Neustart Was tun, wenn die Arbeit nicht mehr glücklich macht?

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Alles auf Anfang: impulse-Bloggerin Nina Forkefeld ist aus ihrem persönlichen Hamsterrad ausgestiegen und startete neu.

Alles auf Anfang: impulse-Bloggerin Nina Forkefeld ist aus ihrem persönlichen Hamsterrad ausgestiegen und startete neu.© antifalten / photocase.de

Wenig Zeit, wenig Schlaf, wenig Gefühl: impulse-Bloggerin Nina Forkefeld war als Unternehmerin gefangen in ihrem persönlichen Hamsterrad. Hier beschreibt sie, wie ihr ein Neustart gelungen ist.

Kürzlich fragte mich ein befreundeter Unternehmer: „Glaubst du noch an die große Liebe?“

Ich entgegnete: „Beruflich oder privat?“

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Er ist einer dieser Menschen, die mit ihrer Firma verheiratet sind. Also sprachen wir über die berufliche Bindung, die er eingegangen war. Seine „bessere Hälfte“ war ihm gerade viel zu viel. Die Firma fühlte sich nicht mehr an wie die große Liebe. Und er stand vor der Frage: Was tun, wenn der Berufstraum zum Albtraum wird?

Seine Situation kam mir nur zu bekannt vor. Auch mir ging es vor Kurzem ähnlich. Ich arbeitete immer schneller und immer mehr. Termin nach Termin, wenig Zeit, wenig Schlaf, wenig Sport, wenig Gefühl – immer kontrolliert, immer darauf bedacht, effizienter und besser zu werden. In allen Bereichen wollte ich mehr.

Bis irgendwann die unweigerliche Frage aufkam: „Mehr von was?“ Mehr Zeit, um auf mein Smartphone zu starren? Mir wurde klar, dass ich einer Täuschung aufgesessen war: Nämlich, dass der Mensch eine Maschine ist, die immer weiter optimiert werden kann.

Wenn alles egal ist

Ich nahm mir keine Zeit für Familie, Freunde oder Hobbys. Das verstärkte den Druck. Ich hatte gar keinen Ausgleich mehr. Und die vielen zusätzlichen Stunden, die ich in die Firma investierte, brachten auch keine besseren Ergebnisse. Im Gegenteil, die Lage verschlechterte sich sogar.

Manche mögen in so einer Situation aggressiv werden. Ich verlor meinen Antrieb. Ich erinnere mich noch an einen Moment, in dem ich morgens auf eine grüne Ampel zufuhr – und mir inständig wünschte, sie möge auf Rot springen und es ganz lange bleiben. Mir war einfach alles egal – ein Gefühl, das ich von mir nicht kannte. Von der großen Liebe zu meiner Arbeit spürte ich nichts mehr.

Da wurde mir klar, dass ich so nicht weitermachen will – mit radikalem Entschluss: Ich stieg aus meinem persönlichen Hamsterrad aus und startete neu. Die Geschäftsführer-Rolle bei Marziman – dem Unternehmen, das ich 2015 gegründet hatte – gab ich ab. Ich nahm mir Zeit, um mich neu zu orientieren.

Aus dem jahrelangen Gasgeben wurde schließlich hauptberufliche, professionell betriebene Entschleunigung. Heute leite ich den Akademie-Bereich eines Regenerations-Resorts im Thüringer Wald. Im Grunde ist es jetzt meine Aufgabe, Unternehmern dabei zu helfen, weiter an die große berufliche Liebe zu glauben. Wir bringen ihnen zum Beispiel bei, wie man meditiert. Ich gestalte auch die Programme für die Akademie, stelle das Team auf und suche Referenten.

Ich kann meine Arbeit heute wieder entspannt angehen, weil ich es raus aus meinem Hamsterrad geschafft habe. Wie einem dieser Sprung gelingt, muss vermutlich jeder für sich selbst herausfinden. Mein Rezept ist vielleicht etwas ungewöhnlich – aber mir hat es geholfen.

Wieder zum Natur-Kind werden

Eigentlich bin ich ein „Natur-und-Draußen“-Mensch und bekennender Frischluft-Fan. Aber in den vergangenen fünf Jahren war ich nur sehr selten an der frischen Luft. Einzige Ausnahme: der Weg zur Arbeit und gelegentliche Wochenendspaziergänge. Wenn ich nicht gerade Urlaub hatte, gingen oft auch die Wochenenden für die Arbeit am PC drauf. Gut ging es mir damit nicht.

