunkten.

"Peng!" Gute Präsentationen starten mit einem Knall, einem Feuerwerk - und nicht mit der Vorstellung von zehn Gliederungspunkten.© läns / photocase.de

Der vielleicht wichtigste Teil einer Präsentation sind die ersten Sätze. Und die vermasseln viele mit langweiligen Formalien. Ein Profiredner zeigt, wie man es besser macht.

Christian Rieck ist eine Mücke. Er stichelt mit Leidenschaft. Wenn man sein neues Buch übers Präsentieren liest, fühlt man sich ständig erwischt und nachträglich blamiert: „Oh mein Gott – genauso mache ich das auch.“  Autsch!

Rieck ist nicht nur Keynotespeaker, sondern auch Wirtschaftsprofessor. Er hat hunderte Präsentationen gehalten und gehört. In seinem Buch „Von PowerPoint zum Kraftpunkt“ schildert er seine Beobachtungen – scharfsinnig und unterhaltsam. Etwa wie man den Einstieg in seinen Vortrag vermasselt – oder damit alle in seinen Bann zieht.

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Guten Tag meine Damen und Herren, mein Name ist Michail Gorbatschow 

Möchten Sie eines der sichersten Mittel kennenlernen, wie man bei einer Werbung verhindert, dass irgendwer zuhört? Einfach gleich zu Anfang Ihren Firmennamen nennen. Ein kleines Beispiel zur Demonstration: „Wie Sie mit Weihenstephan Magermilch extrafrisch Ihren Tag beginnen.“

Na, Lust weiter zuzuhören? Natürlich will keiner der Zuhörer irgendetwas über Weihenstephan und auch nichts über einen beliebigen anderen Redner hören; sie wollen etwas hören, was ihnen hilft und was sie weiterbringt oder ersatzweise einfach nur interessant ist. Allein die Erwähnung eines Namens oder gar eines Firmennamens ist ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass einem irgendetwas aufgenötigt werden soll, was dem Sprecher hilft, aber nicht dem Zuhörer.

Verschwenden Sie deshalb keine Zeit damit, sich selbst vorzustellen. Solange Sie auf der Bühne stehen ist nicht wichtig, wer Sie sind oder woher Sie kommen, sondern es ist wichtig, dass Sie jetzt und hier großartig sind. Kein Orchester käme auf den Gedanken, vor dem Auftritt erst eine kleine Ansprache zu halten und stolz darauf hinzuweisen, welchen riesigen Applaus es letzte Woche in New York bekommen hat und wie viele erstklassige Aufnahmen es schon eingespielt hat. Die Vorführung muss heute gut sein, jetzt und hier, alles andere zählt nicht. Nur ein schlechter Redner hat es nötig zu erzählen, wie großartig er früher einmal war. Ein guter Redner ist jetzt großartig.

Übrigens, wenn Sie wirklich so großartig sind, wie Sie Ihre Zuhörer auf der ersten Folie glauben machen wollen, dann kennen Ihre Zuhörer Sie ohnehin. Wenn Michail Sergejewitsch Gorbatschow ans Mikrofon tritt, dann braucht er sich nicht vorzustellen. Wenn Sie etwas weniger großartig sind, der Veranstalter aber trotzdem mit Ihrer Erfahrung glänzen möchte, dann wird der Moderator Sie entsprechend vorstellen. Und wenn beides nicht zutrifft – nun, dann ist jetzt Ihre Chance großartig zu werden.

Das Gegenteil 

Ich weiß schon: Sie machen die ganze Show ja gratis, damit Sie sich oder Ihre Firma bekannt machen können. Und deshalb wollen Sie an schön prominenter Stelle einen ausgedehnten Werbeblock einbauen. Widerstehen Sie der Versuchung. Sie können Ihre tollen Leistungen im Inhalt des Vortrags unterbringen, wo sie die Zuhörer vielleicht sogar inhaltlich interessieren. Sie können es vielleicht ans Ende setzen, wenn Sie Ihre Zuhörer schon begeistert haben. Aber tun Sie es nicht am Anfang, zumindest dann nicht, wenn Sie noch begeistern wollen.

Natürlich wollen wir alle mit unserer Kompetenz glänzen und berichten daher gern und ausführlich von unseren vergangenen Großtaten. Und ja, diesen Teil wollen unsere Zuhörer sogar hören – aber erst, wenn die Zeit gekommen ist. Das ist dann der Fall, wenn Sie schon alle auf Ihre Seite gebracht haben und Ihre Thesen mit praktischen Beispielen untermauern oder veranschaulichen können. Dies ist der Zeitpunkt, um vergangene Erfahrungen zu schildern. Aber vergessen Sie nicht, auch hier stehen das Ereignis und die Erfahrung im Mittelpunkt, nicht die Person des Redners.

[…]

Nur Lehrer mögen Gliederungen 

Der Redner ist angekündigt, er wurde Ihnen vorgestellt als einer der ganz Großen auf seinem Gebiet. Sie und einige Hundert andere Besucher sitzen gespannt und warten, was der große Wissenschaftler sagen wird. Der Redner, für den sie alle weit angereist sind, geht in die Mitte des Podiums, fixiert Sie mit mitreißendem Blick und schaltet zur ersten Folie auf dem Beamer und beginnt: „Bevor wir anfangen, möchte ich noch ein bisschen darüber sprechen, dass…“

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie gerade ihren Kaffee trinken wollten, und es war Entkalker drin? Dieses Gefühl geben Sie Ihrem Publikum, wenn Sie mit einer Gliederung starten. Sie erkennen schlechte Redner und schlimme Seminarleiter geradezu daran, dass sie ständig darüber sprechen, worüber sie sprechen werden. Und eine Gliederung ist genau das: eine Zusammenstellung dessen, was kommen wird. Deshalb gibt es einen einfachen Rat: keine Gliederung.

Sprechen Sie über das, was Sie zu sagen haben, und lassen Sie alles andere weg. Dazu gehört auch das, worüber Sie später noch sprechen wollen. Sprechen Sie darüber oder vergessen Sie es.


Wie man stattdessen einen perfekten Einstieg hinlegt, lesen Sie in Christian Riecks Buch „Von PowerPoint zum Kraftpunkt“ das für 18 Euro als Buch und für 5 Euro als E-Book erhältlich ist.

Den Buchauszug veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung des Autors.

1 Kommentar
  • Oliver 18. September 2017 11:48

    Über ein, zwei Positiv-Beispiele hätte ich mich noch gefreut.

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