Neues wagen trotz Krise Mein Programm für mehr Struktur und weniger Stress
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© Richard Drury / DigitalVision / Getty Images

In der Krise sieht impulse-Bloggerin Anabel Ternès eine Chance - und baut ein neues Geschäft auf. Wie es dazu kam und wie sie das neben Firma und Familie schafft.

Als der Lockdown kam, sind mir viele Aufträge weggebrochen. Sowohl in meiner Firma, mit der wir uns für digitale Kompetenz in Schulen und Unternehmen einsetzen, als auch für mich als Speakerin. Ich habe in den vergangenen Jahren in Unternehmen und auf Veranstaltungen gesprochen, mein Wissen geteilt. Bei diesen Veranstaltungen ging es zum Beispiel darum, wie man souverän mit digitalen Tools umgeht, wie man die richtigen Mitarbeiter auswählt, oder auch wie man New Leadership lernt und lebt und dabei bei sich beginnt.

Sprechen vor großem Publikum kommt so schnell nicht wieder

Das habe ich sehr gern gemacht, und natürlich habe ich damit auch Geld verdient. Durch Corona war klar, dass diese Aufträge wegen der Pandemie so schnell nicht wiederkommen würden.

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Stattdessen habe ich einige Speakernotes virtuell aus dem Homeoffice gehalten. Klar: Das funktioniert auch, ist aber absolut nicht das gleiche. Per virtuellem Vortrag sind manche Dinge erklärungsbedürftiger und der direkte Draht zum Gegenüber fehlt. Ich empfinde es als einfacher, bereichernder, inspirierender, wenn man sich live sieht und leichter auf die Gruppe eingehen kann. Es ist eine Chance für Teilnehmer, die sich scheuen, Fragen in großer Runde zu stellen, dass sie im Nachgang Fragen unter vier Augen stellen können. Dazu kommt: Es ist immer wieder eine kleine Herausforderung, im Homeoffice Workshops zu leiten oder Vorträge zu halten, wenn Familienmitglieder zuhause sind. Und das lässt sich nicht immer ausschließen.

Der Wunsch meiner Kunden bot mir eine Chance

Mehrere Kunden aus der Vor-Corona-Zeit haben mich dann auf eine Idee gebracht: Sie haben mich gefragt, ob ich ein Coaching-Programm anbieten könnte – ganz ähnlich wie meine früheren Workshops und Vorträge –, das durchgehend digital aufgebaut ist. Mit Coaching-Einheiten, die aufeinander aufbauen und Teilnehmern die Möglichkeit geben, Themen zu vertiefen.

Ich merkte schnell: Das, was diese Kunden brauchten, konnte ich gut realisieren. Die meisten Inhalte hatte ich ohnehin vorbereitet. Ich musste mir nur die virtuelle Umsetzung überlegen. Welche Aufbereitung, Methode und Zusammenstellung zum größten Lernerfolg führt, wie ich individuell auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen kann.

Etwas Neues neben Familie und Firma aufzubauen, ist herausfordernd

Das ist natürlich nicht mal eben nebenbei gemacht. Nach vielen Stunden Arbeit konnten wir im August die Website der „Zukunfts Academy“ launchen und erste Gespräche führen, testen, ob unser Konzept funktioniert, Feedback einholen. Die Idee ist, Mitarbeitern, vor allem High Potentials und Führungskräften, in einem Sechs-Wochen-Programm zu helfen, ihre Potenziale zu leben, ihre Kompetenzen und Stärken auszuarbeiten, sich so zu entwickeln und ihr Profil so zu schärfen, dass sie eine bessere Sichtbarkeit bekommen, eine größere Jobsicherheit und größeren Erfolg – kurz: sich möglichst optimal für ihre Zukunft aufstellen.

Das aufzubauen und daneben meiner Firma Get Your Wings und meiner Familie gerecht zu werden, verlangt eine gute Selbstfürsorge. Um das nicht als zusätzliche Belastung zu sehen und so zu schaffen, dass der Spaß an der Sache nicht auf der Strecke bleibt, habe ich in der Vergangenheit etwas entwickelt, dass ich mein kleines Self-Empowerment-Programm nenne. Sieben Punkte, die mir helfen, fokussiert zu arbeiten, den Anforderungen gerecht zu werden und dabei ziemlich gelassen zu bleiben.

