Homeoffice mit Kind Im Homeoffice Firma und Familie gerecht werden – das hilft
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Das Homeoffice bringt für viele Menschen mit Kindern neue Herausforderungen

© Vladimir Sukhachev / iStock / Getty Images Plus

Unternehmerin Anabel Ternès muss in der Krise Arbeit im Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut kriegen. Wie ihr das gelingt - und warum sie diese Situation auch als Chance sieht.

Ich habe neulich per Videokonferenz einen Vortrag vor etwa 200 Menschen gehalten. Leider passte es den Kleinen, die im Raum spielen wollten, gar nicht, dass ich für das Laptop-Podest Schaumstoffteile des Spielhauses verwendete. Mitten im Vortrag führten wir eine Diskussion darüber.

Ich finde es zwar nett zu zeigen, dass man authentisch und ganz Mensch ist. Aber für meine Aufmerksamkeit war die Situation nicht förderlich. Wir einigten uns zum Glück schnell darauf, dass das Schaumstoffpodest stehen bleiben und ich mit meinem Vortrag weitermachen konnte.

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Homeoffice mit Kindern kann extrem anstrengend sein

Die Corona-Krise ist eine Zeit, die von Eltern, sehr oft von Frauen, aber auch von Männern viel abverlangt. Viele mussten sich von einem auf den anderen Tag plötzlich mit einer völlig anderen Lebenssituation arrangieren.

Wenn man weder Familie und Freunde in der Nähe hat, die regelmäßig mit Kinderbetreuung unterstützen können, noch Babysitter, dann ist ein Tag oft extrem anstrengend. Auch wenn man seine Kinder liebt.

Doch Kindern und Beruf gerecht zu werden, ist leichter gesagt als getan in einer Zeit, in der Kitas geschlossen haben und Schulen erst langsam wieder öffnen. In der viele nicht auf Homeoffice eingerichtet waren und eine räumliche Trennung zwischen Beruf und Privatleben oftmals kaum möglich ist. Und wie kann man von Kindern verlangen, dass sie wissen, wann ihre Eltern arbeiten und wann sie für sie da sind, wenn die Eltern doch die ganze Zeit über gleich greifbar erscheinen?

Ich habe für mich und unsere Mitarbeiter mit Kindern Wege gefunden, die uns helfen, im Homeoffice dem Beruf und der Familie gerecht zu werden – damit Situationen wie die eben geschilderte die Ausnahme darstellen.

Routinen schaffen

Unter der Woche stehen wir zur gleichen Zeit auf und machen uns fertig, als gäbe es kein Corona. Diese Routine hilft, produktiv zu sein und mich zu konzentrieren. Das schafft Struktur.

Vorausschauend planen

Welche Termine sind unverrückbar? Welche kann ich verschieben? Wie kann ich am besten Zeiten bündeln, in denen ich mich konzentrieren muss? Für diese Zeit ist es hilfreich, eine zuverlässige Kinderbetreuung als Unterstützung zu haben.

Kommt eine Babysitterin nicht und ein wichtiger Termin steht an? Eine kleine Katastrophe. Ich muss mich auf Meetings konzentrieren können, die ich organisiere. Wenn dann noch ein Kind schreit, weil es unbedingt Aufmerksamkeit möchte und merkt, dass man jetzt wirklich keine Zeit hat, dann steigert sich der Stress noch weiter. Und zwar für alle Beteiligten, auch die, die virtuell dabei sind.

Beschäftigung für Kinder planen

Genauso, wie man seine eigene Zeit plant, sollte man auch sinnvolle Beschäftigungen für seine Kinder planen: Für Kinder im Kita-Alter gibt es zum Beispiel schöne, pädagogisch wertvolle kostenfreie Apps mit Anregungen für die Eltern. Auch verschiedene Kitas bieten im Internet Lernspiele und Arbeitsmaterialien an, mit denen man etwa die Corona-Krise kindgerecht erklären kann. Dank dieser Hilfen bekommt man gute Ideen zum Basteln und Spielen.

Arbeitszeit effektiv nutzen

Wie viele andere Eltern im Homeoffice nutze ich aktuell die wenige Zeit effektiver. Ich habe in den vergangenen Wochen gelernt, mir meine Zeit noch besser einzuteilen, mich noch besser zu strukturieren.

Not macht erfinderisch, heißt ein Sprichwort. Von anderen höre ich, dass auch sie trotz weniger Zeit effizienter arbeiten, etwa, indem sie Musterschreiben erstellen oder nur dreimal am Tag E-Mails checken.