Dieses Problem löste sich schlagartig, als ich mir einen Hund kaufte. Auf einmal hatte ich einen vierbeinigen Grund, der mich dazu zwang, Pausen einzulegen. Ein neuer Rhythmus bestimmte von da an meinen Tag. Ich wimmelte sogar Anrufer ab, weil sich der Spaziergang nicht länger aufschieben ließ. Ich musste regelmäßig vor die Tür, musste mich bewegen und lernte wieder durchzuatmen. Heute bin ich fast täglich im Wald. Mein Kopf ist freier, der Stresspegel bleibt länger niedrig und ich war schon lange nicht mehr erkältet. Aber natürlich lässt sich Natur-Zeit auch ohne Hund einfach so im Kalender blocken.

Weniger streng mit sich sein

Lange habe ich mich bei der Arbeit auf die Frage fokussiert: Worin bist du richtig gut? Inzwischen erlaube ich mir, mich auch einmal zu fragen: Was möchtest du jetzt tun?

Natürlich ist Arbeit nicht immer ein Wunschkonzert. Aber wer stets im Funktionier-Modus verharrt, wird irgendwann von seinen Pflichten erdrückt. Ich versuche deswegen, jetzt öfter einmal locker zu lassen. Bis heute kommt mir ein „Ich mache jetzt Pause“ zwar nur schwer über die Lippen – ich habe dann oft ein schlechtes Gewissen. Ein Relikt aus Zeiten (meines eigenen) strengen Regiments: Pause machen, ergo „faul sein“, das geht gar nicht! Aber ich übe mich darin, mir regelmäßig Pausen zu gönnen – oder einfach das zu tun, worauf ich gerade Lust habe.

Bewusste Auszeiten einplanen

Ich habe mir angewöhnt, einmal im Monat einen „Prinzessinnen-Tag“ im Kalender zu blockieren. Das ist ein Tag, auf den ich gar keine Termine lege und der so verlaufen darf, wie es einer Prinzessin beliebt: lange schlafen, ausgiebig frühstücken, lesen, die Lieblingsserie schauen, schwimmen oder shoppen gehen … Der Blick auf die Uhr spielt dabei keine Rolle. Freunde können vorbeikommen oder auch nicht. Es gibt keinen telefonischen oder zeitlichen Druck und keine Arbeitsthemen oder E-Mails. Nach einem solchen Tag kehre ich immer gestärkt und voller Elan zurück an die Aufgaben des Vortags. Und ich merke: Nach dieser „Off-Zeit“ schaffe ich wieder viel mehr.

Die Problem-Brille ablegen

Ich erwische mich manchmal dabei, dass ich mich mit Dingen quäle, die schiefgegangen sind – anstatt mich auf das zu konzentrieren, was richtig gut läuft. Seit mir das bewusst geworden ist, wechsele ich öfter in den Beobachtungs-Modus und überlege: Ist der Stress, den ich mir gerade mache, wirklich gerechtfertigt? Entsteht er künstlich? Muss ich mein Tempo beschleunigen, weil es gerade tatsächlich brennt? Oder suggeriert mir mein Gegenüber lediglich, dass etwas im Argen ist?

Ich sammle diese Eindrücke und entscheide erst dann: Muss ich jetzt wirklich handeln? Ich versuche, dabei mehr auf meine innere Stimme zu hören. Weil ich inzwischen weiß, dass sie ein guter Ratgeber ist.

Wenn ich in diesem Beobachtungs-Modus bin, gelingt es mir auch, nicht mehr alles gleich zu bewerten. Statt mich daran abzuarbeiten, was nicht ideal läuft, versuche ich dann, die Dinge so zu schätzen und zu akzeptieren, wie sie gerade sind. Ich höre auf, überall vermeintliche Mängel zu sehen. Und ich bin überzeugt: Nur so kann man sie finden, die große Liebe – auch beruflich!

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1 Kommentar
  • Marie-Christin Graener 12. März 2018 15:22

    Liebe Frau Forkefeld,
    vielen Dank für diese schöne Aufstellung.
    Wenn man einmal betrachtet, wie viel Zeit man in Hetze investiert und wie unglücklich das dauerhaft machen kann, ist es doch immer wieder wichtig, sich darauf zu besinnen, was im Leben wirklich zählt.

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