Mein Programm für mehr Struktur und weniger Stress

1. Feste Zeiten einhalten

Ich bemühe mich, zur gleichen Zeit aufzustehen, zu essen und feste Zeiten zu haben, in denen ich für Mitarbeiter nicht erreichbar bin, um für die Familie da zu sein. Das tut mir gut, aber auch meiner Familie. Meine Mitarbeiter wissen etwa, dass es tabu ist, mich zwischen 12 und 13 Uhr anzurufen, und eine Ausnahme, nach 18 Uhr anzurufen.

Diese festen Zeiten einzuhalten, gelingt mir meistens, aber nicht immer. Ich schaffe es zum Beispiel oft nicht, früh ins Bett zu gehen. Und manchmal rufen Mitarbeiter in Notsituationen doch sehr spät an, und das ist auch okay. Oder Freunde oder Familie. Doch grundsätzlich sind die festen Zeiten gut für Struktur und Klarheit.

2. Mich mit Menschen umgeben, die mir gut tun

Menschen, die mich immer abends anrufen, mir alles erzählen, was am Tag schlecht gelaufen ist, sich beschweren über andere und von mir Anerkennung und Bestätigung hören möchten – das kennen vermutlich viele. Ich versuche, mich möglichst nur mit Menschen zu umgeben, die grundlegend positiv eingestellt sind und Beziehung als ein Geben und Nehmen verstehen.

3. Mich bewegen

Sich zu bewegen, schafft einen klaren Kopf. Es muss nicht jeden Tag ein Mords-Sportprogramm sein. Schon ein kleiner Spaziergang mit schnellem Schritt mittags kann gut tun, oder ein paar Kniebeugen und Liegestützen, Pilates-, Atem- oder Yoga-Übungen zwischendurch. Das gibt mir Energie, frische Ideen und Konzentration.

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4. Konsequent sein

Der Vormittag ist geblockt für ein Konzept, ich möchte das Handy ausstellen – da kommt ein Anruf rein, wichtig meine ich, nehme das Gespräch an. Und schon ist mein Vormittag angebrochen und meine Konzepterarbeitung wird nicht in der Zeit fertig, in der ich es eigentlich wollte. Das führt dazu, dass ich abgelenkt bin und mich auch noch ärgere.

Daher bemühe ich mich, konsequent zu sein: geblockt ist geblockt – Konsequenz spart Zeit und Ärger. Der Anruf kann ein paar Stunden warten. Oder ich leite während der Zeit auf eine Mitarbeiterin um – denn: Ich muss nicht immer erreichbar sein. Und an das, was ich angekündigt habe, sollte ich mich auch halten.

5. Intuition

Bei anstehenden Entscheidungen sind wir oft unsicher und bemühen uns beispielsweise, Pro- und Contra-Listen zu erstellen, um einen Entschluss treffen zu können. Eigentlich sagt unser Bauch etwas anderes, aber wir entscheiden nach dem Kopf.

Ich bemühe mich, auf meinen Bauch zu hören. Das Bauchgefühl ist ein wichtiger Indikator für eine gute Entscheidung.

6. Abschalten

Pausen sind wichtig. Ich verschaffe mir täglich kleine Auszeiten, in denen ich bewusst versuche abzuschalten. Ob Spaziergang, Massage, Yoga, ein Bad, Musik hören – was man macht, ist zweitrangig. Es geht eher ums Etwas-anderes-Machen. Und darum, Zeit für sich zu nehmen.

Mehr dazu: Pausengestaltung: Die perfekte Pause

7. Kleine Freuden im Alltag schaffen

Ich versuche, in jeden Tag positive Erlebnisse einzubauen. Auch wenn ein Tag noch so blöd läuft, kann ich zum Beispiel mit einem Freund telefonieren, der immer positiv gelaunt ist, die Dinge zurechtrückt und zeigt, dass es neben den eigenen Problemen noch ganz viel Schönes gibt und dass schlechte Laune noch nie zu guten Ergebnissen geführt hat.

Es tut mir auch gut, Dinge einfach mal spielerisch, beziehungsweise anders anzugehen: Ein Meeting muss nicht am Tisch stattfinden – ein Meeting als Spaziergang kann viel kreativere Lösungen bringen, ist entspannter und ist – wenn das Wetter mitspielt – in Corona-Zeiten auch oftmals einfacher umsetzbar.

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