Sich nicht unter Druck setzen

Mitarbeiter führen, Vorträge halten, die Firma voranbringen – und nebenbei eine „gute Mutter“, ein „guter Vater“ sein. Sich selbst unter Druck zu setzen und alles perfekt machen zu wollen, hilft momentan überhaupt nicht. Ich versuche, mir selbst den Druck zu nehmen. Es ist normal, dass zurzeit einiges nicht so läuft wie geplant: Kinder platzen in die Videokonferenz, die Mitarbeiterin hat plötzlich doch keine Zeit für eine wichtige Aufgabe, weil ihr Sohn gerade über seine Playmobil-Ritterburg gefallen ist und sich dabei verletzt hat. Und das ist dann so, ich kann es nicht ändern.

Zeit für sich selbst nehmen

Auch wenn es nur zehn Minuten sind: Ich halte es für extrem wichtig, mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Das ist zwar nicht ganz einfach, aber wenn die Kleinen morgens noch schlafen oder abends schon im Bett sind, gibt es doch kleine Zeitfenster. Das sind die kleinen Wellness-Nischen: Meditationsmusik an, Yogaübungen, Stretching, ein heißes Bad. Das tut gut.

Mitarbeitern mit Kindern entgegenkommen

Auch einige meiner Mitarbeiter müssen ihre Kinder zu Hause betreuen. Wenn wir telefonieren, sprechen wir oft erst einmal kurz darüber. Ich frage nach, wie es zu Hause läuft. Wir sitzen im selben Boot, natürlich habe ich Verständnis, wenn jemand angesichts der Situation ganz besonders unter Druck steht. Sich zu konzentrieren ist einfach schwierig, wenn gerade im Raum mit der Mitarbeiterin zusammen zwei Grundschulklässler beim Homeschooling miteinander diskutieren.

Manchmal stößt das aber auch an seine Grenzen: Einige Aufgaben müssen einfach rechtzeitig erledigt werden, einiges kann nicht unbestimmt aufgeschoben werden. Und auch ich kann nicht alles übernehmen. Hier eine Lösung zu finden, ist schwierig. Die Krise kann nicht alles entschuldigen, wenn einfach das Ergebnis benötigt wird. Wir besprechen in diesen Fällen mit den Mitarbeitern individuell, was man tun kann, um die Situation für alle zufriedenstellender zu machen. Zum Beispiel indem sie für die Corona-Zeit andere Aufgaben übernehmen, für die sie weniger Konzentration benötigen, oder indem wir Kinderbetreuung organisieren.

Kernzeiten mit Mitarbeitern vereinbaren

Wir haben im Team besprochen, welche Kernzeiten für die Eltern im Team passen, wann sie erreichbar sind. Ich spreche mich zum Beispiel mit einer Mitarbeiterin frühmorgens ab, mit einer anderen zwischen 13 oder 14 Uhr – dazwischen sind beide für die Kinderbetreuung zuständig und machen Homeschooling. An diese Zeiten halte ich mich, und melde mich bei ihnen ansonsten nur, wenn es sich um einen Notfall handelt.

Sich nicht in negative Gedanken verstricken

Die Situation ist wirklich herausfordernd – ich möchte das gar nicht schönreden. Aber es hilft nicht, alles schwarzzusehen. Mir bleibt auch nichts anderes übrig, als aus der Situation das Beste zu machen, denn die Arbeit bleibt sonst liegen.

Manche Mütter und Väter, mit denen ich spreche, beschweren sich seit Wochen über die immer gleichen Dinge. Das verstehe ich, ich finde das aber auch schwierig, denn es bringt uns nicht weiter. Mir persönlich hilft es, lösungsorientiert vorzugehen. Sich beispielsweise mit anderen Eltern zusammentun, sich mit der Betreuung abwechseln oder sich einen Babysitter teilen.

Chancen in der Krise erkennen

So schwierig die Situation ist: Ich habe gelernt, meine Zeit besser einzuteilen und mehr an meine eigenen Bedürfnisse zu denken, mir zwischendurch immer mal wieder Pausen zu nehmen. Ich finde es auch gut – die Kinder sollen ruhig mitbekommen, was ich beruflich mache. Denn viele Kinder haben gar keinen Einblick in den Beruf ihrer Eltern. Und neben allem Stress ist es auch einfach schön, zwischendurch mal in der Zeit seine Kinder um sich zu haben, in der man sonst im Büro sitzen oder unterwegs sein würde.

 

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